
Wochenlang ohne Munition: Ukraines F-16-Kampfjets waren hilflos gegen russische Angriffe
Was sich wie ein schlechter Witz anhört, ist bittere Realität des modernen Stellvertreterkrieges: Die ukrainischen F-16-Kampfjets – jene hochgepriesenen westlichen Wunderwaffen, die Kiew mit so viel diplomatischem Aufwand von seinen europäischen Partnern erhalten hatte – saßen Ende November bis Mitte Dezember vergangenen Jahres praktisch ohne Luft-Luft-Raketen da. Mehr als drei Wochen lang. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als Moskau seine bislang heftigste winterliche Luftoffensive vorbereitete.
Piloten griffen verzweifelt zu Bordkanonen
Die Situation war offenbar so dramatisch, dass F-16-Piloten bei Tageslicht-Einsätzen versuchten, russische Drohnen mit ihren Bordkanonen abzuschießen – ein Unterfangen, das an die Verzweiflung der letzten Kriegstage erinnert, nicht an eine moderne Luftverteidigung. Nachts, wenn die meisten russischen Drohnenangriffe stattfinden, waren solche Missionen schlicht zu gefährlich. Man griff sogar auf Raketen zurück, die bei früheren Einsätzen nicht gezündet hatten, in der Hoffnung, sie nach einer Wartung doch noch zum Funktionieren zu bringen. Manchmal klappte es tatsächlich.
Drei Quellen mit direktem Wissen über die Lage bestätigten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Ukraine nur noch eine Handvoll der US-amerikanischen AIM-9 „Sidewinder"-Raketen für ihre gesamte F-16-Staffel besaß, als die Lieferungen versiegten. Die Piloten hätten fast einen Monat lang praktisch nichts gehabt, was sie an ihre Jets hätten montieren können.
Abhängigkeit vom Westen: Ein gefährliches Spiel
Dieser Vorfall legt schonungslos offen, wie verwundbar die ukrainische Luftverteidigung tatsächlich ist. Sie hängt am Tropf westlicher Waffenlieferungen – und wenn dieser Tropf auch nur kurzzeitig versiegt, stehen Hunderte Millionen Dollar teure Kampfflugzeuge nutzlos auf dem Rollfeld. Die Ironie könnte kaum größer sein: Man liefert dem Land hochmoderne Kampfjets, vergisst aber offenbar, für ausreichend Munition zu sorgen.
Die ukrainischen F-16-Piloten waren auf Varianten der AIM-9-Raketen angewiesen, die in den 1970er und 1980er Jahren produziert wurden. Trotz ihres Alters boten diese Geschosse eine vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit, russische Drohnen und Marschflugkörper abzufangen. Die moderneren AIM-120-Raketen kosten jeweils weit über eine Million Dollar – viel zu teuer, um sie massenhaft gegen billig produzierte russische Angriffsdrohnen einzusetzen.
Hunderttausende Ukrainer ohne Heizung und Strom
Während die Jets am Boden blieben oder mit improvisierten Mitteln operierten, intensivierte Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Hunderttausende Ukrainer mussten den härtesten Teil des Winters ohne Heizung, Elektrizität und fließendes Wasser überstehen. Die Luftverteidigung konnte die russische Offensive nicht vollständig abwehren – ein direkter Zusammenhang mit den Munitionsengpässen liegt nahe, auch wenn Reuters die genauen Auswirkungen nicht beziffern konnte.
Trumps neues Waffenlieferungssystem in der Kritik
Seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump im Januar 2025 hat sich das System der Waffenlieferungen an die Ukraine grundlegend verändert. Statt direkter Militärhilfe, wie sie unter seinem Vorgänger Joe Biden üblich war, verkaufen die USA nun Waffen über den sogenannten PURL-Mechanismus (Prioritised Ukraine Requirements List) an NATO-Verbündete, die diese dann an Kiew weiterleiten. Ein NATO-Vertreter betonte, dass dieses System seit dem Sommer rund 75 Prozent aller Raketen für die ukrainischen Patriot-Luftabwehrbatterien und 90 Prozent der Munition für andere Luftverteidigungssysteme geliefert habe.
Doch die Frage drängt sich auf: Ist dieses bürokratische Umweg-System wirklich geeignet, um in einem heißen Krieg zeitkritische Lieferungen sicherzustellen? Die dreiwöchige Munitionslücke spricht eine deutliche Sprache. Ein US-Beamter erklärte auf Anfrage lediglich, Washington sei entschlossen, den Krieg zu beenden, und die Trump-Administration habe „enorme Fortschritte" bei einem Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland erzielt.
Deutschland und Kanada als Lückenfüller
Die Engpässe wurden schließlich im Dezember behoben, als die Ukraine AIM-9-Raketen von Partnern erhielt – kurz vor einem massiven russischen Angriff. Welche Länder genau lieferten, wurde aus Geheimhaltungsgründen nicht preisgegeben. Eine vierte Quelle bestätigte jedoch, dass die NATO-Mitglieder Deutschland und Kanada in den vergangenen Monaten Sidewinder-Raketen geliefert hätten. Es habe zuvor einen „kleinen Einbruch" bei den Lieferungen gegeben, ohne dass die Gründe dafür genannt wurden.
Das deutsche Verteidigungsministerium lehnte es ab, sich zu konkreten Lieferungen zu äußern. Deutschland gehört seit 2022 zu den größten militärischen und finanziellen Unterstützern der Ukraine. Kanadas Verteidigungsministerium bestätigte, dass man dabei sei, AIM-9M-8-Raketen aus den Beständen der kanadischen Streitkräfte zu spenden – zusätzlich zu bereits gelieferten Hunderten von AIM-Raketen und zugehörigen Komponenten.
Ein Krieg ohne absehbares Ende – und wachsende Konkurrenz um Waffen
Die Lage dürfte sich in absehbarer Zeit kaum entspannen. Mit dem eskalierenden Konflikt im Nahen Osten – Israel und Iran liefern sich seit Juni 2025 offene militärische Auseinandersetzungen – verschärft sich der globale Wettbewerb um Verteidigungswaffen dramatisch. Die Ukraine konkurriert nun nicht mehr nur mit den Rüstungsbedürfnissen der NATO-Staaten, sondern auch mit den Anforderungen des Nahost-Kriegsschauplatzes um dieselben knappen Waffensysteme.
Russland feuert bei seinen Großangriffen mehrere Hundert Angriffsdrohnen und Raketen ab. Die Ukraine versucht, diese mit einem Flickenteppich aus Abwehrmitteln zu bekämpfen: Maschinengewehrfeuer von Lastwagen, elektronische Störsender, Abfangdrohnen sowie Luft-Luft- und Boden-Luft-Raketen. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits im Januar eindringlich vor dem Munitionsmangel gewarnt, insbesondere bei den US-amerikanischen Patriot-Systemen, auf die die Ukraine zur Abwehr russischer Iskander-Ballistikraketen angewiesen ist.
Die unbequeme Wahrheit hinter den Waffenlieferungen
Dieser Vorfall wirft ein grelles Licht auf die Realität westlicher Militärhilfe. Es reicht eben nicht, medienwirksam Kampfjets zu übergeben und sich dafür feiern zu lassen. Ohne eine verlässliche, ununterbrochene Versorgung mit Munition und Ersatzteilen sind selbst die modernsten Waffensysteme nichts weiter als teure Metallhüllen. Die F-16-Flotte der Ukraine hat nach eigenen Angaben bereits 2.000 Drohnen und Raketen während ihrer Luftverteidigungseinsätze abgefangen – eine beeindruckende Zahl, die jedoch schnell zur Null wird, wenn die Raketen ausgehen.
Für den deutschen Steuerzahler, der über milliardenschwere Hilfspakete an die Ukraine mitfinanziert, stellt sich die berechtigte Frage: Wie lange kann und will man diesen Krieg noch alimentieren, ohne dass ein realistischer Friedensplan in Sicht ist? Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat sich zwar zur Unterstützung der Ukraine bekannt, doch angesichts des geplanten 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens für die eigene Infrastruktur und der ohnehin angespannten Haushaltslage wird der Spagat zwischen innenpolitischen Notwendigkeiten und außenpolitischen Verpflichtungen immer schwieriger. Irgendwann muss auch in Berlin die Erkenntnis reifen, dass Diplomatie und Verhandlungen – so unbequem sie sein mögen – der einzige Weg aus diesem Desaster sind.

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