
Mineralöl im veganen Käse: Wenn der „gesunde" Ersatz zum Gesundheitsrisiko wird
Man könnte meinen, wer sich bewusst für vegane Ernährung entscheidet, tue seinem Körper automatisch etwas Gutes. Schließlich wird uns von morgens bis abends eingehämmert, dass pflanzliche Alternativen der Königsweg zu einem nachhaltigen, gesunden Leben seien. Doch die Realität sieht bisweilen anders aus – deutlich anders. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat nun eine Warnung ausgesprochen, die so manchen überzeugten Veganer ins Grübeln bringen dürfte: Vegane Käseersatzprodukte können mit gesundheitlich bedenklichen Mineralölrückständen belastet sein.
Erschreckende Befunde bei 67 untersuchten Produkten
Im Rahmen eines Monitoring-Projekts aus dem Jahr 2024 untersuchte das BVL insgesamt 67 vegane Käseersatzprodukte – und die Ergebnisse sind alles andere als appetitlich. In sage und schreibe 57 der 67 Proben wurden sogenannte gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) nachgewiesen. Das entspricht einer Quote von über 85 Prozent. Der Spitzenreiter unter den belasteten Produkten – ein Erzeugnis auf Kokosfettbasis – brachte es auf stolze 12 Milligramm pro Kilogramm.
Noch beunruhigender sind die Befunde zu aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen, kurz MOAH. Diese wurden in acht Proben gefunden. In sieben Fällen lag der Gehalt über dem derzeit herangezogenen Beurteilungswert von einem Milligramm pro Kilogramm. Der höchste gemessene MOAH-Wert betrug 2,5 Milligramm pro Kilogramm – ebenfalls in einem kokosfettbasierten Produkt. Warum das relevant ist? Weil einzelne aromatische Verbindungen dieser Stoffgruppe als potenziell genotoxisch und krebserregend gelten.
Besonders Kinder sind gefährdet
Andrea Luger, Leiterin der Abteilung Lebensmittelsicherheit im BVL, machte in einer Pressemitteilung unmissverständlich klar, wo die Behörde den größten Handlungsbedarf sieht: bei Kleinkindern, Kindern und sogenannten Vielverzehrern aller Altersgruppen. Für Erwachsene mit durchschnittlichem Konsum bestehe zwar derzeit kein akutes Gesundheitsrisiko, doch die toxikologischen Eigenschaften von MOAH erforderten bei den genannten Risikogruppen dringendes Handeln.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Da werden Eltern von einer regelrechten Marketingmaschinerie dazu gedrängt, ihren Kindern pflanzliche Alternativen aufzutischen, weil das angeblich so viel besser für Gesundheit und Klima sei. Und dann stellt sich heraus, dass ausgerechnet diese Produkte mit Substanzen belastet sein können, die im Verdacht stehen, krebserregend zu wirken. Die Ironie könnte kaum bitterer schmecken.
Keine verbindlichen Grenzwerte – ein regulatorisches Versagen
Besonders pikant: Rechtsverbindliche Höchstgehalte für MOSH und MOAH in Lebensmitteln existieren bis heute nicht. Für MOSH liegen nicht einmal Beurteilungswerte vor, da bislang keine gesundheitsschädlichen Wirkungen beim Menschen nachgewiesen worden seien. Für MOAH werden lediglich Richtwerte herangezogen – wohlgemerkt Richtwerte, keine verbindlichen Grenzwerte. Man fragt sich unwillkürlich, worauf die zuständigen Behörden eigentlich warten. Auf den endgültigen Beweis, dass diese Stoffe Schaden anrichten? Dann könnte es für so manchen Verbraucher bereits zu spät sein.
Sowohl die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung empfehlen, Mineralölverunreinigungen in Lebensmitteln – insbesondere MOAH – möglichst zu vermeiden oder auf ein technisch erreichbares Minimum zu begrenzen. Schöne Worte. Doch ohne verbindliche Rechtsvorschriften bleiben sie genau das: Worte.
Die Schattenseite der veganen Industrieprodukte
Die Ursachen für die Kontamination liegen in der Natur der verwendeten Rohstoffe und ihrer Verarbeitung. Vegane Käseersatzprodukte bestehen häufig aus pflanzlichen Fetten und Ölen wie Kokosfett, Rapsöl oder Sheabutter. Diese Rohstoffe gelten als besonders anfällig für Verunreinigungen entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette – von der Ernte über die maschinelle Verarbeitung bis hin zur Verpackung. Überall dort, wo Maschinen laufen, wo gepresst, gemahlen und gerührt wird, können Schmieröle und andere Mineralölbestandteile in die Lebensmittel gelangen.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele dieser hochverarbeiteten veganen Ersatzprodukte mit der Natürlichkeit, die sie suggerieren, wenig gemein haben. Was als grüne, ethisch einwandfreie Alternative zum echten Käse vermarktet wird, ist in Wahrheit oft ein Produkt aus dem Chemiebaukasten der Lebensmittelindustrie – zusammengehalten von Verdickungsmitteln, angereichert mit Aromen und offenbar garniert mit einer Prise Mineralöl.
Ein Symptom eines größeren Problems
Dieser Befund reiht sich ein in eine lange Liste von Lebensmittelskandalen, die eines gemeinsam haben: Sie offenbaren die Schwächen einer globalisierten, auf maximale Effizienz getrimmten Lebensmittelproduktion. Während die Politik nicht müde wird, den Bürgern neue Ernährungsvorschriften und Klimaziele aufzuerlegen, versagt sie bei der grundlegendsten aller Aufgaben – der Sicherstellung, dass das, was auf unseren Tellern landet, auch tatsächlich unbedenklich ist.
Das BVL hat angekündigt, die Untersuchungen auszuweiten und die Datenbasis zu verbessern. Gleichzeitig sieht die Behörde die Hersteller in der Pflicht, ihre Produktionsprozesse zu optimieren. Ob das ausreicht? Wohl kaum. Solange es keine verbindlichen Grenzwerte gibt, solange die Verantwortung elegant an die Industrie delegiert wird und solange der Verbraucher im Supermarktregal zwischen Hunderten von Produkten steht, deren tatsächliche Inhaltsstoffe er nicht einmal ansatzweise durchschauen kann, bleibt der Schutz der Bürger ein frommer Wunsch.
Vielleicht wäre es an der Zeit, sich wieder auf das zu besinnen, was Generationen vor uns ganz selbstverständlich wussten: Echte, traditionelle Lebensmittel – hergestellt von regionalen Erzeugern nach bewährten Methoden – sind durch kein noch so clever vermarktetes Industrieprodukt zu ersetzen. Wer echten Käse isst, weiß zumindest, was drin ist. Beim veganen Ersatz aus der Fabrik kann man sich da offensichtlich nicht mehr so sicher sein.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











