
Alphabet häuft 20 Milliarden Dollar Schulden an – der KI-Wahnsinn kennt keine Grenzen
Was passiert, wenn ein Technologiegigant seine Zukunft auf eine einzige Wette setzt? Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, liefert gerade ein Lehrstück darin, wie man mit atemberaubender Geschwindigkeit Schulden aufbaut – und dabei erstaunlich offen zugibt, dass man die Risiken kaum überblicken kann.
185 Milliarden Dollar Investitionen – und kein Ende in Sicht
Der Google-Konzern plant, über eine Anleiheemission satte 20 Milliarden US-Dollar am Kapitalmarkt einzusammeln. Ursprünglich war von 15 Milliarden die Rede gewesen, doch offenbar wächst der Appetit schneller als die Vernunft. Besonders bemerkenswert: Unter den vier geplanten Tranchen befindet sich eine 100-jährige Anleihe in britischen Pfund. Hundert Jahre. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen – ein Unternehmen, das nicht einmal sicher ist, ob sein Kerngeschäft in zehn Jahren noch funktioniert, bindet Investoren für ein ganzes Jahrhundert.
Die Emission sei bereits fünffach überzeichnet, heißt es aus informierten Kreisen. Das zeigt weniger das Vertrauen der Anleger als vielmehr die verzweifelte Suche nach Rendite in einer Welt, in der solide Anlagen rar geworden sind. Erst im November hatte Alphabet bereits Anleihen im Wert von 25 Milliarden Dollar platziert. Die langfristigen Schulden des Konzerns haben sich 2025 auf 46,5 Milliarden Dollar vervierfacht.
Wenn der CEO nachts nicht schlafen kann
Auf die Frage, was die Führungsriege nachts wach halte, antwortete CEO Sundar Pichai mit entwaffnender Ehrlichkeit: „Rechenkapazität." Dazu kämen Energieversorgung, Grundstücke, Lieferkettenengpässe und die Frage, wie man die „außergewöhnliche Nachfrage dieses Moments" bedienen könne. Man beachte die Wortwahl – „dieses Moments". Selbst Pichai scheint zu ahnen, dass der aktuelle KI-Hype nicht ewig währen muss.
Die Investitionsausgaben könnten in diesem Jahr bis zu 185 Milliarden Dollar erreichen – mehr als das Doppelte des Vorjahres. Zusammen mit Microsoft, Meta und Amazon planen die vier Tech-Riesen, ihre Kapitalausgaben um über 60 Prozent gegenüber den bereits historischen Niveaus von 2025 zu steigern. Milliarden fließen in teure Chips, neue Rechenzentren und die Netzwerktechnologie, die alles verbinden soll.
Das Eingeständnis: KI könnte das eigene Geschäftsmodell zerstören
Was in Alphabets jüngstem Jahresbericht besonders aufhorchen lässt, sind die erstmals aufgeführten KI-spezifischen Risiken. Der Konzern räumt offen ein, dass die zunehmende Nutzung generativer KI dazu führen könnte, dass Menschen weniger die klassische Internetsuche nutzen – und damit Googles milliardenschweres Werbegeschäft unter Druck geraten würde. „Es gibt keine Gewähr, dass wir uns effektiv und wettbewerbsfähig an diesen Wandel anpassen werden", heißt es in der Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. Eine bemerkenswert demütige Formulierung für ein Unternehmen, das den globalen Suchmaschinenmarkt seit zwei Jahrzehnten dominiert.
Hinzu kommt das Risiko von „Überkapazitäten". Alphabet bindet sich durch langfristige Leasingverträge mit Drittanbietern, um die Rechenleistung für KI-Training und -Anwendungen bereitzustellen. Sollte die Nachfrage nicht wie erhofft wachsen, sitzt der Konzern auf teuren, ungenutzten Kapazitäten. Finanzchefin Anat Ashkenazi betonte zwar, man wolle „fiskalisch verantwortungsvoll" investieren – doch bei einer Vervierfachung der Schulden innerhalb eines Jahres klingt das eher wie ein frommer Wunsch als wie eine belastbare Strategie.
Gemini gegen ChatGPT – ein Rennen ohne Gewissheit
Im Zentrum von Googles KI-Strategie steht Gemini, das hauseigene Sprachmodell und der KI-Assistent, der gegen OpenAIs ChatGPT und Anthropics Claude antritt. Pichai verkündete stolz, dass die Gemini-App mittlerweile über 750 Millionen monatlich aktive Nutzer zähle – ein Anstieg von 650 Millionen im Vorquartal. Beeindruckende Zahlen, gewiss. Doch Nutzerzahlen allein generieren keine Gewinne, und die Monetarisierung von KI-Diensten bleibt die große ungelöste Gleichung der Branche.
Bislang konnte Google die Befürchtungen zerstreuen, dass KI das Such- und Werbegeschäft kannibalisieren werde. Die Werbeeinnahmen stiegen im vierten Quartal um 13,5 Prozent auf 82,28 Milliarden Dollar. Doch die Vergangenheit ist bekanntlich ein schlechter Prophet für die Zukunft – besonders in einer Branche, die sich gerade selbst revolutioniert.
Ein Déjà-vu für aufmerksame Beobachter
Wer die Geschichte der Finanzmärkte kennt, dem dürfte bei dieser Entwicklung mulmig werden. Die Parallelen zu früheren Investitionsexzessen sind unübersehbar. Ob Eisenbahnboom im 19. Jahrhundert, Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende oder der Immobilienwahn vor 2008 – stets war es die Kombination aus grenzenlosem Optimismus, billigem Geld und der Überzeugung, „diesmal ist alles anders", die in Tränen endete.
Für den deutschen Anleger sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. Während Tech-Konzerne Schulden in astronomischer Höhe aufnehmen, um einer Technologie hinterherzujagen, deren langfristige Rentabilität völlig ungewiss ist, bieten physische Edelmetalle nach wie vor das, was sie seit Jahrtausenden bieten: einen verlässlichen Wertspeicher, der keiner Mode unterliegt und keinen Algorithmus braucht, um seinen Wert zu behalten. In Zeiten, in denen selbst die mächtigsten Konzerne der Welt eingestehen, dass sie ihre eigene Zukunft nicht überblicken können, erscheint die Beimischung von Gold und Silber in ein breit gestreutes Portfolio vernünftiger denn je.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden. Konsultieren Sie im Zweifel einen qualifizierten Finanzberater.

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