
Münchner Textilspezialist Sympatex am Ende: Die Pleitewelle rollt unaufhaltsam weiter

Die deutsche Wirtschaft kommt nicht zur Ruhe. Während die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz vollmundig von wirtschaftlicher Erneuerung spricht, reiht sich eine Insolvenz an die nächste. Jüngstes Opfer der anhaltenden Krise: die Sympatex Technologies GmbH aus Unterföhring bei München, ein traditionsreicher Spezialist für Funktionsmaterialien in der Textilbranche.
Ein Traditionsunternehmen geht in die Knie
Am 22. Januar 2026 stellte das Unternehmen beim Amtsgericht München den gefürchteten Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit. Nur vier Tage später ordnete das Gericht die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Rechtsanwalt Axel Bierbach von der Münchner Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen übernimmt nun die undankbare Aufgabe, aus den Trümmern zu retten, was noch zu retten ist.
Doch damit nicht genug: Auch über das Vermögen der Smart Solutions Holding GmbH, der Muttergesellschaft von Sympatex, wurde ein Insolvenzantrag gestellt. Ein Dominoeffekt, der die Dimension dieser wirtschaftlichen Katastrophe erst richtig verdeutlicht.
70 Mitarbeiter bangen um ihre Existenz
Hinter den nüchternen Zahlen und juristischen Fachbegriffen verbergen sich menschliche Schicksale. Rund 70 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen und müssen nun um ihre berufliche Zukunft fürchten. Immerhin: Bis Ende März erhalten sie Insolvenzgeld – ein schwacher Trost für Menschen, die teilweise seit Jahrzehnten ihr Fachwissen in dieses Unternehmen eingebracht haben.
„Die Antragstellung ist das Ergebnis schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, die zuletzt nicht mehr allein durch das operative Geschäft ausgeglichen werden konnten"
So die nüchterne Erklärung von Kim Scholze, die erst seit Ende September 2025 als alleinige Geschäftsführerin fungiert. Man fragt sich unwillkürlich, ob sie das sinkende Schiff übernommen hat, ohne das volle Ausmaß der Misere zu kennen.
Vom Vorzeigeunternehmen zum Sanierungsfall
Sympatex galt jahrzehntelang als ernstzunehmender Konkurrent des Branchenriesen Goretex. Das Unternehmen hatte sich auf die Entwicklung und Vermarktung von Membranen spezialisiert, die wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv sind – unverzichtbare Eigenschaften für Outdoor-Ausrüstung, Sportbekleidung und professionelle Arbeitskleidung. Mit einem Umsatz von rund 22,8 Millionen Euro im Jahr 2025 war Sympatex kein Schwergewicht, aber ein solider Mittelständler mit technologischer Kompetenz.
Besonders pikant: Das Unternehmen hatte sich dem Zeitgeist entsprechend der Nachhaltigkeit verschrieben und seine Stoffe so entwickelt, dass sie ökologischen Anforderungen entsprechen. Doch all die grünen Versprechen und nachhaltigen Konzepte konnten offenbar nicht verhindern, dass am Ende schlicht das Geld fehlte.
Dunkle Schatten der Vergangenheit
Die aktuelle Insolvenz ist nicht der erste Stolperstein in der Unternehmensgeschichte. Ein Urteil des Landgerichts München I vom 17. Oktober 2025 wirft ein bezeichnendes Licht auf die Geschäftspraktiken der Vergangenheit: Anleger sollen bei einer früheren Restrukturierung getäuscht worden sein. Man forderte sie auf, auf ihr Kapital zu verzichten, um das Unternehmen zu retten – obwohl es angeblich keine ernsthaften Kaufinteressenten gegeben haben soll.
Ob und inwieweit mögliche Forderungen dieser geprellten Anleger im laufenden Insolvenzverfahren eine Rolle spielen werden, bleibt vorerst unklar. Die zuständige Kanzlei hält sich bedeckt und erklärt, derzeit sei dies nicht zu erwarten. Man darf gespannt sein, ob diese Einschätzung Bestand haben wird.
Hoffnung auf Neuanfang – oder nur Durchhalteparolen?
Insolvenzverwalter Bierbach gibt sich optimistisch und spricht davon, die Insolvenz nutzen zu wollen, um Sympatex neu zu strukturieren und einen Start ohne die Altlasten der Vergangenheit zu ermöglichen. Das Unternehmen verfüge über eine technologisch starke Position im Markt und Mitarbeiter mit umfassendem Spezialwissen. In den kommenden Wochen werde man prüfen, wie das Unternehmen wirtschaftlich stabilisiert werden könne.
Schöne Worte, die man bei nahezu jeder Insolvenz zu hören bekommt. Die Realität sieht oft anders aus: Zerschlagung, Massenentlassungen und das endgültige Aus für traditionsreiche Marken. Ob Sympatex diesem Schicksal entgehen kann, steht in den Sternen.
Ein Symptom der deutschen Wirtschaftskrise
Die Insolvenz von Sympatex ist kein Einzelfall, sondern ein weiteres Symptom einer tiefgreifenden Krise der deutschen Wirtschaft. Die Pleitewelle, die bereits 2024 und 2025 über das Land rollte, reißt auch 2026 nicht ab. Hohe Energiekosten, überbordende Bürokratie, eine erdrückende Steuerlast und eine Politik, die jahrelang ideologische Experimente über wirtschaftliche Vernunft stellte – all das fordert nun seinen Tribut.
Während die Große Koalition unter Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur plant und damit die Schuldenlast künftiger Generationen weiter in die Höhe treibt, kämpfen mittelständische Unternehmen wie Sympatex ums nackte Überleben. Die Frage drängt sich auf: Wann wird die Politik endlich begreifen, dass nicht neue Schulden, sondern echte Reformen und Entlastungen für die Wirtschaft der Schlüssel zur Erholung sind?

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