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27.02.2026
18:01 Uhr

Berliner Krankenhäuser proben den Ernstfall: Wenn Kliniken zu Kriegsschauplätzen werden

Berliner Krankenhäuser proben den Ernstfall: Wenn Kliniken zu Kriegsschauplätzen werden

Was noch vor wenigen Jahren als undenkbar galt, steht nun schwarz auf weiß in den Terminkalendern Berliner und Brandenburger Krankenhäuser: Die Bundeswehr probt mit zivilen Kliniken die Versorgung von Kriegsverwundeten im Nato-Bündnisfall. Die Übung „Medic Quadriga 2026" ist die größte Sanitätsübung der Bundeswehr seit Beginn des Ukraine-Krieges – und sie wirft fundamentale Fragen auf, die weit über den medizinischen Bereich hinausreichen.

Verwundete aus Litauen, versorgt in Neukölln

Das Szenario klingt wie aus einem Thriller, ist aber bittere Realität der sicherheitspolitischen Zeitenwende: Verwundete Soldaten sollen aus Litauen – wo die Bundeswehr derzeit ihren ersten dauerhaft im Ausland stationierten Kampfverband seit dem Zweiten Weltkrieg aufbaut – nach Deutschland geflogen werden. Ein medizinischer Hub in der Nähe des Berliner Flughafens BER soll die Ankunft koordinieren und die Patienten auf umliegende Kliniken verteilen. Neun zivile Gesundheitseinrichtungen sind für die Teilnahme vorgesehen, darunter das Vivantes-Klinikum Neukölln, das BG-Unfallkrankenhaus und die Charité am Campus Benjamin Franklin. Hinzu kommen sechs Kliniken in Brandenburg.

Die Bundeswehr begründet die Übung mit einer „konkreten Bedrohung durch Russland". Man mag diese Einschätzung teilen oder nicht – Fakt ist, dass hier eine Verzahnung von militärischer und ziviler Infrastruktur geprobt wird, die in der Geschichte der Bundesrepublik ihresgleichen sucht.

Freiwilligkeit? Fehlanzeige.

Besonders brisant sind die Details, die aus einer Kleinen Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion hervorgehen. Die Bundesregierung behauptet, die beteiligten Kliniken hätten sich „eigeninitiativ" zur Teilnahme gemeldet. Konkrete Vorgaben zu Personal oder materiellen Ressourcen seien nicht formuliert worden. Doch bei der Frage, ob Beschäftigte informiert, Personalräte beteiligt oder Mitarbeiter freiwillig mitwirken können, duckt sich die Regierung elegant weg: Das falle in den „Verantwortungsbereich der zivilen Partner".

Das BG-Unfallkrankenhaus Berlin macht dann auch keinen Hehl daraus, wie es um die Freiwilligkeit bestellt ist: Die Mitwirkung der Beschäftigten erfolge nicht auf freiwilliger Basis. Der Personalrat sei weder beteiligt noch angehört worden. Man stelle sich das einmal vor: Pflegekräfte und Ärzte, die ohnehin am Limit arbeiten, werden ohne Mitspracherecht in eine militärische Übung eingespannt. Finanzielle Ausgleichszahlungen? Keine. Zusätzliche Kosten? Angeblich auch keine.

Das Paradoxon der kaputten Kliniken

Hier offenbart sich ein Widerspruch, der geradezu grotesk anmutet. Während die Bundeswehr zivile Krankenhäuser für den Kriegsfall einspannt, schreiben die meisten Berliner Kliniken tiefrote Zahlen. Insolvenzen häufen sich. Das Land Berlin hat seine gesetzliche Verpflichtung zur Sicherstellung der Krankenhausinvestitionen über Jahre hinweg sträflich vernachlässigt. Der aktuelle Doppelhaushalt sieht weitere schmerzhafte Einschnitte vor.

Beim landeseigenen Klinikkonzern Vivantes – wohlgemerkt einem der Teilnehmer an „Medic Quadriga" – sind die Beschäftigten der Tochterfirmen in einen Warnstreik getreten. Sie kämpfen um eine faire Eingruppierung in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes und fürchten Altersarmut, weil ihnen keine betriebliche Altersvorsorge gewährt wird. Das Management verweist auf ein Defizit von 120 Millionen Euro und einen vom Senat auferlegten Sparkurs. Das Land als Träger? Tut so, als ginge es der Streik nichts an.

„In Friedenszeiten wird im Gesundheitswesen an der zivilen medizinischen Versorgung gespart. Für den Krieg wird dagegen genug Geld bereitgestellt. Doch was nützt es dann? Es wird alles zerbombt und zerstört."

Diese Worte von Angelika Claußen vom Verein Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs treffen den Nagel auf den Kopf. Es ist die bittere Ironie einer Politik, die für Kriegsübungen Geld findet, aber die alltägliche Gesundheitsversorgung ihrer Bürger verkommen lässt.

Ärzte warnen: „Wir werden euch nicht helfen können"

Die Kritik aus der Ärzteschaft geht noch weiter. Bernhard Winter, Mediziner und Vorstand des Vereins Demokratischer Ärztinnen und Ärzte, formuliert eine schonungslose Botschaft an die Bevölkerung: „Auch für 2026 gilt – wir werden euch nicht helfen können!" Er warnt davor, dass in der öffentlichen Debatte absichtlich die Vorbereitung auf Naturkatastrophen und Pandemien mit Kriegsszenarien in einen Topf geworfen werde.

Im Krieg herrsche immer eine militärische Logik, so Winter. Ob sich die Triage-Einteilung tatsächlich an zivile ethische Regeln halte, könne man mit gutem Gewissen bezweifeln. Es werde vielmehr darum gehen, der Kampfkraft der Bundeswehr Vorrang einzuräumen. In Planungspapieren wie dem Berliner Rahmenplan Zivile Verteidigung werde sogar offen eingeräumt, dass die zivile Bevölkerung bei der medizinischen Versorgung werde Abstriche machen müssen, weil Militärangehörige Vorrang hätten.

Die schleichende Militarisierung der Gesellschaft

Was hier geschieht, ist nichts weniger als eine fundamentale Verschiebung der Prioritäten. Auf unzähligen Symposien und Kongressen würden Beschäftigte des Gesundheitswesens darauf eingeschworen, dass dessen Strukturen „resilienter" werden müssten, berichtet Winter. Doch hinter dem wohlklingenden Begriff der Resilienz verberge sich letztlich die Propagierung von Kriegsmedizin im Zivilen und die Relativierung des Kriegselends.

Die Linke-Abgeordnete Julia-Christina Stange bringt es auf den Punkt: „Während Pflege und soziale Sicherheit kaputtgespart werden, fließt das Geld nur so, um Krankenhäuser für den Kriegsfall zu rüsten." Man mag von der Linkspartei halten, was man will – in diesem Fall trifft ihre Kritik einen wunden Punkt, den auch konservative Bürger nicht ignorieren sollten.

Zeitenwende mit falschen Prioritäten

Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass Deutschland angesichts der geopolitischen Lage seine Verteidigungsfähigkeit stärken muss. Die Bedrohung durch Russland ist real, die Stationierung der Litauen-Brigade eine nachvollziehbare Maßnahme. Doch die Art und Weise, wie hier vorgegangen wird, offenbart ein tiefgreifendes Versagen der politischen Klasse.

Ein Land, das seine Krankenhäuser nicht einmal im Frieden anständig finanzieren kann, spielt Krieg. Ein Land, dessen Pflegekräfte um Tariflöhne streiken müssen, bindet sie ohne Mitspracherecht in Militärübungen ein. Ein Land, das 500 Milliarden Euro Sondervermögen für Infrastruktur aufnimmt und damit kommende Generationen mit Schulden belastet, findet gleichzeitig nicht genug Mittel, um die Grundversorgung seiner Bürger sicherzustellen. Friedrich Merz hatte versprochen, keine neuen Schulden zu machen – das Ergebnis kennen wir.

Die Übung „Medic Quadriga 2026" ist ein Symptom einer Politik, die den Karren seit Jahren in den Dreck fährt und nun hektisch versucht, die Scherben zusammenzukehren. Statt jahrelang die Bundeswehr kaputtgespart und die Infrastruktur vernachlässigt zu haben, hätte man vorausschauend handeln müssen. Jetzt wird unter dem Deckmantel der „Zeitenwende" nachgeholt, was Jahrzehnte versäumt wurde – auf Kosten der Bürger, die weder gefragt noch informiert werden.

Die eigentliche Frage, die sich jeder Deutsche stellen sollte, lautet: Wollen wir in einem Land leben, in dem Krankenhäuser zu Manöverflächen werden, während die alltägliche Gesundheitsversorgung zerfällt? Oder wäre es nicht an der Zeit, zunächst die Grundlagen zu sichern, bevor man den nächsten Schritt geht? Wahre Stärke beginnt nicht mit Übungen für den Ernstfall. Sie beginnt mit einem funktionierenden Gemeinwesen.

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