
Berliner Streusalz-Chaos: Wenn grüne Ideologie auf die Realität trifft

Was sich derzeit in der deutschen Hauptstadt abspielt, könnte man als Realsatire bezeichnen – wäre es nicht so bitter für die betroffenen Bürger. Nachdem das Berliner Abgeordnetenhaus nach tagelangem Zögern endlich die Verwendung von Streusalz zur Enteisung der Gehwege genehmigt hat, stehen die Berliner vor dem nächsten Problem: In den Baumärkten der Stadt ist das begehrte Wintermittel praktisch nicht mehr erhältlich.
Leere Regale – ein Déjà-vu der besonderen Art
Die Szenen, die sich derzeit in Berliner Baumärkten abspielen, erinnern an Zustände, die man eigentlich aus anderen Wirtschaftssystemen kennt. „Zehn, 25, 50 Kilo – alles weg", berichtet ein Verkäufer aus dem Ortsteil Weißensee resigniert. Die Kunden würden gleich drei bis vier Säcke auf einmal kaufen, sobald überhaupt Ware verfügbar sei. In Charlottenburg und am Kurfürstendamm sieht die Lage nicht besser aus. Selbst die kleinen Becher seien restlos ausverkauft, klagt eine Verkäuferin. Ein Baumarkt in Treptow-Köpenick bestätigt lapidar: „Alles weg, seit Mittwoch!"
Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort liegt auf der Hand: Wenn ein Produkt über Jahre hinweg durch ideologisch motivierte Verbote stigmatisiert wird, reduzieren Händler naturgemäß ihre Lagerbestände. Warum sollte ein Baumarkt große Mengen eines Produkts vorhalten, dessen Verwendung faktisch untersagt ist? Die plötzliche Freigabe trifft nun auf eine völlig unvorbereitete Lieferkette.
Die BSR duckt sich weg
Besonders pikant ist das Verhalten der Berliner Stadtreinigung. Während die BSR gegenüber Medien stolz verkündet, ihre Streugutlager seien „derzeit ausreichend gefüllt", weigert sich das städtische Unternehmen standhaft, auch die Gehwege zu bestreuen. Die Begründung ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten: Man sei erstens nicht zuständig – das seien die Anlieger – und zweitens würden sonst die Vorräte für die Straßen nicht ausreichen.
Man muss sich diese Logik auf der Zunge zergehen lassen: Die Stadt verfügt über Salzvorräte, die Bürger können kein Salz kaufen, und trotzdem sollen sie selbst für eisfreie Gehwege sorgen. Als Alternative wurde den Berlinern allen Ernstes empfohlen, das Eis per Hand zu brechen. Eine Empfehlung, die angesichts der demografischen Struktur der Hauptstadt – mit vielen älteren und körperlich eingeschränkten Menschen – geradezu zynisch anmutet.
Ein deutschlandweites Problem
Berlin steht mit seinen Problemen keineswegs allein da. Auch in Westfalen meldet der WDR akute Streusalz-Knappheit. Dort sind die Streufahrzeuge aufgrund von Lieferengpässen gezwungen, mit weniger Salz auf weniger Straßen zu operieren. In Brandenburg warnt der Landesbetrieb Straßenwesen vor möglichen Engpässen bei „extremen Wetterlagen". Selbst in Thüringen und Niedersachsen wird das Wintermittel zur Mangelware.
Was wir hier erleben, ist das Ergebnis einer Politik, die jahrelang den Kampf gegen vermeintliche Umweltsünden über die praktischen Bedürfnisse der Bürger gestellt hat. Das Streusalz-Verbot wurde mit dem Schutz von Bäumen und Grundwasser begründet – noble Ziele, gewiss. Doch wenn Menschen auf spiegelglatten Gehwegen stürzen und sich Knochen brechen, wenn Rettungswagen nicht mehr durchkommen und der öffentliche Nahverkehr zusammenbricht, dann hat die Ideologie über den gesunden Menschenverstand gesiegt.
Die Lehren aus dem Chaos
Dieser Winter offenbart einmal mehr die Schwächen einer Verwaltung, die sich mehr um politische Korrektheit als um funktionierende Infrastruktur kümmert. Die Berliner zahlen nun den Preis für eine Politik, die Verbote und Regulierungen über pragmatische Lösungen stellt. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet in der Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt ein so banales Gut wie Streusalz zur Mangelware wird.
Die Bürger haben es satt, von einer abgehobenen politischen Klasse bevormundet zu werden, die selbst vermutlich nie einen vereisten Gehweg räumen musste. Es wird Zeit, dass wieder Vernunft in die deutsche Politik einkehrt – und zwar nicht nur beim Thema Streusalz.












