
Pflegekräfte-Exodus in die Schweiz: Deutsche Patienten sterben für den Wohlstand anderer

Was passiert, wenn ein Land seine Fachkräfte nicht mehr halten kann? Die Antwort ist erschreckend simpel: Menschen sterben. Eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und des ifo Instituts München legt schonungslos offen, welchen Preis die deutsche Bevölkerung für die Abwanderung von Pflegekräften in die Schweiz zahlt. Die Ergebnisse sollten jeden Gesundheitspolitiker aus seinem bürokratischen Schlummer reißen.
40.000 Euro Gehaltsdifferenz – wer kann es den Pflegekräften verdenken?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während eine Pflegekraft in Deutschland durchschnittlich etwa 48.700 Euro im Jahr verdient, lockt die Schweiz mit umgerechnet rund 92.000 Euro. Eine Differenz von satten 40.000 Euro jährlich – das ist kein Taschengeld, das ist ein zweites Gehalt. Wer würde bei solchen Aussichten nicht über die Grenze pendeln?
Der Auslöser dieser Entwicklung liegt bereits über ein Jahrzehnt zurück. Im Jahr 2011, inmitten der europäischen Schuldenkrise, wertete der Schweizer Franken massiv auf. Die Schweizerische Nationalbank fixierte dieses Niveau durch einen Mindestwechselkurs – und schuf damit einen dauerhaften Magneten für deutsche Fachkräfte. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die Zahl der Grenzgänger im Gesundheitssektor schnellte sprunghaft in die Höhe.
12 Prozent weniger Personal – die Versorgung kollabiert
Die grenznahen deutschen Krankenhäuser verloren in der Folge rund 12 Prozent ihres examinierten Pflegepersonals. Wohlgemerkt: Dieser Aderlass betraf ausschließlich die qualifizierten Pflegekräfte. Ärzte und anderes medizinisches Personal blieben weitgehend unberührt. Doch gerade die Pflege ist das Rückgrat jeder Klinik.
Das Perfide an der Situation: Die Krankenhäuser können ihre Fallzahlen aufgrund gesetzlicher Versorgungsaufträge kaum reduzieren. Die Patienten kommen weiterhin – nur kümmert sich nun weniger Personal um sie. Die Betreuungsrelation verschlechterte sich dramatisch, während die Politik tatenlos zusah.
Die Sterblichkeit steigt – besonders bei Notfällen
Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind nicht abstrakt, sie sind tödlich. Die Studie weist für grenznahe Krankenhäuser einen Anstieg der innerklinischen Sterblichkeit um 4,4 Prozent nach. Bei bestimmten Diagnosen fallen die Zahlen noch erschreckender aus:
Sepsis-Patienten sterben dort 11,6 Prozent häufiger. Bei Herzinfarkten beträgt der Anstieg sogar 17,7 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet dies mehrere zusätzliche Todesfälle je tausend behandelter Patienten. Das sind keine Statistiken – das sind Väter, Mütter, Großeltern, die nicht mehr nach Hause kommen.
Lebenserwartung stagniert – während Deutschland voranschreitet
Die Auswirkungen beschränken sich keineswegs auf das Krankenhausgeschehen. Auf regionaler Ebene erhöhte sich die allgemeine Sterblichkeit, insbesondere bei älteren Menschen. Die Lebenserwartung in den betroffenen Grenzregionen sank um rund 0,3 statistische Lebensjahre.
Während im übrigen Deutschland die Lebenserwartung im Untersuchungszeitraum weiter anstieg, stagnierte sie im Grenzgebiet. Die betroffenen Landkreise rutschten im bundesweiten Vergleich deutlich nach unten ab. Oliver Schlenker, Studienautor und Research Associate am ZEW, bringt es auf den Punkt: Der Fachkräftemangel beeinflusse nicht nur das Wirtschaftswachstum, sondern auch den Anstieg der Lebenserwartung negativ.
Das Versagen der Politik – ein Muster mit System
Diese Studie offenbart einmal mehr das fundamentale Versagen deutscher Gesundheitspolitik. Jahrelang wurde der Pflegeberuf systematisch kaputtgespart, die Arbeitsbedingungen verschlechtert, die Gehälter auf einem Niveau gehalten, das im europäischen Vergleich bestenfalls mittelmäßig ist. Und nun wundert man sich, dass qualifizierte Fachkräfte dorthin gehen, wo ihre Arbeit angemessen entlohnt wird?
Die vielgepriesene Freizügigkeit der europäischen Arbeitsmärkte entpuppt sich im Gesundheitswesen als zweischneidiges Schwert. Was für den Einzelnen ein Segen sein mag – bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen – wird für die zurückbleibende Bevölkerung zum Fluch. Die Logik des freien Marktes funktioniert eben nicht, wenn es um Menschenleben geht.
Die Datengrundlage lässt keinen Zweifel
Die Studie basiert auf einer außergewöhnlich breiten Datengrundlage. Ausgewertet wurden sämtliche stationären Krankenhausfälle in Deutschland zwischen 2006 und 2017, ergänzt um detaillierte Beschäftigungs- und Grenzgängerdaten aus beiden Ländern. Damit lässt sich der Zusammenhang zwischen Pflegekräftemangel und Gesundheitsindikatoren nicht mehr wegdiskutieren.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, diesen Missstand endlich anzugehen. Doch angesichts eines 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens für Infrastruktur und ambitionierter Klimaziele bleibt fraglich, ob für die Pflege noch genügend Aufmerksamkeit und Mittel übrig bleiben. Die Menschen in den Grenzregionen werden es mit ihrer Gesundheit bezahlen – oder schlimmer.
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