
Bildungskatastrophe in Berlin: Fast 40 Prozent der Polizei-Bewerber scheitern an der deutschen Sprache
Was einst als Selbstverständlichkeit galt, ist im Jahr 2026 offenbar zur Herkulesaufgabe geworden: die Beherrschung der eigenen Muttersprache. In Berlin fällt mittlerweile mehr als jeder dritte Bewerber für den Polizeidienst beim Deutschtest durch. Eine Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss – und die schmerzhafter kaum sein könnte für eine Nation, die sich einst stolz als Bildungsrepublik verstand.
Die nackten Zahlen eines Versagens
Von insgesamt 10.874 Bewerbern der Jahre 2024 und 2025 für den Berliner Polizeidienst fielen sage und schreibe 4.271 beim Sprachtest durch – das entspricht 39,3 Prozent. Doch es kommt noch schlimmer. Selbst unter den 6.013 Bewerbern, die ein Abitur, eine Fachhochschulreife oder sogar ein abgeschlossenes Studium vorweisen konnten, scheiterten 1.812 Kandidaten – fast ein Drittel. Man stelle sich das einmal vor: Menschen, denen das deutsche Bildungssystem eine Hochschulzugangsberechtigung ausgestellt hat, sind nicht in der Lage, ein simples Diktat fehlerfrei zu schreiben.
Die Konsequenzen sind handfest und unmittelbar spürbar. Im Jahr 2025 konnten von 1.224 Ausbildungsplätzen bei der Berliner Polizei 288 Stellen nicht besetzt werden – schlicht weil es an ausreichend qualifizierten Bewerbern mangelte. In einer Stadt, die ohnehin unter chronischem Personalmangel bei den Sicherheitsbehörden leidet, ist das nicht nur ein bildungspolitisches Desaster, sondern ein sicherheitspolitischer Offenbarungseid.
Die Senatorin wundert sich – und zeigt auf andere
Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch von der CDU bezeichnete die Entwicklung als „erschreckenden Abwärtstrend". Soweit, so erwartbar. Bemerkenswert ist allerdings, mit welcher Nonchalance sie sich von jeder Verantwortung freispricht. Dieser Trend bestehe „seit Jahren", erklärte sie, und bestärke sie in ihrer „Qualitätsstrategie". Man müsse noch mehr Gewicht auf Deutsch und Mathematik legen. Dass diese Basiskompetenzen in der 10., 11. oder 12. Klasse beherrscht werden müssten, sei doch klar.
Ja, das sollte es sein. Aber warum ist es das offensichtlich nicht? Und vor allem: Wo bleibt die Trendwende, die man von einer CDU-geführten Bildungspolitik hätte erwarten dürfen? Von einer solchen ist bislang nichts bekannt geworden. Stattdessen regiert das Prinzip Hoffnung – garniert mit wohlklingenden Strategiepapieren, die an der Realität in den Klassenzimmern offenkundig vorbeigehen.
Ein Diktat als unüberwindbare Hürde
Dabei sind die Anforderungen des Deutschtests alles andere als akademisch. Der Bewerber sitzt am Computer, bekommt über Kopfhörer einen Text von rund 200 Wörtern langsam vorgelesen – mit Sprechpausen nach jeweils fünf bis acht Wörtern. Für den mittleren Dienst bedeuten mehr als 14 Fehler das Aus, für den gehobenen Dienst liegt die Grenze bei 11 Fehlern. Die häufigsten Stolpersteine? Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Doppelkonsonanten. Stoff, der einst in der Grundschule vermittelt und in der Mittelstufe gefestigt wurde. Heute scheitern daran Abiturienten.
Es gab einmal eine Zeit, in der Deutschland als Bildungsnation galt. In der solide Sprachkenntnisse, saubere Rechtschreibung und grammatikalische Sicherheit zum Grundrüstzeug eines jeden Schulabgängers gehörten. Diese Zeit scheint endgültig vorbei zu sein – und die Verantwortlichen tun so, als sei das ein Naturereignis, gegen das man machtlos ist.
Das Problem reicht weit über Berlin hinaus
Wer glaubt, es handle sich um ein rein hauptstädtisches Phänomen, der irrt gewaltig. Eine aktuelle Umfrage des Arbeitgeberverbandes „Niedersachsenmetall" unter 320 Unternehmen ergab, dass fast zwei Drittel der Betriebe über eine abnehmende Qualität der Ausbildungsbewerber klagen. Es mangele an naturwissenschaftlichen und mathematischen Kenntnissen, an sprachlicher Kompetenz – und zunehmend auch an Motivation, Disziplin und Belastbarkeit. Die Hochschulen berichten Ähnliches: Immer mehr Studienanfänger seien zwar formal studierberechtigt, aber faktisch nicht studierfähig.
Das ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Bildungspolitik, die Leistung systematisch entwertet hat. Statt auf Qualität und Exzellenz zu setzen, wurde nivelliert, relativiert und schöngeredet. Rechtschreibreformen, die mehr Verwirrung als Klarheit stifteten. Lehrpläne, die ideologisch aufgeladen, aber inhaltlich ausgedünnt wurden. Eine Pädagogik, die das Fordern durch Fördern ersetzte – und am Ende beides nicht mehr leistete.
Nachhilfe für angehende Polizisten – seit 2019
Besonders entlarvend ist ein Detail, das fast untergehen könnte: Bereits seit 2019 bietet die Berliner Polizei Deutsch-Nachhilfekurse für ihre eigenen Auszubildenden an. Wohlgemerkt: für Menschen, die den Einstellungstest bereits bestanden haben und sich in der Ausbildung befinden. Wenn der Staat seinen künftigen Ordnungshütern erst beibringen muss, wie man einen korrekten deutschen Satz formuliert, dann ist das keine Randnotiz – dann ist das ein Symptom eines systemischen Versagens.
Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe von der SPD verwies darauf, dass von den Bewerbern erwartet werde, sich eigenständig auf das Auswahlverfahren vorzubereiten. Eine bemerkenswerte Aussage aus den Reihen einer Partei, die über Jahrzehnte die Berliner Bildungspolitik maßgeblich geprägt hat. Wenn die Absolventen des eigenen Schulsystems nicht einmal mehr in der Lage sind, einen Einstellungstest auf Grundschulniveau zu bestehen, dann ist der Verweis auf „Eigeninitiative" nichts anderes als eine Bankrotterklärung.
Die unbequeme Wahrheit über Berlins Schulen
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel behauptete im Innenausschuss, beim schlechten Abschneiden gebe es kaum Unterschiede zwischen Bewerbern mit und ohne Migrationshintergrund. Das mag auf den ersten Blick beruhigend klingen, offenbart bei genauerem Hinsehen jedoch ein noch tieferliegendes Problem: In vielen Berliner Schulen liegt der Anteil von Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache bei weit über 50 Prozent. Wenn sich das allgemeine Sprachniveau an diesen Schulen nach unten anpasst, dann sinkt eben das Niveau für alle – unabhängig vom Hintergrund.
AfD-Bildungsexperte Tommy Tabor, der die erschreckenden Zahlen durch eine parlamentarische Anfrage ans Licht gebracht hatte, brachte es auf den Punkt: Wenn selbst Abiturienten Mindeststandards in Rechtschreibung und Grammatik nicht mehr sicher beherrschten, sei das ein Armutszeugnis für das Berliner Bildungssystem. Dem ist wenig hinzuzufügen – außer vielleicht die Feststellung, dass dieses Armutszeugnis längst nicht mehr nur für Berlin gilt, sondern für weite Teile der Republik.
Ein Land, das seine Zukunft verspielt
Deutschland steht vor einem fundamentalen Problem, das weit über fehlende Polizeibewerber hinausreicht. Eine Gesellschaft, die ihren Nachwuchs nicht mehr befähigt, die eigene Sprache korrekt zu beherrschen, untergräbt die Grundlagen ihres Wohlstands und ihrer Funktionsfähigkeit. Während in Ostasien Bildungsexzellenz als nationale Priorität behandelt wird, diskutiert man hierzulande lieber über Gendersprache und inklusive Pädagogik – und wundert sich dann, dass die Ergebnisse immer schlechter werden.
Die politische Klasse, die diesen Niedergang zu verantworten hat, reagiert mit dem immer gleichen Reflex: mehr Geld, mehr Programme, mehr Strategiepapiere. Was fehlt, ist der Mut zur Umkehr. Der Mut, wieder Leistung einzufordern, Standards durchzusetzen und Bildung als das zu behandeln, was sie ist: die wichtigste Investition in die Zukunft einer Nation. Stattdessen wird der Fachkräftemangel beklagt und reflexartig nach noch mehr Zuwanderung gerufen – während der eigene Nachwuchs im Bildungssystem verkümmert.
Es war einmal eine Bildungsnation. Ihr Name war Deutschland. Was davon übrig geblieben ist, lässt sich an einer einzigen Zahl ablesen: 39,3 Prozent.

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