
AfD könnte SPD bei Bundespräsidentenwahl erstmals überflügeln

Die politische Tektonik in Deutschland verschiebt sich weiter – und das in einem Ausmaß, das noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Die AfD erwägt erneut, einen eigenen Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten im Januar 2027 aufzustellen. Doch diesmal ist die Ausgangslage eine völlig andere als bei den vergangenen Anläufen: Die Partei könnte in der Bundesversammlung erstmals die SPD als zweitstärkste Kraft ablösen.
Weidel fordert Bundespräsidenten „über allen Parteien"
Partei- und Fraktionschefin Alice Weidel machte im Gespräch mit dem „Tagesspiegel" unmissverständlich klar, wohin die Reise gehen soll. Die AfD trete grundsätzlich dafür ein, den Bundespräsidenten direkt durch das Volk wählen zu lassen. Da eine entsprechende Grundgesetzänderung derzeit jedoch nicht in Sicht sei, werde man sich „sicherlich wieder Gedanken über einen geeigneten Kandidaten machen, der das Land zusammenführen kann, statt es zu spalten".
Eine bemerkenswerte Forderung – und eine, die man durchaus als Seitenhieb auf den amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier verstehen darf. Weidel ließ keinen Zweifel daran, was sie von der bisherigen Amtsführung hält: Das Staatsoberhaupt dürfe kein „versorgungsbedürftiger Parteipolitiker" sein, der das höchste Staatsamt missbrauche, um weiterhin Parteipolitik zu betreiben. Stattdessen müsse der Bundespräsident eine über allen Lagern stehende Respektsperson sein, die über die Einhaltung von Recht und Verfassung wache und „die Herrschenden zur Ordnung ruft, wenn sie ihre Macht missbrauchen".
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Was diese Ankündigung besonders brisant macht, sind die nüchternen Zahlen. Nach Berechnungen der renommierten Wahlrechts-Plattform „wahlrecht.de" kann die AfD bei der Bundesversammlung am 30. Januar 2027 mit etwa 258 der insgesamt 1.260 Sitze rechnen. Das entspricht rund einem Fünftel aller Wahlleute – ein dramatischer Anstieg gegenüber der letzten Bundesversammlung 2022, als die Partei lediglich 151 von damals 1.472 Wahlleuten stellte, also gerade einmal jeden zehnten.
Noch bemerkenswerter: Die SPD, einst stolze Volkspartei und Kanzlerpartei, dürfte laut den Hochrechnungen nur auf etwa 252 bis 253 Wahlleute kommen. Die AfD würde damit erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die Sozialdemokraten in der Bundesversammlung überflügeln. Ein symbolischer Moment von enormer Tragweite, der den fortschreitenden Erosionsprozess der einstigen Arbeiterpartei schonungslos offenlegt.
CDU/CSU dominiert – aber ohne absolute Mehrheit
Die stärkste Kraft in der Bundesversammlung wird erwartungsgemäß die CDU/CSU mit rund 435 Wahlleuten sein. Die Grünen, deren politischer Stern nach Jahren ideologischer Überfrachtung merklich sinkt, kommen noch auf etwa 193 Sitze. Die Linke bringt es auf magere 78 Sitze. Für die Wahl des Bundespräsidenten benötigt ein Kandidat in den ersten beiden Wahlgängen die absolute Mehrheit – also mindestens 631 Stimmen. Kanzler Friedrich Merz wird also Verbündete brauchen, um seinen Wunschkandidaten durchzusetzen.
Lehren aus der Vergangenheit
Die AfD hat bereits zweimal eigene Kandidaten ins Rennen geschickt – mit überschaubarem Erfolg. 2017 trat Albrecht Glaser an und erhielt lediglich 42 Stimmen. 2022 nominierte die Partei den Ökonomen Max Otte, der immerhin 140 Stimmen auf sich vereinen konnte, gegen den übermächtigen Amtsinhaber Steinmeier aber chancenlos blieb. Doch die Zeiten haben sich geändert. Mit 258 Wahlleuten im Rücken hätte ein AfD-Kandidat 2027 eine völlig andere Ausgangsbasis – und könnte zumindest ein kraftvolles politisches Signal senden.
Dass die AfD einen eigenen Kandidaten aufstellt, wäre nicht nur ein Akt der demokratischen Selbstbehauptung, sondern auch ein Gradmesser dafür, wie weit die Partei im politischen System angekommen ist. Die Forderung nach einer Direktwahl des Bundespräsidenten durch das Volk ist dabei keineswegs abwegig – in vielen europäischen Demokratien, von Frankreich über Österreich bis Polen, ist dies längst gelebte Praxis. Dass ausgerechnet in Deutschland, wo man so gerne das Hohelied der Demokratie singt, das Volk bei der Wahl seines Staatsoberhauptes außen vor bleibt, mutet geradezu anachronistisch an.
Ein Zeichen des Wandels
Die Bundesversammlung 2027 wird zum Lackmustest für die politische Landschaft Deutschlands. Wenn eine Partei, die von weiten Teilen des Establishments nach wie vor ausgegrenzt wird, zur zweitstärksten Kraft in diesem Gremium aufsteigt, dann ist das mehr als eine statistische Fußnote. Es ist Ausdruck eines tiefgreifenden Vertrauensverlustes der Bürger in die etablierten Parteien – ein Vertrauensverlust, den sich SPD, Grüne und auch Teile der Union durch jahrelange Politik gegen die Interessen der eigenen Bevölkerung redlich verdient haben.
Ob die AfD tatsächlich einen Kandidaten nominiert und wer dieser sein könnte, bleibt abzuwarten. Weidels Anforderungsprofil – rhetorisch versiert, intellektuell überzeugend, überparteilich – setzt die Messlatte hoch. Doch allein die Tatsache, dass diese Debatte geführt wird, zeigt: Die politischen Kräfteverhältnisse in Deutschland verschieben sich schneller, als es manchem lieb sein dürfte.

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