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Bau-Turbo im Leerlauf: Viel Applaus, kaum neue Wohnungen!

Bau-Turbo im Leerlauf: Viel Applaus, kaum neue Wohnungen!
Symbolbild: KI-generiert

Ein Jahr nach dem Start des sogenannten Bau-Turbos hat Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) am Dienstag in Berlin ihre erste Bilanz vorgelegt. Im ersten Halbjahr 2026 sollen Kommunen über das neue Verfahren Projekten mit insgesamt 7.892 Wohnungen zugestimmt haben. Wie viele davon schon gebaut werden oder fertig sind, sagt das Ministerium nicht.

Eine Zahl mit eingebautem Haken

Die Ministerin gibt sich bester Laune. Kommunen könnten Bauvorhaben jetzt „bis zu 20 Mal schneller“ zustimmen, sagte sie. Das klingt nach Durchbruch. Bei genauerem Hinsehen bleibt davon allerdings wenig übrig.

Eine Zustimmung der Kommune ist nämlich noch lange keine Baugenehmigung, vom ersten Spatenstich ganz zu schweigen. Auf Medienanfrage räumte das Ministerium ein, dass bis Ende Juni erst für 36 Prozent der gemeldeten Zustimmungen eine Baugenehmigung vorlag. Wie viele der knapp 8.000 Wohnungen das betrifft? Unklar. Zahlen zu Baubeginn und Fertigstellung? Fehlanzeige.

Ein Detail fällt besonders auf: Schon vor dem Start hatte Hubertz auf TikTok einen Clip veröffentlicht, in dem sie auf einer Bank sitzt und in die Hände klatscht. Dazu die Einblendung: „Applaus an mich selbst, weil ich die Geduld nicht verliere, bis der Bau-Turbo endlich starten kann.“ Den Beifall hat sie sich also schon gegönnt, bevor es überhaupt Ergebnisse gab.

Was der Bau-Turbo eigentlich kann

Seit dem 30. Oktober 2025 dürfen Städte und Gemeinden bei Wohnungsbauprojekten unter bestimmten Voraussetzungen vom geltenden Baurecht abweichen. Das oft jahrelange Verfahren für einen neuen oder geänderten Bebauungsplan kann dann wegfallen. Als Beispiele nennt die Ministerin Baulücken, das Bauen in zweiter Reihe und das Aufstocken bestehender Gebäude.

Die Idee ist richtig. Deutschland erstickt seit Jahren an Vorschriften, Gutachten und Verfahren. Aber an einer Reform, die Bürokratie abbauen soll, wird man die Ergebnisse auf der Baustelle messen müssen und nicht an Zwischenschritten im Amt.

393 von 11.000 Kommunen

Auch die Datenbasis ist dünn. An der freiwilligen Erhebung nahmen nur 393 der rund 11.000 Kommunen teil. Das Ministerium nennt die Zahlen selbst nicht repräsentativ. Medienberichten zufolge entfällt mehr als ein Viertel der Wohnungen allein auf München (2.107). Stuttgart kommt auf 345, Frankfurt am Main auf 255. In 72 Prozent der teilnehmenden Kommunen wurden überhaupt Bau-Turbo-Anträge behandelt.

Wohnungsnot trifft Wunschdenken

Wie groß die Lücke ist, zeigt der Blick zurück. Die Ampel hatte 400.000 neue Wohnungen pro Jahr versprochen. In keinem der drei Amtsjahre von Hubertz' Vorgängerin Klara Geywitz (SPD) wurden auch nur 300.000 fertig. 2025 waren es bundesweit 206.600. Für 2026 erwartet das ifo Institut nur noch 185.000. Medienberichten zufolge fehlen in Deutschland rund 1,35 Millionen Wohnungen.

Fairerweise muss man sagen: Die heutigen Fertigstellungen beruhen auf Genehmigungen von früher. Über die Wirkung des Bau-Turbos sagen sie daher noch wenig. Die schwarz-rote Koalition hat sich aber gar nicht erst auf ein konkretes Mengenziel festgelegt. Wer kein Ziel nennt, kann es auch nicht verfehlen.

Scharfe Kritik von den Eigentümern

Hubertz verteidigt ihre Reform. Ohne den Bau-Turbo wären die Vorhaben für knapp 8.000 Wohnungen aus ihrer Sicht nicht so schnell vorangekommen.

„Die Richtung stimmt und mehr wird folgen.“

Bei denen, die tatsächlich bauen sollen, kommt das kaum an. Kai Warnecke, Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund, nennt das Gesetz „ein Instrument von Beamten für Beamte, aber nicht für Menschen, die tatsächlich Wohnraum schaffen wollen“. Er fordert von der Ministerin Maßnahmen, die wirklich zu mehr Mietwohnungen und mehr Wohneigentum führen.

Damit trifft er den Kern. Für junge Familien und Leistungsträger, die sich Eigentum aufbauen wollen, zählen keine Zustimmungsquoten aus dem Rathaus. Sie brauchen bezahlbare Grundstücke, niedrigere Baukosten und weniger Abgaben. Solange Berlin vor allem Zwischenstände präsentiert, ist der Bau-Turbo für viele Bürger nicht mehr als ein Versprechen.

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