
Ausgebrannt auf hoher See: US-Träger nach 265 Tagen abgelöst

Die US-Marine zieht die Notbremse. Der Flugzeugträger USS George Washington ist Medienberichten zufolge auf dem Weg in den Nahen Osten, um die völlig überdehnte USS Abraham Lincoln abzulösen. Der Auslöser: alarmierende Schilderungen von Angehörigen über die Zustände an Bord – und wachsender Druck aus dem US-Kongress.
265 Tage auf See – und fast kein Landgang
Die Lincoln verließ ihren Heimathafen San Diego am 21. November 2025. Geplant war ein siebenmonatiger Einsatz. Inzwischen läuft der neunte Monat.
Im Januar wurde der Träger in den Nahen Osten umgeleitet – kurz vor dem Beginn der amerikanisch-israelischen Militäroperation gegen den Iran. Berichten zufolge war das Schiff zentral an der Bombenkampagne beteiligt und beteiligt sich seither an der Seeblockade iranischer Häfen in der Straße von Hormus.
Der Preis dafür wird von rund 5.000 Menschen an Bord bezahlt. Seit dem kurzen Stopp in Guam am 11. Dezember gab es laut Fachmedien rund 200 Tage keinen echten Landgang. Üblich wäre alle 30 bis 45 Tage eine Pause an Land.
Schimmel, Rationierung, Verzweiflung
Familienangehörige berichten Medien von verschimmelten Duschen, defekten Sanitäranlagen, Wasserproblemen und knapper Verpflegung. Auch Zahnpasta, Seife und Deodorant sollen zeitweise gefehlt haben.
Noch drastischer sind die Schilderungen zur psychischen Lage: Mehrere Besatzungsmitglieder sollen versucht haben, über Bord zu springen – vom Flugdeck, das rund sechseinhalb Stockwerke über der Wasseroberfläche liegt. Ein Sprecher der Navy erklärte gegenüber US-Medien, man habe an Bord keinen Anstieg von Suizidgedanken oder -versuchen festgestellt; medizinische, seelsorgerische und psychologische Angebote stünden zur Verfügung.
Ein republikanischer Abgeordneter aus Nebraska sagte gegenüber einem US-Magazin:
"Lange Einsätze sind hart für die Soldaten und ihre Familien."
Ein Loch im Pazifik – und ein Nadelöhr für die Weltwirtschaft
Die Ablösung hat einen Haken. Die George Washington ist der einzige dauerhaft im Ausland stationierte US-Träger, Heimathafen Yokosuka in Japan. Zieht sie in den Persischen Golf, klafft im Westpazifik eine Lücke – ausgerechnet gegenüber China.
Genau das beschreiben Beobachter als das strukturelle Problem: Eine Supermacht mit begrenzter Zahl an Trägern führt zu viele Konflikte gleichzeitig. Wer alles verteidigen will, verteidigt am Ende nichts richtig – und verheizt dabei seine Leute.
Für Europa ist die zweite Nachricht mindestens so relevant. Durch die Straße von Hormus fließt ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases. Eine Blockade iranischer Häfen ist kein regionales Detail, sondern ein Risikofaktor für jede Tankfüllung und jede Gasrechnung in Deutschland.
Warum das auch Sparer angeht
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall Lincoln zweierlei: Erstens, wie schnell aus einem angeblich fünfwöchigen Feldzug ein monatelanger Abnutzungskrieg wird. Zweitens, wie dünn die Puffer westlicher Streitkräfte inzwischen sind.
Märkte reagieren auf solche Nadelöhre traditionell nervös. In Phasen geopolitischer Eskalation haben physische Edelmetalle historisch als Stabilitätsanker gedient – als Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen, nicht als Wette auf den nächsten Schlagzeilenknall.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Anleger muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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