
WEF-Chef Brende stolpert über Epstein-Verstrickungen – ein Netzwerk der Mächtigen bröckelt
Es ist eine jener Geschichten, die das Vertrauen in die selbsternannten Eliten dieser Welt einmal mehr erschüttern: Børge Brende, Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF), hat seinen Rücktritt erklärt. Der Grund? Seine Kontakte zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wurden öffentlich – und ließen sich nicht länger unter den Teppich kehren. Was Brende als „sorgfältige Abwägung" bezeichnet, dürfte in Wahrheit schlicht die Einsicht gewesen sein, dass die Luft dünn geworden ist. Sehr dünn.
Mehr als 100 Nachrichten – und eine dreiste Lüge
Besonders pikant ist der Umstand, dass Brende noch im November 2025 öffentlich behauptet hatte, niemals Kontakt mit Epstein gehabt zu haben. Eine Aussage, die sich als glatte Unwahrheit entpuppte. Denn wie der Schweizer „Tagesanzeiger" berichtete, tauschten die beiden mehr als 100 Nachrichten aus. Darunter befinde sich ein E-Mail-Wechsel, in dem Brende Epsteins Einschätzung zugestimmt habe, das Davoser Treffen könne die Vereinten Nationen ersetzen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Der Chef eines Forums, das sich als moralischer Kompass der Weltwirtschaft inszeniert, pflegt regen Austausch mit einem verurteilten Sexualstraftäter – und lügt anschließend darüber.
Drei Geschäftsessen im New Yorker Stadthaus Epsteins sind dokumentiert, bei einem davon saß offenbar auch der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon mit am Tisch. Die Kommunikation lief über E-Mail und SMS – alles andere als flüchtige Bekanntschaft, wie man sie vielleicht auf einer Cocktailparty schließt.
Eine „unabhängige Untersuchung" ohne Konsequenzen?
Das WEF ließ die Kontakte seines Präsidenten durch externe Anwälte untersuchen. Das Ergebnis: Es hätten sich keine weiteren Bedenken über das bereits Bekannte hinaus ergeben. Eine bemerkenswert weiche Formulierung. Die Co-Vorsitzenden des Stiftungsrats, André Hoffmann (Roche-Vizepräsident) und Larry Fink (Blackrock-Chef), akzeptierten Brendes Rücktritt und dankten ihm artig für seine Führung. Man kennt das Ritual: Warme Worte, ein geordneter Abgang, und weiter geht das Geschäft. Als Interimspräsident wurde der bisherige Managing Director Alois Zwinggi eingesetzt.
Doch die Frage, die sich jeder kritische Beobachter stellen muss, lautet: Wie viele weitere Verstrickungen schlummern noch in den Epstein-Akten? Und warum hat es so lange gedauert, bis diese Kontakte ans Licht kamen?
Norwegen in der Epstein-Schockwelle
Die Enthüllungen treffen Norwegen mit besonderer Wucht. Brende, einst konservativer Abgeordneter und mehrfacher Minister in Oslo, ist bei weitem nicht der einzige prominente Norweger im Epstein-Sumpf. Die Verbindungen der Kronprinzessin Mette-Marit zum Sexualstraftäter haben das norwegische Königshaus in eine schwere Krise gestürzt. Immobilien des ehemaligen Regierungschefs Thorbjörn Jagland wurden durchsucht, und gegen die bekannte Diplomatin Mona Juul wird wegen des Verdachts der Korruption ermittelt. Ein ganzes Land sieht sich mit der unbequemen Wahrheit konfrontiert, dass seine politische und gesellschaftliche Elite offenbar enger mit Epstein verflochten war, als irgendjemand wahrhaben wollte.
Das Davos-Netzwerk und die Vertrauenskrise
Der Fall Brende wirft ein grelles Schlaglicht auf die Glaubwürdigkeit jener globalen Institutionen, die sich gerne als Hüter einer besseren Weltordnung präsentieren. Das Weltwirtschaftsforum, das jedes Jahr im Januar die Mächtigen und Reichen in die Schweizer Berge lockt, um über Klimawandel, Ungleichheit und gute Regierungsführung zu philosophieren – ausgerechnet dieses Forum wurde von einem Mann geführt, der mit einem verurteilten Sexualstraftäter dinierte und darüber log. Die Ironie könnte kaum bitterer sein.
Für den gewöhnlichen Bürger, der sich fragt, warum die Welt von Krise zu Krise taumelt, liefert dieser Skandal eine ernüchternde Antwort: Die selbsternannten Weltenlenker sind nicht besser als jene, über die sie zu richten vorgeben. Sie predigen Transparenz und praktizieren Vertuschung. Sie fordern Verantwortung und weichen ihr aus, bis die Beweislast erdrückend wird.
Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Namen die Epstein-Akten noch zutage fördern werden. Eines aber steht schon jetzt fest: Das Vertrauen in die globalen Eliten hat einen weiteren, schweren Kratzer bekommen. Und diesmal wird kein noch so geschliffenes Davos-Kommuniqué ausreichen, um ihn zu überdecken.
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