
BKA-Lagebild: „Gen-Z-Mafia“ posiert, während die Schäden explodieren

Das Bundeskriminalamt hat am 15. September 2026 sein Bundeslagebild zur Organisierten Kriminalität für das Jahr 2025 vorgelegt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) präsentierte Zahlen, die kaum Raum für Beschönigung lassen: 683 Ermittlungsverfahren, fast 8.000 Tatverdächtige, rund 2,8 Milliarden Euro festgestellter Schaden. Es ist der höchste Verdächtigenwert der vergangenen fünf Jahre.
Der Schaden hat sich fast verdoppelt
Zur Einordnung: Im Lagebild für 2024 hatte das BKA 647 Verfahren und einen Gesamtschaden von rund 1,6 Milliarden Euro ausgewiesen. Binnen eines Jahres ist der bezifferte Schaden damit um weit über eine Milliarde Euro gestiegen.
69 Prozent der Verfahren wiesen dem Lagebild zufolge einen transnationalen Bezug auf. Organisierte Kriminalität endet nicht an Landesgrenzen – sie nutzt sie aus.
Bemerkenswert auch die Gewaltbilanz: 20 Tötungsdelikte und 100 Körperverletzungen im Jahr 2025, nach 13 beziehungsweise 77 im Vorjahr. Die Ermittler beschreiben eine sinkende Hemmschwelle beim Schusswaffengebrauch – und zwar zunehmend im öffentlichen Raum.
Wenn Verbrechen zum Bestelldienst wird
Das Lagebild beschreibt einen Strukturwandel. Wo früher Abschottung das Markenzeichen krimineller Strukturen war, inszenieren jüngere Akteure – vom BKA „Gen-Z-Mafia“ genannt – Macht, Status und Gewalt offen in sozialen Medien.
Dazu kommt das Prinzip „Crime-as-a-Service“: Logistik, Waffen, Geldwäsche und selbst die Rekrutierung von oft jugendlichen Tätern werden als Dienstleistung angeboten. Vermittelt wird über verschlüsselte Messenger. Auftraggeber könnten laut BKA aus dem Ausland agieren, ohne ihre Handlanger in Deutschland je persönlich zu treffen.
BKA-Präsident Holger Münch fasste es so zusammen:
„Deshalb müssen wir nicht nur die Täter einzelner Straftaten verfolgen, sondern in nationaler und internationaler Kooperation die Strukturen dahinter aufdecken, ihnen die finanziellen Grundlagen entziehen und ihre Handlungsspielräume konsequent einschränken.“
Münch verwies zudem darauf, dass auch Staaten kriminelle Netzwerke nutzten – für Sabotage, Cyberangriffe und Spionage auf Bestellung. Ein Satz, der angesichts der jüngsten Meldungen über mutmaßliche Sabotage an europäischer Infrastruktur nachhallt.
Kokain, Crack und gefälschte Pistolen
Hauptgeschäftsfeld bleibt der Rauschgifthandel mit rund 37 Prozent aller Verfahren. Die Zahlen aus dem Lagebild:
- 10,1 Tonnen Kokain sichergestellt, davon 6,5 Tonnen in deutschen Häfen
- 39.414 Straftaten im Bereich Kokain und Crack – ein Plus von knapp zwei Prozent
- 2.150 Rauschgifttote, nach dem Höchststand von 2.227 im Jahr 2023
- 567 sichergestellte Cannabis-Plantagen – ein Anstieg um rund 55 Prozent
Der Schwarzmarkt wächst also munter weiter – trotz Teillegalisierung von Cannabis. Die Sicherstellungen von Marihuana haben sich 2025 sogar verdreifacht. Beim Schmuggel setzen die Netzwerke laut BKA verstärkt auf schnelle „Go-Fast-Boote“. Parallel gelangen „totalgefälschte Schusswaffen“ über den Landweg aus der Türkei nach Deutschland – täuschend echte Kopien aus illegalen Werkstätten.
Ansagen gibt es reichlich – Ergebnisse müssen folgen
Dobrindt erklärte, kriminelle Banden würden „professioneller, brutaler und skrupelloser“, und kündigte einen gemeinsamen Aktionsplan gegen Organisierte Kriminalität sowie Finanz- und Rauschgiftkriminalität an. Drogenbeauftragter Hendrik Streeck wurde deutlicher: An jedem Gramm Kokain klebe Blut.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das Lagebild vor allem eine Quittung: Für Milliardenschäden, offene Schmuggelrouten und Schüsse in Wohngebieten haben Bürger jahrelang keine Antworten erhalten – sondern Absichtserklärungen. Für viele Menschen im Land steht deshalb weniger der nächste Aktionsplan im Vordergrund als die Frage, wann er endlich messbar wirkt.
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