
Amazons Kahlschlag: 30.000 Stellen fallen dem Effizienzwahn zum Opfer

Der amerikanische Technologiegigant Amazon bereitet sich auf einen massiven Stellenabbau vor, der selbst für die Verhältnisse des Konzerns beispiellose Ausmaße annimmt. Nach übereinstimmenden Medienberichten sollen rund 30.000 Arbeitsplätze im sogenannten Corporate-Bereich wegfallen – ein Einschnitt, der tief in die Kernstrukturen des Unternehmens reicht und mehrere zentrale Geschäftsbereiche erschüttern wird.
Die zweite Welle rollt an
Was sich derzeit bei Amazon abspielt, ist keine gewöhnliche Sparmaßnahme, sondern eine regelrechte Flurbereinigung. Bereits im Oktober 2025 hatte der Konzern rund 14.000 Stellen im administrativen Bereich gestrichen. Doch das war offenbar nur der Auftakt zu einem weitaus größeren Umbau. Die nun angekündigte zweite Welle lässt die Gesamtzahl der abgebauten Positionen auf etwa 30.000 anschwellen – ein Ausmaß, das selbst die Kürzungsprogramme aus dem Jahr 2022 in den Schatten stellt.
Betroffen sind dabei ausgerechnet jene Bereiche, die als Herzstücke des Amazon-Imperiums gelten: Die Cloud-Sparte AWS, der Streaming-Dienst Prime Video, der klassische Onlinehandel sowie die Personalabteilung selbst. Dass der Konzern ausgerechnet bei seiner wichtigsten Ertragssäule AWS den Rotstift ansetzt, dürfte an den Kapitalmärkten für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen.
Konzernchef Jassy räumt auf
Hinter dem drastischen Stellenabbau verbirgt sich mehr als bloße Kostensenkung. Konzernchef Andy Jassy hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach betont, dass Amazon über die Jahre zu einem bürokratischen Moloch mutiert sei. Ein undurchdringliches Geflecht aus Hierarchieebenen und Zuständigkeiten habe sich gebildet, das Entscheidungsprozesse lähmend verlangsame. Die Reorganisation soll dieses Dickicht nun lichten – und der Stellenabbau dient dabei als chirurgisches Instrument.
Der Zeitpunkt der Maßnahme erscheint keineswegs zufällig gewählt. Die Übergangsfristen für viele bereits gekündigte Mitarbeiter laufen gerade aus, sodass Amazon interne Bewerbungsverfahren und Neuverteilungen geschickt mit der nächsten Kündigungswelle verknüpfen kann.
Künstliche Intelligenz als bequemer Sündenbock?
Interessanterweise spielt die viel beschworene künstliche Intelligenz bei diesem Umbau nur eine untergeordnete Rolle. Der Technologieriese verfolgt primär das Ziel, Effizienz zu steigern und Abläufe zu beschleunigen. Die Kosten sollen sinken, ohne das Kerngeschäft zu beschädigen – ein Balanceakt, der in der Praxis selten so elegant gelingt, wie er in Strategiepapieren klingt.
Mit weltweit rund 1,58 Millionen Beschäftigten, von denen der Großteil in der Logistik arbeitet, mag der Abbau von 30.000 Bürostellen auf den ersten Blick überschaubar wirken. Doch diese Zahl entspricht nach vorliegenden Berichten etwa zehn Prozent aller Büroarbeitsplätze – ein Aderlass, der den Corporate-Kern des Unternehmens empfindlich treffen wird.
Signalwirkung für den gesamten Arbeitsmarkt
Die Auswirkungen dieser Entscheidung reichen weit über die Konzerngrenzen hinaus. Wenn ein globaler E-Commerce-Gigant in dieser Größenordnung Stellen streicht, reagieren Wettbewerber und Zulieferer erfahrungsgemäß nervös. Gleichzeitig werden Tausende hochqualifizierte Fachkräfte auf einen Schlag dem Arbeitsmarkt zugeführt, was den Wettbewerb um attraktive Positionen kurzfristig verschärfen dürfte.
Amazon hat die Berichte bislang nicht offiziell bestätigt. Doch die bisherige Unternehmenslinie lässt kaum Zweifel an der grundsätzlichen Richtung aufkommen. Der Konzern will schneller entscheiden, klare Verantwortlichkeiten schaffen und sich von jenem organisatorischen Ballast befreien, der sich über Jahre angesammelt hat. Ob dieser radikale Schnitt am Ende mehr heilt als er verletzt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

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