
10.000 Euro für die AfD: CDU-Bürgermeister sprengt die Brandmauer
Ein Kommunalpolitiker aus der Altmark bringt zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die halbe Republik in Aufruhr. Bernd Prange, CDU-Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe, hat der AfD des Landes nach eigenen Angaben insgesamt 10.000 Euro gespendet – und ruft öffentlich dazu auf, die Partei am 6. September zu wählen. Ein Sprecher des AfD-Landesverbandes bestätigte Medienberichten zufolge den Eingang von zwei Zahlungen über jeweils 5.000 Euro.
Ein Brief, der wie eine Bombe einschlug
Prange machte den Vorgang selbst per Schreiben öffentlich. Darin begründet er die Spenden mit dem aus seiner Sicht zu linken Kurs seiner eigenen Partei. Er wünsche sich sogar eine absolute Mehrheit der AfD – damit die CDU endlich ihren Kurs ändere und die sogenannte Brandmauer aufgebe.
Der Mann ist kein Zugereister, kein Zufallsprodukt: Prange sitzt seit 2004 für die CDU im Kreistag Stendal. Weitere Erklärungen will er erst nach der Wahl abgeben. Dem Magazin "Focus" sagte er dem Vernehmen nach nur einen Satz, der alles zusammenfasst:
Ich will, dass sie mich rausschmeißen.
Von "niederträchtig" bis "Kameradenschwein"
Die Reaktionen fielen entsprechend heftig aus. Der CDU-Landtagsabgeordnete Ulrich Thomas griff Prange gegenüber der "Bild" scharf an und verglich dessen Verhalten mit dem eines "Kameradenschweins" beim Militär; so kurz vor der Wahl sei das "einfach nur niederträchtig".
Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze wählte im Podcast von "Politico" nüchternere Worte. Er finde das nicht gut, die Ansätze Pranges seien aus seiner Sicht falsch – man teile dessen Meinung in keiner Weise. Mit einem Parteiausschlussverfahren, so Schulze sinngemäß, wolle man sich erst nach der Wahl befassen. Der zuständige CDU-Kreisvorstand Stendal will das Thema laut Berichten bei seiner nächsten Sitzung behandeln. Landesgeneralsekretär Mario Karschunke nannte den Vorgang demnach "sehr schwerwiegend".
Warum die SPD lauter schreit als die CDU
Bemerkenswert: Den größten Lärm macht nicht die betroffene Partei, sondern der Koalitionspartner im Bund. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese erklärte der "Rheinischen Post", wenn ein CDU-Amtsträger 10.000 Euro an die AfD spende und das Ende der Brandmauer fordere, sei das kein unbedeutender lokaler Zwischenfall. Er erwarte eine schnelle, eindeutige Reaktion.
SPD-Chef Lars Klingbeil sieht Klärungsbedarf bei den Christdemokraten. Kanzler Friedrich Merz glaube er zwar weiterhin, dass es keine Zusammenarbeit mit der AfD gebe – aufgearbeitet werden müsse der Fall innerhalb der CDU trotzdem.
Das eigentliche Problem sitzt tiefer
Aus Sicht unserer Redaktion legt der Fall etwas offen, was in Magdeburg und Berlin seit Jahren verdrängt wird: In Umfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt bei rund 40 Prozent, die CDU folgt weit abgeschlagen. Ein einzelner Bürgermeister hätte diese Wucht nicht, wenn die Stimmung im Land nicht längst gekippt wäre.
Beobachter verweisen darauf, dass eine Regierungsbildung nach dem 6. September für jede Partei zur Zerreißprobe werden dürfte. Die Union muss die Frage beantworten, ob sich Wählerwille dauerhaft mit Ausgrenzungsbeschlüssen verwalten lässt. Der Fall Prange ist dafür nur der Vorbote – laut geworden ist er, weil einer nicht mehr mitspielen wollte.

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