
Stillstand auf ganzer Linie: Berliner Hauptbahnhof und Südkreuz ohne funktionierende Rolltreppen
Es klingt wie eine Satire, ist aber bittere Realität im Deutschland des Jahres 2026: An gleich zwei der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Hauptstadt stehen sämtliche Rolltreppen still. 52 Anlagen – 42 am Berliner Hauptbahnhof und zehn am Bahnhof Südkreuz – wurden auf einen Schlag außer Betrieb genommen. Der Grund? Mögliche Getriebedefekte, die bei zwei Rolltreppen im Hauptbahnhof aufgefallen seien. Vorsorglich habe die Deutsche Bahn daraufhin entschieden, alle betroffenen Anlagen einer kurzfristigen Kontrolle zu unterziehen.
Ein Sinnbild für den Zustand der deutschen Infrastruktur
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Der Berliner Hauptbahnhof, einst als architektonisches Prestigeprojekt gefeiert und als modernster Bahnhof Europas angepriesen, steht nun ohne eine einzige funktionierende Rolltreppe da. Reisende mit schwerem Gepäck, ältere Menschen, Eltern mit Kinderwagen – sie alle dürfen sich nun über Treppen quälen oder auf die verbliebenen Aufzüge hoffen, die erfahrungsgemäß ohnehin chronisch überlastet sind.
Die Deutsche Bahn versicherte zwar, dass die Aufzüge weiterhin in Betrieb seien und grundsätzlich alle drei Monate intensiven Tests unterzogen würden. Doch wer regelmäßig an deutschen Bahnhöfen unterwegs ist, weiß nur zu gut, wie wenig solche Beteuerungen mit der erlebten Wirklichkeit zu tun haben. Defekte Aufzüge, ausgefallene Anzeigetafeln, marode Bahnsteige – das ist der Alltag, den Millionen Pendler und Reisende tagtäglich erdulden müssen.
Schöne Worte, wenig Substanz
Katja Hüske, Vorständin Personenbahnhöfe bei DB InfraGO, ließ verlauten, man bedauere die Unannehmlichkeiten für die Reisenden. Zusammen mit dem Hersteller werde man „unverzüglich sicherstellen", dass alle Rolltreppen einwandfrei wieder in Betrieb gesetzt würden. Unverzüglich – ein Wort, das im Vokabular der Deutschen Bahn offenbar eine ganz eigene zeitliche Dimension besitzt. Wer sich an vergangene Sanierungsprojekte erinnert, dürfte bei solchen Ankündigungen bestenfalls ein müdes Lächeln übrig haben.
Dabei reiht sich dieser Vorfall nahtlos in eine lange Kette infrastruktureller Peinlichkeiten ein. Erst kürzlich sorgte die verlängerte Sperrung der Bahnstrecke Berlin–Hamburg für Unmut bei Pendlern, und fünf Bundesländer stellten der Deutschen Bahn gar ein Ultimatum wegen anhaltender Qualitätsmängel. Die Bahn wies die Kritik freilich zurück – wie so oft.
Milliarden fließen, doch wohin?
Die Frage, die sich unweigerlich aufdrängt, ist so simpel wie unbequem: Wohin versickern eigentlich die gewaltigen Summen, die Jahr für Jahr in die deutsche Schieneninfrastruktur gepumpt werden? Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht – Geld, das künftige Generationen durch Steuern und Abgaben werden zurückzahlen müssen. Doch wenn schon Rolltreppen an zwei der meistfrequentierten Bahnhöfe des Landes nicht zuverlässig funktionieren, darf man sich fragen, ob dieses Geld jemals dort ankommt, wo es tatsächlich gebraucht wird.
Deutschland, das Land der Ingenieure und Tüftler, das einst die Welt mit seiner Präzision und Zuverlässigkeit beeindruckte, schafft es im Jahr 2026 nicht, 52 Rolltreppen am Laufen zu halten. Es ist ein kleines Detail im großen Bild des infrastrukturellen Niedergangs – aber eines, das symbolisch kaum treffender sein könnte. Denn während anderswo Hochgeschwindigkeitszüge pünktlich auf die Minute fahren, stehen deutsche Reisende vor stillstehenden Fahrtreppen und fragen sich, wann dieser Verfall eigentlich ein Ende nehmen wird.

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