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Kettner Edelmetalle
09.04.2026
05:04 Uhr

Nordstream-Sabotage: CIA-geschulte Ukrainer als Drahtzieher enttarnt – und Berlin wusste Bescheid?

Es ist eine Geschichte, die an einen Agententhriller erinnert – nur dass sie sich offenbar tatsĂ€chlich so zugetragen hat. Mehr als dreieinhalb Jahre nach der Sprengung der Nordstream-Pipelines in der Ostsee im September 2022 wollen zwei Investigativjournalisten nun die Verantwortlichen identifiziert haben. Und die Erkenntnisse, die in ihrem neuen Buch „Die Sprengung" dargelegt werden, haben es in sich: Hinter dem wohl folgenschwersten Sabotageakt gegen europĂ€ische Energieinfrastruktur sollen zwei ehemalige ukrainische Geheimdienstagenten stecken, die zuvor vom amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA ausgebildet worden waren.

Keine staatliche Operation – aber mit GeheimdienstnĂ€he

Die Autoren Oliver Schröm und Ulrich Thiele zeichnen in ihrem Werk ein Bild, das weder die einfache ErzĂ€hlung einer russischen Selbstsabotage noch die eines direkten staatlichen Auftrags bedient. Vielmehr soll es sich um eine kleine, weitgehend eigenstĂ€ndig agierende Gruppe gehandelt haben, angefĂŒhrt von zwei MĂ€nnern mit tiefgreifender nachrichtendienstlicher Erfahrung. Diese beiden Drahtzieher hĂ€tten der aktuellen ukrainischen Regierung unter PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sogar kritisch gegenĂŒbergestanden. Der Grund: Als Selenskyj 2019 mit einem Entspannungskurs gegenĂŒber Moskau ins Amt kam, wurden die beiden Agenten, die zuvor Operationen gegen prorussische KrĂ€fte in der Ostukraine durchgefĂŒhrt hatten, kaltgestellt und sogar staatlich verfolgt.

Das Motiv? Ukrainischer Patriotismus in seiner radikalsten Form. Man habe Russland sein mĂ€chtigstes wirtschaftliches Druckmittel im Krieg gegen die Ukraine entreißen wollen. Eine Logik, die aus ukrainischer Perspektive durchaus nachvollziehbar erscheint – die aber fĂŒr Deutschland und ganz Europa verheerende Konsequenzen hatte. Denn mit der Zerstörung der Pipelines verlor Deutschland nicht nur eine zentrale Energieversorgungsader, sondern auch jeglichen Verhandlungsspielraum in der Gasfrage.

Die CIA: Erst UnterstĂŒtzung, dann Warnung?

Besonders brisant ist die Rolle des amerikanischen Geheimdienstes. Laut den Recherchen der beiden Journalisten soll die CIA den Drahtziehern zunĂ€chst UnterstĂŒtzung angeboten haben. Erst als der niederlĂ€ndische Geheimdienst von dem geplanten Anschlag Wind bekommen habe, sei Washington umgeschwenkt und habe eine Warnung an die europĂ€ischen Partner herausgegeben. Man muss sich diese Chronologie auf der Zunge zergehen lassen: Der mĂ€chtigste Geheimdienst der Welt soll zunĂ€chst eine Operation unterstĂŒtzt haben, die sich gegen die kritische Infrastruktur eines NATO-VerbĂŒndeten richtete – und erst dann zurĂŒckgerudert sein, als ein anderer Dienst davon erfuhr.

Selenskyj selbst soll ĂŒber die konkrete Operation nicht informiert gewesen sein. Ihm hĂ€tten lediglich vage, unkonkrete Informationen vorgelegen. Ob man dieser Darstellung Glauben schenken mag, bleibt jedem selbst ĂŒberlassen. In der Welt der Geheimdienste ist plausible Abstreitbarkeit schließlich kein Zufall, sondern Methode.

Berlins Versagen: Warnung erhalten, nichts unternommen

Was die Angelegenheit fĂŒr deutsche BĂŒrger jedoch besonders unertrĂ€glich macht, ist die mutmaßliche Rolle der damaligen Bundesregierung unter Olaf Scholz. Wolfgang Schmidt, seinerzeit Kanzleramtschef und damit auch fĂŒr die Koordination der Geheimdienste zustĂ€ndig, soll vor dem Anschlag eine sehr konkrete Warnung durch den niederlĂ€ndischen Geheimdienst erhalten haben. Eine konkrete Warnung – und dennoch geschah offenbar nichts, um die fĂŒr Deutschland lebenswichtige Infrastruktur zu schĂŒtzen.

Noch schwerer wiegt der Vorwurf, Schmidt habe nach dem Anschlag seine Medienkontakte gezielt eingesetzt, um die Ukraine als Verantwortliche darzustellen – mit dem KalkĂŒl, Waffenlieferungen an Kiew politisch zu torpedieren. Die Autoren werfen dabei mehreren Journalisten enge Verbindungen zum Kanzleramtschef vor. Namentlich genannt wird der Zeit-Journalist Holger Stark, der die VorwĂŒrfe umgehend auf LinkedIn zurĂŒckwies und die Darstellungen als „grundfalsch" bezeichnete.

Ein Muster des Versagens

UnabhĂ€ngig davon, ob sich jedes Detail der Recherchen als zutreffend erweisen wird, offenbart die Nordstream-AffĂ€re ein erschreckendes Muster: Eine Bundesregierung, die trotz konkreter Geheimdienstwarnungen die eigene Infrastruktur nicht schĂŒtzt. Ein Kanzleramt, das im Nachgang möglicherweise Medien instrumentalisiert, um innenpolitische Ziele zu verfolgen. Und eine Justiz, die nach ĂŒber drei Jahren noch immer keinen einzigen Verantwortlichen vor Gericht gebracht hat.

FĂŒr den deutschen Steuerzahler, der die explodierenden Energiekosten seit 2022 aus eigener Tasche bezahlen musste, ist das ein Schlag ins Gesicht. Die Nordstream-Pipelines waren ein Milliardenprojekt, an dem auch deutsche Unternehmen maßgeblich beteiligt waren. Ihre Zerstörung hat die Energiepreise in die Höhe getrieben, ganze Industriezweige unter Druck gesetzt und Deutschland in eine beispiellose Energiekrise gestĂŒrzt. Dass die damalige Ampelregierung unter Scholz offenbar nicht einmal in der Lage oder willens war, diese kritische Infrastruktur zu schĂŒtzen, obwohl Warnungen vorlagen, spricht BĂ€nde ĂŒber den Zustand der deutschen Sicherheitspolitik jener Jahre.

Man fragt sich unweigerlich: Wie viele Warnungen braucht eine Regierung, bevor sie handelt? Und welchen Wert hat ein BĂŒndnis, dessen stĂ€rkster Partner die Sabotage der eigenen VerbĂŒndeten zumindest zeitweise unterstĂŒtzt haben soll?

Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht nun vor der Aufgabe, dieses dunkle Kapitel aufzuarbeiten. Es wĂ€re ein Zeichen politischer StĂ€rke, die Verantwortlichen – auf allen Seiten – zur Rechenschaft zu ziehen. Denn eines ist klar: Wer die Zerstörung kritischer Infrastruktur eines NATO-Partners duldet oder gar begĂŒnstigt, untergrĂ€bt nicht nur das Vertrauen zwischen VerbĂŒndeten, sondern die Sicherheitsarchitektur Europas insgesamt. Die deutschen BĂŒrger haben ein Recht darauf, die volle Wahrheit zu erfahren – und zwar nicht erst in einem weiteren Buch, sondern vor einem ordentlichen Gericht.

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