
BSW im Clinch: Parteigründerin kehrt dem Wagenknecht-Bündnis den Rücken
Was als politisches Hoffnungsprojekt begann, entpuppt sich zunehmend als Schauplatz erbitterter Grabenkämpfe. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Zaklin Nastic, einst Mitgründerin des Bündnisses Sahra Wagenknecht, hat der Partei den Rücken gekehrt – und die Reaktion der Parteiführung lässt tief blicken.
Gegenseitige Schuldzuweisungen statt inhaltlicher Debatte
Die BSW-Bundesvorsitzenden Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi ließen nicht lange auf sich warten. In einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bezeichneten sie Nastics Austrittserklärung kurzerhand als „konfus". Mehr noch: Die Parteiführung unterstellte der Abgeordneten, es sei ihr letztlich nur um ein „gut dotiertes Abgeordnetenmandat" gegangen. Ein bemerkenswerter Vorwurf, der die Frage aufwirft, ob das BSW tatsächlich jene neue politische Kultur verkörpert, die es bei seiner Gründung vollmundig versprochen hatte.
Nastic selbst hatte in ihrer Austrittsbegründung schwere Geschütze aufgefahren. Sie warf der Parteiführung strategische Fehler bei Wahlen vor, beklagte eine mangelnde friedenspolitische Schärfe und berichtete von restriktiven Loyalitätsprüfungen sowie „schwarzen Listen" bei der Aufnahme neuer Mitglieder. Vorwürfe, die – sollten sie auch nur teilweise zutreffen – ein verheerendes Bild auf die innerparteiliche Demokratie des noch jungen Bündnisses werfen würden.
Die AfD als Zankapfel
Besonders brisant: Nastic hatte eine „punktuelle und pragmatische Zusammenarbeit mit Friedensbewegten in der AfD" gefordert. Ein Tabubruch, den die Parteiführung erwartungsgemäß scharf zurückwies. Mohamed Ali und De Masi konterten mit beißender Ironie, es sei „zumindest originell", dass ihnen nun vorgeworfen werde, zu kritisch gegenüber Putin und dem Krieg in der Ukraine zu sein – wo ihnen doch üblicherweise genau das Gegenteil unterstellt werde.
Dieser Streitpunkt offenbart das fundamentale Dilemma des BSW. Eine Partei, die sich als friedenspolitische Alternative positionieren möchte, aber gleichzeitig krampfhaft jede Berührung mit der AfD vermeidet, bewegt sich auf einem schmalen Grat. Dass Nastic nun offenbar in Richtung AfD tendiere, wie die Parteiführung andeutete, dürfte für das BSW ein unangenehmes Signal sein – zeigt es doch, dass die Partei Wähler und Mitglieder an genau jene Kraft verliert, die sie eigentlich überflüssig machen wollte.
Hamburg gibt sich selbstkritisch – ein Novum
Bemerkenswert differenziert reagierte hingegen der Hamburger Landesverband. In einer Stellungnahme vom 31. März 2026 räumte man ein, dass in der „bisherigen Aufbauphase der Partei nicht alles richtig gemacht worden" sei. Man bezeichnete Nastic als „anerkannte und erfahrene Politikerin" und bedauerte ihren Austritt – von dem man bezeichnenderweise erst aus der Presse erfahren habe. Auch zur umstrittenen Aufnahmepolitik gab es ein erstaunliches Eingeständnis: Das BSW habe „inzwischen einen deutlichen Richtungswechsel vollzogen". Eine diplomatische Umschreibung dafür, dass die anfänglichen Verfahren offenbar tatsächlich problematisch waren.
Ein Symptom tieferliegender Probleme
Der Fall Nastic ist mehr als eine Personalie. Er ist symptomatisch für die Krise einer Partei, die mit dem Anspruch angetreten war, die politische Landschaft in Deutschland grundlegend zu verändern. Stattdessen reproduziert das BSW exakt jene Muster, die man von der Linkspartei – aus der die meisten BSW-Gründer stammen – zur Genüge kennt: persönliche Eitelkeiten, ideologische Grabenkämpfe und eine Parteiführung, die Kritik reflexartig als Angriff auf die eigene Autorität wertet.
Für den deutschen Bürger, der sich nach einer echten politischen Alternative sehnt, ist dieses Schauspiel ernüchternd. Während die neue Große Koalition unter Friedrich Merz mit ihrem 500-Milliarden-Schuldenpaket die Zukunft kommender Generationen verpfändet und die Kriminalität im Land neue Rekordwerte erreicht, beschäftigen sich die vermeintlichen Oppositionsparteien lieber mit sich selbst. Das BSW, einst als Stimme der Vernunft gegen ideologische Verblendung gestartet, droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken – nicht weil seine Themen falsch wären, sondern weil es an der simpelsten aller politischen Aufgaben scheitert: dem Zusammenhalt der eigenen Reihen.

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