
Ära ohne Buffett: Berkshire Hathaway steht vor der Stunde der Wahrheit
Es ist, als würde man einem Orchester den Dirigenten nehmen und hoffen, dass die Musik weiterspielt. Warren Buffett, das „Orakel von Omaha", hat nach sechs Jahrzehnten an der Spitze von Berkshire Hathaway den Taktstock niedergelegt. Nun muss sein Nachfolger Greg Abel beweisen, dass er mehr ist als nur ein Platzhalter – und sein erster großer Auftritt steht unmittelbar bevor.
Der erste Brief an die Aktionäre – eine Bewährungsprobe
An diesem Samstag wird die Finanzwelt mit Argusaugen auf Abels ersten jährlichen Aktionärsbrief blicken. Was bei jedem anderen Unternehmen eine Pflichtübung wäre, ist bei Berkshire Hathaway ein regelrechtes Kulturereignis. Buffett hatte diese Tradition seit 1978 gepflegt und seine Briefe zu literarischen Meisterwerken der Finanzwelt erhoben – gespickt mit volkstümlicher Weisheit, beißendem Humor und messerscharfen Analysen. Man erinnere sich nur an seinen legendären Satz aus dem Krisenjahr 2008: „Man erfährt erst, wer nackt schwimmt, wenn die Flut zurückgeht."
Buffett sei der „Mark Twain unter den Verfassern von Aktionärsbriefen" gewesen, wie es ein Experte für Investor Relations treffend formulierte. Abel hingegen gelte als nüchterner Pragmatiker, der sich bislang eher auf das operative Tagesgeschäft konzentriert habe. Ob er die Herzen der Anleger mit Zahlen und Fakten statt mit Anekdoten erobern kann, bleibt abzuwarten.
Ein Billionen-Imperium ohne seinen Architekten
Was Buffett hinterlässt, ist nichts Geringeres als ein Konglomerat mit einem Marktwert von über einer Billion Dollar. Versicherungen, die BNSF-Eisenbahn, Dutzende Energie-, Industrie- und Einzelhandelsunternehmen – und ein gewaltiger Bargeldberg von 381,7 Milliarden Dollar, der wie ein schlafender Drache auf seinem Hort sitzt. Analysten betrachten diese enorme Cash-Position seit Langem als Bremsklotz für die Aktienperformance. Und die Zahlen geben ihnen Recht: Seit Buffetts Rücktrittsankündigung am 3. Mai vergangenen Jahres hat die Berkshire-Aktie rund acht Prozent verloren, während der S&P 500 im selben Zeitraum um stolze 22 Prozent zulegte.
Zwölf Quartale in Folge war Berkshire Netto-Verkäufer von Aktien. Fünf Quartale lang wurden keine eigenen Anteile zurückgekauft. Das Papier notiert bei etwa dem 1,5-fachen des Buchwerts. Für ein Unternehmen, das den S&P 500 über 25 Jahre hinweg verdoppelt hat, sind das ernüchternde Signale.
Offene Fragen, die Abel beantworten muss
Der 63-jährige Abel, der im Jahr 2000 zu Berkshire stieß und zuletzt acht Jahre lang als Vizevorsitzender Dutzende Nicht-Versicherungsgeschäfte beaufsichtigte, steht vor einem ganzen Katalog unbeantworteter Fragen. Wie lange wird der 74-jährige Ajit Jain, den Buffett einst als „einzigartiges Talent" bezeichnete, noch die Versicherungssparte führen? Wer wird als Chief Investment Officer das rund 300 Milliarden Dollar schwere Aktienportfolio verwalten, das bislang Buffett persönlich managte? Ted Weschler, der bereits bei der Portfolioverwaltung mitgewirkt hat, gilt als Kandidat – ebenso wie Abel selbst.
Und dann ist da die alles entscheidende Frage: Was geschieht mit dem Bargeld? Die Optionen reichen von der Wiederaufnahme von Aktienrückkäufen bis hin zur Ausschüttung der ersten Dividende seit 1967. Ja, Sie haben richtig gelesen – seit fast sechs Jahrzehnten hat Berkshire keinen Cent an Dividende gezahlt.
Die Parallele zum Quarterback-Wechsel
Ein Portfoliomanager verglich die Situation mit der Nachfolge des legendären Football-Quarterbacks Tom Brady. Solange Abel klar kommuniziere und transparentes Feedback zu den Geschäftsentwicklungen liefere, werde er das Vertrauen der Aktionäre gewinnen können. Doch die Erwartungen sind gewaltig. Kein anderer CEO-Brief – weder der von JPMorgans Jamie Dimon noch der von BlackRocks Larry Fink – wurde jemals so akribisch seziert wie jener von Buffett.
Abel müsse einen schmalen Grat beschreiten, so ein Wirtschaftsprofessor der University of Michigan: Kontinuität wahren und sich gleichzeitig als eigenständige Führungspersönlichkeit etablieren. Die Anleger wollten nicht nur wissen, was Berkshire tue, sondern wie Greg Abel die Welt sehe. Buffett hatte im November angekündigt, „still zu werden", um seinem Nachfolger den nötigen Raum zu geben. Ein nobler Abgang – aber auch einer, der Abel jede Ausrede nimmt.
Was Anleger aus der Berkshire-Saga lernen können
Die Geschichte von Berkshire Hathaway ist letztlich auch eine Mahnung an jeden Investor: Kein Unternehmen, und sei es noch so erfolgreich, ist immun gegen den Faktor Mensch. Wenn selbst ein Billionen-Konzern ins Straucheln geraten kann, weil sein charismatischer Lenker abtritt, dann sollte sich jeder Anleger fragen, wie robust sein eigenes Portfolio wirklich aufgestellt ist. In Zeiten, in denen Aktienmärkte von der Aura einzelner Persönlichkeiten abhängen und geopolitische Verwerfungen – von Trumps Zollpolitik bis zum eskalierenden Nahost-Konflikt – die Märkte erschüttern können, gewinnt die Diversifikation des eigenen Vermögens eine ganz neue Dringlichkeit. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als krisenfester Wertspeicher bewährt und können als sinnvolle Ergänzung eines breit gestreuten Portfolios dienen, um Vermögen langfristig zu sichern.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keinerlei Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden. Konsultieren Sie im Zweifel einen qualifizierten Finanzberater.
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