
Machtkampf im Kanzleramt: Der tiefe Fall des Jacob Schrot

Was sich hinter den schweren Eichentüren des Bundeskanzleramts abspielt, bleibt der Öffentlichkeit meist verborgen. Doch manchmal dringen Geschichten nach außen, die mehr über den Zustand unserer politischen Führung verraten, als es jede Regierungserklärung vermag. Der Rausschmiss von Friedrich Merz' langjährigem Büroleiter Jacob Schrot ist eine solche Geschichte – ein Lehrstück über Hybris, Intrigen und das Versagen der politischen Klasse.
Ein Kanzler, der sich nicht beraten lässt
Friedrich Merz, der jahrzehntelang auf den höchsten Posten im Staat hingearbeitet hat, scheint an einem Problem zu leiden, das viele Mächtige befällt: Er hört nicht gern auf andere. Wer so lange auf ein Ziel hinarbeitet und es schließlich erreicht, entwickelt nicht selten ein Ego, das wohlmeinende Ratschläge als Angriff auf die eigene Unfehlbarkeit interpretiert. Die Folge sind jene kommunikativen Ausrutscher, die sein Team regelmäßig mühsam wieder geradebiegen muss.
Nach neun Monaten Kanzlerschaft hat sich in der Bevölkerung enormer Frust aufgestaut. Die versprochenen Reformen stocken, die Wirtschaft liegt am Boden, und selbst die Auslandsreisen haben Merz nicht zum erhofften "Europakanzler" werden lassen. Verbände und Unternehmer, die einst den wirtschaftsliberalen Durchstarter herbeigesehnt hatten, schimpfen mittlerweile lauthals über die ausbleibende ökonomische Erneuerung.
Der Aufstieg eines Youngsters
Jacob Schrot aus Brandenburg an der Havel hatte eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Ohne die übliche parteiinterne Ochsentour hatte er sich seit 2018 eng an Merz gebunden und wurde 2022 dessen Büroleiter. Als Merz ins Kanzleramt einzog, nahm er seinen Vertrauten mit – sehr zum Missfallen vieler altgedienter Parteisoldaten, die neidisch auf den jungen Ostdeutschen blickten.
"Schaut mal, wie weit bin ich gekommen!"
Diese Haltung soll Schrot ausgestrahlt haben. Charmant, aber von oben herab. Ein bisschen arrogant, ein bisschen zu selbstbewusst für sein Alter. Er hielt die Kanzlertür für Wartende geschlossen, wählte aus, wer vorgelassen wurde. Das tun andere Büroleiter auch – aber bei ihm, dem jungen Aufsteiger, wirkte es anmaßend.
Überfordert und verheizt
Die offizielle Begründung für Schrots Entlassung lautet, dass "mehr wirtschaftliche Expertise an der Seite des Kanzlers gefragt sei". Doch diese Erklärung hält einer näheren Betrachtung kaum stand. Schrot war nie primär für ökonomische Beratung zuständig – er galt vielmehr als Experte für Außenpolitik und Sicherheit. Seine Aufgabe bestand in der Terminkoordination und der Leitung des neu eingerichteten Nationalen Sicherheitsrats.
Die Wahrheit dürfte unbequemer sein: Merz hat sich personell verschätzt. Er hat einem jungen, ehrgeizigen Mann eine Aufgabe übertragen, die ihn zwangsläufig überfordern musste. Die Gelassenheit und Seniorität eines erfahrenen Beraters fehlten Schrot schlichtweg – nicht aus Unfähigkeit, sondern weil man diese Eigenschaften erst mit den Jahren entwickelt. Der Kanzler hat seinen Vertrauten regelrecht verheizt.
Die Intrige im Hintergrund
Als die Umfragewerte zu sinken begannen und Merz öffentlich ins Straucheln geriet, brauchte man einen Schuldigen. Das Adenauerhaus wollte für die schlechten Zahlen nicht verantwortlich gemacht werden, und mit Generalsekretär Carsten Linnemann hatte die Parteizentrale ein schützendes Bollwerk. Schrot hingegen war am leichtesten zu entfernen.
Es war keine harte Intrige im klassischen Sinne – aber auch nicht weit davon entfernt. Intern mehrten sich die Stimmen, dass es "eventuell doch auch an dem jungen Ostdeutschen liegen könnte". Ein klassisches Bauernopfer wurde gefunden. Immerhin gönnte man ihm noch die Weihnachtszeit, bevor die unangenehme Nachricht kurz nach Neujahr überbracht wurde.
Der Nachfolger steht bereit
Mit Philipp Birkenmaier wurde schnell ein Ersatz gefunden – ein 50-Jähriger mit langjähriger Kanzleramtserfahrung, der zuletzt als Bundesgeschäftsführer der CDU tätig war. Er bringt die Seniorität mit, die Schrot fehlte, und wird von Linnemann protegiert. Die Union erhofft sich davon eine bessere Kommunikation zwischen Kanzleramt und Partei.
Ein Symptom tieferer Probleme
Der Fall Schrot offenbart mehr als nur eine personelle Fehlentscheidung. Er zeigt, wie es um die strategische Kompetenz in der Führungsetage der CDU bestellt ist. Ein Kanzler, der sich nicht beraten lässt, ein junger Mitarbeiter, der über seine Verhältnisse eingesetzt wird, und eine Partei, die bei Problemen lieber nach Sündenböcken sucht, statt die eigentlichen Ursachen anzugehen.
Für Jacob Schrot dürfte die politische Karriere vorerst beendet sein. Doch der junge Mann hatte bereits früher durchblicken lassen, dass er irgendwann in die Privatwirtschaft wechseln wolle. Dort wird man von ihm sicherlich noch hören. Die Frage ist nur, ob Friedrich Merz aus diesem Debakel die richtigen Lehren zieht – oder ob er weiterhin in seiner Hybris gefangen bleibt, während Deutschland auf bessere Zeiten wartet.
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