
Pulverfass Südasien: Pakistan erklärt Afghanistan den offenen Krieg – und der Iran nutzt die Gunst der Stunde
Was sich seit Jahren wie ein schwelender Flächenbrand durch die Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan fraß, ist nun in lodernde Flammen aufgegangen. Islamabad hat den Taliban in Kabul den „offenen Krieg" erklärt – und während Bomben auf afghanische Städte fallen, positionieren sich ausgerechnet der Iran und China als vermeintliche Friedensstifter. Ein geopolitisches Schachspiel, das weit über Südasien hinausreicht.
Eskalation nach Jahren der Provokation
Die Vorgeschichte ist lang, die Zündschnur kurz. Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 haben sich die Spannungen entlang der mehrere tausend Kilometer langen pakistanisch-afghanischen Grenze stetig verschärft. Artilleriebeschuss, Luftschläge, Gefechte zwischen Grenztruppen – all das gehörte längst zum bitteren Alltag. Doch was in den vergangenen Tagen geschah, hat eine neue Qualität.
Afghanische Streitkräfte griffen mehrere pakistanische Außenposten in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa an. Stellungen seien eingenommen, Soldaten getötet oder verletzt worden, so die Taliban. Islamabad sprach von „unprovozierten Attacken". Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: In der Nacht auf Freitag donnerten pakistanische Kampfjets über afghanisches Staatsgebiet. Kabul, Kandahar, die Provinz Paktia – überall Explosionen, stundenlange Gefechte, Tote und Verletzte auf beiden Seiten. Auch Zivilisten wurden getroffen.
Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif fand auf der Plattform X unmissverständliche Worte: „Unsere Geduld ist am Ende." Nun herrsche Krieg. Ministerpräsident Shehbaz Sharif sekundierte, die Streitkräfte verfügten über die volle Fähigkeit, „jegliche aggressiven Ambitionen zu zerschlagen". Man kennt diese Rhetorik – doch diesmal scheint sie mehr als bloße Drohgebärde zu sein.
Der Terrorismus als Brandbeschleuniger
Im Kern des Konflikts steht ein Problem, das Pakistan seit Jahrzehnten plagt: die Tehrik-i-Taliban Pakistan, kurz TTP. Islamabad wirft der Taliban-Regierung in Kabul vor, diese militante Gruppierung auf afghanischem Boden gewähren zu lassen – eine Gruppierung, die von dort aus Anschläge in Pakistan verübt. Kabul bestreitet dies vehement und kontert mit dem Vorwurf der Souveränitätsverletzung.
Ein schwerer Anschlag auf eine schiitische Moschee in Islamabad mit 31 Toten hatte die ohnehin explosive Lage zusätzlich angeheizt. Zwar reklamierte der sogenannte Islamische Staat die Tat für sich, doch Pakistan sieht das strukturelle Sicherheitsproblem in der Grenzregion – und damit bei den Taliban. Bereits im Oktober waren bei einwöchigen Kämpfen mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Vermittlungsversuche durch Katar und die Türkei brachten bestenfalls kurzlebige Waffenruhen.
Teherans kalkuliertes Friedensangebot
Und dann betritt ausgerechnet der Iran die Bühne. Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, man sei bereit, „jede notwendige Hilfe" zu leisten, um Dialog und Zusammenarbeit zwischen Islamabad und Kabul zu fördern. Klingt edel. Ist es aber nicht – zumindest nicht nur.
Denn das Timing ist alles andere als zufällig. Derzeit laufen heikle Atomverhandlungen zwischen Teheran und Washington. US-Präsident Donald Trump hatte der iranischen Führung zuletzt unverhohlen mit militärischen Maßnahmen gedroht, sollte es keine Einigung geben. Das US-Militär hat massiv Truppen zusammengezogen – der größte Aufmarsch rund um den Persischen Golf seit dem Beginn des Golfkriegs vor über 23 Jahren. In dieser Situation präsentiert sich der Iran als stabilisierende Ordnungsmacht in einer ohnehin fragilen Region. Die implizite Botschaft an Washington könnte kaum deutlicher sein: Wer Teheran militärisch schwächt oder destabilisiert, riskiert eine Kettenreaktion – vom Persischen Golf über Afghanistan bis nach Pakistan. Ein Krieg gegen den Iran könnte bestehende Konflikte weiter anfachen und in einen verheerenden Flächenbrand münden.
Peking als besorgter „Nachbar und Freund"
Auch China meldet sich zu Wort – und das mit einer Dringlichkeit, die aufhorchen lässt. Außenamtssprecherin Mao Ning erklärte in Peking, China sei „zutiefst besorgt" über die Eskalation und „zutiefst bestürzt" über die Opfer. Streitigkeiten müssten durch Dialog gelöst werden, eine Feuerpause sei schnellstmöglich umzusetzen.
Hinter der diplomatischen Fassade stecken handfeste Interessen. Peking unterhält zu beiden Konfliktparteien enge Beziehungen. Mit Pakistan verbindet China eine strategische Partnerschaft, die Volksrepublik liefert Waffen und Kampfflugzeuge. Gleichzeitig pflegt Peking wirtschaftliche Kontakte zur Taliban-Regierung. Und nicht zu vergessen: China teilt mit beiden Ländern Grenzen. Instabilität in der Region trifft Peking unmittelbar – sei es durch Flüchtlingsströme, unterbrochene Handelsrouten oder die Gefahr, dass islamistischer Extremismus auf die eigene Provinz Xinjiang überschwappt.
Ein Pulverfass mit globaler Sprengkraft
Was wir hier beobachten, ist weit mehr als ein regionaler Grenzkonflikt. Es ist die gefährliche Verschränkung mehrerer Krisenherde: der offene militärische Schlagabtausch zwischen Islamabad und Kabul, der angespannte Atomstreit zwischen Washington und Teheran sowie das wachsende Engagement Chinas in Südasien. Jeder dieser Konflikte für sich genommen birgt enormes Eskalationspotenzial. Zusammen ergeben sie ein geopolitisches Pulverfass, dessen Lunte bereits glimmt.
Für Europa und insbesondere für Deutschland sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. Denn wer glaubt, die Konflikte in Südasien und am Persischen Golf hätten keine Auswirkungen auf unsere Sicherheit und unseren Wohlstand, der irrt gewaltig. Neue Flüchtlingswellen, steigende Energiepreise, destabilisierte Handelsrouten – all das sind Szenarien, die auch den deutschen Bürger unmittelbar treffen würden. Umso wichtiger wäre es, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz endlich eine realistische Außen- und Sicherheitspolitik betreibt, die deutsche Interessen in den Vordergrund stellt, statt sich in moralischen Sonntagsreden zu ergehen.
In Zeiten wie diesen, in denen geopolitische Verwerfungen die Weltwirtschaft erschüttern können, erweist sich einmal mehr die Bedeutung krisenfester Wertanlagen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Schutz in unsicheren Zeiten bewährt – ein Anker der Stabilität, wenn politische Ordnungen ins Wanken geraten.

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