
Historischer Besuch geplant: Trump will als erster US-Präsident seit fast 30 Jahren nach Venezuela reisen
Was sich noch vor wenigen Jahren wie eine geopolitische Unmöglichkeit angehört hätte, nimmt nun offenbar konkrete Formen an: US-Präsident Donald Trump hat am Freitag vor dem Weißen Haus angekündigt, einen Besuch in Venezuela zu planen. Sollte diese Reise tatsächlich stattfinden, wäre es das erste Mal seit 1997, dass ein amtierender amerikanischer Präsident venezolanischen Boden betritt. Damals war es Bill Clinton, der in Caracas den damaligen Präsidenten Rafael Caldera traf – in einer völlig anderen Welt, in einer völlig anderen Zeit.
Vom Erzfeind zum Geschäftspartner?
Die Ankündigung kommt nicht aus dem Nichts. Sie ist vielmehr das jüngste Kapitel einer bemerkenswerten Annäherung zwischen Washington und Caracas, die vor allem einem Rohstoff geschuldet sein dürfte: Öl. Trump lobte die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez in ungewöhnlich warmen Tönen. Man habe ein „sehr gutes Verhältnis" und arbeite „sehr eng zusammen", insbesondere beim Zugang zu venezolanischem Erdöl. Auf die Frage, ob er Rodríguez als offizielle Regierungschefin anerkenne, antwortete Trump knapp: „Ja, das haben wir getan."
Wer sich erinnert, wie die USA unter verschiedenen Administrationen jahrelang den selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó unterstützten und das Maduro-Regime mit Sanktionen belegten, der reibt sich verwundert die Augen. Doch in der Realpolitik zählen eben keine Ideale, sondern Interessen – und Venezuelas Ölreserven gehören zu den größten der Welt.
Milliarden fließen jetzt über das US-Finanzministerium
Besonders aufschlussreich sind die Aussagen von US-Energieminister Chris Wright, der gegenüber NBC News erklärte, dass die Einnahmen aus venezolanischen Ölverkäufen nicht mehr auf ein Konto in Katar eingezahlt würden. Bislang sei das Geld über ein von der US-Regierung kontrolliertes Konto im Golfstaat gelaufen, bevor es nach Venezuela weitergeleitet wurde. Nun fließen die Gelder direkt über ein Konto beim US-Finanzministerium. Die Einnahmen aus dem venezolanischen Ölgeschäft übersteigen mittlerweile die Marke von einer Milliarde Dollar.
Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um hier ein Muster zu erkennen: Die USA sichern sich unter verschärfter Aufsicht den Zugriff auf venezolanisches Öl – und legitimieren im Gegenzug eine Regierung, die sie noch vor kurzem als illegitim betrachteten. Pragmatismus in Reinform, könnte man sagen. Oder, weniger diplomatisch formuliert: Wer Öl hat, bekommt Anerkennung.
Was Europa davon lernen könnte
Während Trump mit bemerkenswerter Geschwindigkeit neue Energiepartnerschaften schmiedet und die amerikanische Versorgungssicherheit diversifiziert, verharrt Europa – und allen voran Deutschland – in einer ideologisch verbrämten Energiepolitik, die den eigenen Wohlstand systematisch untergräbt. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat zwar die schlimmsten Auswüchse der grünen Energiewende rhetorisch korrigiert, doch von einer derart entschlossenen Rohstoffdiplomatie, wie sie Trump betreibt, ist Berlin meilenweit entfernt.
Trump erwähnte bei seiner Pressekonferenz auch ein „gutes Treffen" mit Kolumbien, Venezuelas Nachbarland. Es deutet alles darauf hin, dass die USA ihre Einflusssphäre in Südamerika systematisch ausbauen – nicht mit Sanktionen und moralischen Belehrungen, sondern mit knallharten Geschäften. Eine Lektion, die mancher europäische Politiker dringend beherzigen sollte.
Ob der Venezuela-Besuch tatsächlich stattfinden wird und wann, ließ Trump bewusst offen. Einen konkreten Zeitplan gebe es noch nicht. Doch allein die Ankündigung sendet ein unmissverständliches Signal: In Trumps Welt zählt nicht die politische Vergangenheit eines Landes, sondern sein wirtschaftliches Potenzial. Und Venezuela hat davon reichlich – unter der Erde.
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