
Antifa gegen Harry Potter: Kieler Kino soll Jubiläum absagen

In Kiel eskaliert ein Kulturstreit um Zauberstäbe und Zaubersprüche. Zwei linke Gruppen fordern in einem offenen Brief, dass das älteste Kino der Stadt seine Harry-Potter-Jubiläumsreihe absagt. Das Studio Filmtheater am Dreiecksplatz denkt nicht daran – distanziert sich aber vorsorglich in aller Deutlichkeit von der Autorin J. K. Rowling.
„Keine Show für Trans*feindlichkeit!“
Unter dieser Überschrift wandten sich die „feministische Antifa Kiel“ und die „TurboKlimaKampfGruppe“ per Instagram gegen das Programm des Hauses. Anlass ist das 25-jährige Jubiläum von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ – ein Film, mit dem eine ganze Generation groß geworden ist.
Dass sich das Kino von Rowlings Positionen distanziert habe, nennen die Verfasser dem Brief zufolge zwar „gut und richtig“. Genug sei es aber nicht. Ihr zentrales Argument: Über die Verleihrechte verdiene die Autorin weiter mit – und setze Einnahmen laut dem Schreiben unter anderem für „trans*feindliche Kampagnen und rechte Politikbeeinflussung“ ein.
Kobolde, Zauberschulen, Körpergewicht – die Vorwurfsliste wird lang
Es bleibt nicht bei der Person Rowling. Die Gruppen werfen der Reihe darüber hinaus antisemitische Klischees bei der Darstellung der Kobolde vor, kritisieren die Repräsentation nicht-weißer Figuren, die Zeichnung ausländischer Zauberschulen sowie – so wörtlich in ihrer Aufzählung – Ableismus und gewichtsbezogene Stigmatisierung.
Man wolle das Kino aber ausdrücklich „nicht canceln“, betonen die Verfasser. Als Alternative schlagen sie eine Filmreihe mit und über Transpersonen vor, etwa zum Pride Month oder zum Trans Day of Visibility. Diese hätten Aufmerksamkeit und Einnahmen „deutlich mehr verdient als Rowling“.
Das Kino bleibt standhaft – und rudert zugleich sprachlich weit nach links
Das Studio Filmtheater hält an den Vorführungen fest. Die Entscheidung sei bewusst getroffen worden, die Filme würden durch die hauseigene Reihe „Lichtperlen“ eingeordnet und moderiert. Bemerkenswert offen ist die Kritik am Stil der Kritiker: Über das eigene Vorgehen zu diskutieren, „ohne sie überhaupt zu kennen oder ein Gespräch darüber zu suchen“, halte man für wenig produktiv.
Zugleich geht das Haus auf maximale Distanz zur Autorin. In seiner Stellungnahme spricht es von „menschenverachtenden Lebensansichten“ Rowlings und erklärt, man empfinde ihr gegenüber „weder Respekt noch Verständnis“. Auf der Website heißt es vorsorglich, ihre „transfeindlichen Ansichten“ würden von Team und Lichtperlen nicht geteilt.
„Dialog ist immer besser als Abschottung“, heißt es in der Stellungnahme des Kinos.
Ein LehrstĂĽck ĂĽber den Preis der Angst
Rowling streitet seit Jahren öffentlich über die Frage, ob das biologische Geschlecht rechtlich Vorrang haben soll. Der britische Supreme Court entschied im April 2025 einstimmig, dass „Geschlecht“ im Gleichstellungsgesetz biologisch zu verstehen sei – ein Urteil, das die Debatte weiter befeuerte.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Kieler Fall vor allem eines: Wie weit der vorauseilende Gehorsam inzwischen reicht. Ein mittelständisches Kino muss sich für Kinderfilme rechtfertigen und rhetorisch abrüsten, bevor überhaupt das Licht ausgeht.
Bezeichnend ist auch ein Detail aus der Stellungnahme: Mehrere angefragte Gesprächspartner hätten abgesagt – aus Sorge vor öffentlichen Anfeindungen. Wer Debatte will, sollte Angst nicht zum Nebeneffekt seiner Kampagnen machen. Am Ende entscheidet ohnehin das Publikum – an der Kinokasse.

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