
Blutbad in Stade: Sechs Tote, zwei Waisenkinder – und eine Welle der Anteilnahme, die Bände spricht

Es sind Bilder, die einem den Atem stocken lassen. Kerzen flackern vor einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade, Menschen verharren in stiller Andacht, und über allem liegt die bleierne Frage, wie so etwas in unserem Land überhaupt geschehen kann. Am 29. Juni wurden hier sechs Menschen regelrecht aus dem Leben gerissen – erschossen während eines Termins, der eigentlich dem Wohl eines Kindes hätte dienen sollen. Was bleibt, sind Trauer, Fassungslosigkeit und zwei kleine Kinder, drei und vier Jahre alt, die nun als Vollwaisen zurückbleiben.
Eine Spendenwelle, die zeigt, dass das Herz der Deutschen noch schlägt
Wenn Politik und Institutionen versagen, dann sind es am Ende die Bürger selbst, die Verantwortung übernehmen. Über die Plattform GoFundMe kamen für die beiden Waisen binnen kürzester Zeit mehr als 620.000 Euro zusammen. Über 24.000 Menschen beteiligten sich an dieser Aktion – ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass Mitgefühl und Solidarität in Deutschland eben nicht ausgestorben sind, mögen manche das gerne behaupten.
Das Schicksal dieser Kinder ist besonders bitter. Erst am 9. Juni hätten sie Abschied von ihrem Vater nehmen müssen, so heißt es im Spendenaufruf. Nur zwanzig Tage später wurde ihnen auch die Mutter genommen – eine 32-jährige Frau, die im Aufruf als „liebevolle Mutter" und „starke Persönlichkeit" gewürdigt wird. Das Geld solle den Kindern einen möglichst sicheren Start in eine ungewisse Zukunft ermöglichen: Versorgung, Betreuung, Bildung und therapeutische Unterstützung stünden im Vordergrund.
Ein amtsbekannter Täter – und die Frage, warum niemand eingriff
Der mutmaßliche Schütze, ein 45 Jahre alter Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit, sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor. Im Kontext eines Sorgerechtsstreits um seine kleine Tochter soll er während eines Gesprächstermins plötzlich eine mitgebrachte Schusswaffe gezogen und das Feuer eröffnet haben. Vier Frauen und zwei Männer starben – darunter Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover sowie Beschäftigte der Stader Einrichtung.
Der Verdächtige war amtsbekannt. Ein Satz, der in diesem Land inzwischen mit erschreckender Regelmäßigkeit fällt.
Und genau hier liegt der Punkt, der zum Nachdenken zwingen sollte. Immer wieder erfahren wir nach solchen Taten, dass der Täter längst im Visier der Behörden war. Immer wieder fragt sich der Bürger, warum die Warnsignale ignoriert wurden. Diese Verkettung aus Behördenversagen und einer Sicherheitspolitik, die den Schutz unschuldiger Menschen offenbar nicht mehr garantieren kann, ist symptomatisch für einen Staat, der die Kontrolle über die eigene innere Sicherheit zunehmend verliert. Es ist nicht allein die Meinung unserer Redaktion, dass ein Großteil der Bevölkerung diese Zustände nicht länger hinnehmen will – die Umfragewerte sprechen eine deutliche Sprache.
Politische Verstrickungen und die Rückendeckung von oben
Pikant wird der Fall durch eine familiäre Verbindung in die Politik. Die 65-jährige Schwiegermutter des niedersächsischen Migrationsbeauftragten Deniz Kurku soll am Steuer des Fluchtwagens gesessen haben, während der mutmaßliche Schütze als Beifahrer saß. Die Polizei stoppte das Fahrzeug schließlich mit Schüssen. Ob die Frau von den Plänen des Täters wusste, sei nach Angaben der Ermittler zunächst unklar geblieben.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies stellte sich demonstrativ hinter den Migrationsbeauftragten. Kurku habe richtig gehandelt, indem er offen über die Verwicklung seiner Schwiegermutter informiert habe, und treffe selbst keine Schuld, so der SPD-Politiker. Man wolle an seiner Seite stehen. Kurku selbst ließ über einen Rechtsanwalt mitteilen, er habe die Behörden unmittelbar nach Bekanntwerden der Medienberichte informiert.
Was bleibt, ist die Trauer – und eine unbequeme Wahrheit
Sechs Menschen sind tot. Zwei kleine Kinder haben binnen weniger Wochen beide Elternteile verloren. Und während die Bürger dieses Landes mit beeindruckender Großzügigkeit zusammenrücken, um wenigstens ein Stück Zukunft für diese Waisen zu sichern, bleibt die bohrende Frage nach der Verantwortung derjenigen, die für unsere Sicherheit sorgen sollten. Ein Staat, der seine schwächsten Mitglieder – Kinder, Familien, Mitarbeiter des Jugendamtes im Dienst – nicht mehr zu schützen vermag, hat ein fundamentales Problem. Es braucht endlich eine Politik, die wieder für die Menschen in diesem Land regiert und nicht an ihnen vorbei.
Unser Mitgefühl gilt den Opfern, ihren Angehörigen und ganz besonders den beiden Kindern, die nun ohne Vater und Mutter aufwachsen müssen. Mögen die gesammelten Spenden ihnen wenigstens ein Fundament geben, auf dem sie ein neues Leben aufbauen können.

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