
Automobilkrise fordert nächstes Opfer: Stuttgarter Zulieferer kämpft ums Überleben
Die deutsche Automobilindustrie befindet sich im freien Fall – und mit ihr stürzen die Zulieferer in den Abgrund. Wieder einmal hat es ein Unternehmen erwischt, das eigentlich alles richtig gemacht zu haben schien: zufriedene Kunden, stabile Auftragslage, laufender Betrieb. Doch all das reichte nicht aus, um die Insolvenz abzuwenden. Teknia Stuttgart, ein Spezialist für Fahrwerks- und Lenkungskomponenten, musste beim Amtsgericht Rottweil die weiße Flagge hissen.
Spanische Mutter, deutsches Sorgenkind
Der Name mag täuschen: Teknia Stuttgart sitzt nicht etwa in der schwäbischen Metropole selbst, sondern im beschaulichen Mahlstetten im Landkreis Tuttlingen – rund 120 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt. Das Unternehmen gehört zur spanischen Teknia-Gruppe, einem global agierenden Konzern mit 23 Produktionsstätten in 12 Ländern und etwa 3500 Beschäftigten weltweit. Der deutsche Ableger beschäftigt rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze nun am seidenen Faden hängen.
Rechtsanwalt Ilkin Bananyarli wurde als Insolvenzverwalter bestellt und gibt sich betont optimistisch. Die Geschäfte würden fortgeführt, bestehende Aufträge erfüllt, die Löhne weitergezahlt. Man habe bereits „sehr gute Gespräche" mit den Kunden geführt, die den Betrieb weiterhin unterstützen würden. Schöne Worte – doch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein weiteres Stück deutscher Industriegeschichte auf der Kippe steht.
Investorensuche als letzte Hoffnung
Die Strategie zur Rettung ist klar umrissen: Ein neuer Investor muss her. Im Rahmen eines sogenannten M&A-Prozesses soll Teknia Stuttgart entweder verkauft oder mit einem anderen Unternehmen verschmolzen werden. „Das Unternehmen braucht einen Investor für die Zukunft", bringt es Bananyarli auf den Punkt. Eine Aussage, die in ihrer Schlichtheit die ganze Tragik der Situation offenbart.
Bemerkenswert ist dabei, dass das Insolvenzverfahren ausschließlich den deutschen Standort betrifft. Die spanische Muttergesellschaft bleibt von dem Desaster unberührt – ein Umstand, der Fragen aufwirft. Warum konnte oder wollte der Konzern seinem deutschen Ableger nicht unter die Arme greifen?
Symptom einer kranken Branche
Die Insolvenz von Teknia Stuttgart ist kein Einzelfall, sondern ein weiteres Symptom einer schwer angeschlagenen Branche. Die deutsche Automobilindustrie, einst das stolze Aushängeschild der Wirtschaftsnation, taumelt von einer Krise in die nächste. Der Transformationsdruck durch Elektromobilität, explodierende Energiekosten, bürokratische Hürden und eine verfehlte Industriepolitik fordern ihren Tribut.
Während die Politik sich in ideologischen Grabenkämpfen verliert und mit Verbrennerverboten sowie überzogenen Klimazielen die Industrie zusätzlich belastet, sterben die Zulieferer wie die Fliegen. Jede Insolvenz bedeutet nicht nur wirtschaftlichen Schaden, sondern auch menschliche Schicksale – Familien, die um ihre Existenz bangen, Regionen, die ihre wirtschaftliche Basis verlieren.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar vollmundige Versprechen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland gemacht. Doch ob diese Ankündigungen mehr sind als heiße Luft, wird sich erst noch zeigen müssen. Für die 100 Beschäftigten in Mahlstetten kommt jede politische Kurskorrektur möglicherweise zu spät.

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