
AAA trotz Schuldenrausch: Warum Deutschland die Bestnote behält

Die europäische Ratingagentur Scope hat Deutschlands Kreditwürdigkeit am Freitagabend erneut mit der Höchstnote „AAA" bewertet – bei stabilem Ausblick. Die in Berlin ansässigen Bonitätswächter halten damit an ihrem Urteil fest, obwohl Schuldenstand und Zinslast des Bundes spürbar steigen.
Begründet wird die Bestnote laut Mitteilung mit einer wohlhabenden, großen und diversifizierten Volkswirtschaft, soliden Staatsfinanzen und einer starken außenwirtschaftlichen Position. Klingt beruhigend. Doch der Blick ins Kleingedruckte lohnt sich.
Von 63,5 auf 73,9 Prozent – die Kurve zeigt steil nach oben
Denn die Analysten erwarten einen deutlichen Anstieg der Staatsverschuldung. Die Schuldenquote werde von 63,5 Prozent der Wirtschaftsleistung Ende 2025 auf 73,9 Prozent bis 2031 klettern. Treiber seien die kreditfinanzierten Ausgabenprogramme der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung.
Zum Vergleich: In ihrer Einschätzung vom Vorjahr hatte die Agentur noch rund 70 Prozent bis 2030 veranschlagt. Die Prognose ist also nachgeschärft worden – nach oben.
Immerhin: Der erwartete Wert liegt weiter unter dem Höchststand von 81 Prozent aus dem Jahr 2010, den Deutschland nach der globalen Finanzkrise erreichte.
Was hinter den Milliarden steckt
Möglich wurde der Ausgabenschub durch die im März 2025 beschlossene Lockerung der Schuldenbremse. Sie erlaubt zusätzliche Kredite von 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre für Infrastruktur, davon jeweils 100 Milliarden für die Länder und für den Klima- und Transformationsfonds. Für Verteidigungsausgaben oberhalb einer Schwelle von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts gibt es faktisch keine Obergrenze mehr.
Die Zeche zahlen die Steuerzahler von morgen. Scope rechnete zuletzt damit, dass die Nettozinsausgaben des Staates bis 2030 auf 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen – nach rund einem Prozent im Jahr 2025. Medienberichten zufolge will sich der Bund allein 2026 erstmals mehr als eine halbe Billion Euro an den Kapitalmärkten leihen.
Die Risiken, die im Rating-Text stehen
Die Agentur benennt die Schwachstellen offen. Genannt werden globale geopolitische und handelspolitische Risiken, Übergangsrisiken im Zusammenhang mit den Klimaneutralitätszielen sowie eine alternde Bevölkerung.
Besonders unangenehm: Das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft wurde von Scope zuletzt auf lediglich rund 0,7 Prozent taxiert – der schwächste Wert unter allen Staaten mit Bestnote. Schrumpfende Erwerbsbevölkerung, hohe Energiepreise, ausufernde Bürokratie: Die Baustellen sind seit Jahren bekannt, die Lösungen lassen auf sich warten.
Ein Rating ist eine Meinung – kein Naturgesetz
Anleger sollten nicht vergessen, was ein Rating ist: eine Einschätzung relativer Kreditrisiken zu einem bestimmten Zeitpunkt. Frankreich galt lange als solide – bis Herabstufungen kamen. Aus Sicht unserer Redaktion ersetzt kein Buchstabentriple eine Politik, die Wachstum schafft, statt es zu verwalten.
Wer sein Vermögen langfristig gegen Währungs- und Schuldenrisiken absichern möchte, kann physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio prüfen. Gold und Silber tragen kein Ausfallrisiko eines Schuldners – ein Argument, das in Zeiten wachsender Staatsschulden an Gewicht gewinnt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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