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20.03.2026
06:10 Uhr

Bundeswehr an der Straße von Hormus? Pistorius öffnet die Tür für deutschen Militäreinsatz

Bundeswehr an der Straße von Hormus? Pistorius öffnet die Tür für deutschen Militäreinsatz

Was vor wenigen Wochen noch undenkbar schien, rückt nun in greifbare Nähe: Ein Einsatz der Bundeswehr in einer der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Verteidigungsminister Boris Pistorius ließ am Donnerstag in Berlin eine Formulierung fallen, die aufhorchen lässt: „Wir schließen nichts aus." Damit vollzieht die Große Koalition eine bemerkenswerte Kehrtwende – weg vom kategorischen „Das ist nicht unser Krieg" hin zu einer vorsichtigen Bereitschaftserklärung, die vor allem einem Mann gefallen dürfte: Donald Trump.

Sechs Nationen beugen sich dem Druck aus Washington

Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Japan haben in einer gemeinsamen Erklärung ihre grundsätzliche Bereitschaft bekundet, einen Beitrag zur Sicherung der Meerengen zu leisten. Die Formulierung ist diplomatisch weich, fast schon wolkig – konkrete Details blieben die sechs Staaten schuldig. Doch die Botschaft ist unmissverständlich: Man will Trump besänftigen, der in den vergangenen Tagen erneut mit dem Austritt der USA aus der NATO gedroht hatte.

Der US-Präsident hatte die Haltung der Verbündeten als „ziemlich schockierend" bezeichnet und der NATO einen „sehr dummen Fehler" vorgeworfen. In seinen Social-Media-Beiträgen setzte er das Wort „Verbündete" demonstrativ in Anführungszeichen – eine Ohrfeige für das gesamte westliche Bündnis. Der Fall sei ein „Test" gewesen, so Trump. Ein Test, den Europa zunächst krachend durchfiel.

Macrons Vorpreschen als Blaupause

Dass ausgerechnet Frankreichs Präsident Emmanuel Macron als Erster Entgegenkommen signalisierte, überrascht kaum. Der politische Instinkt des Franzosen ist legendär – und er wurde belohnt. Trump vergab Macron für seine Haltung in der Hormus-Frage „acht von zehn" Punkten und verschonte ihn weitgehend von seiner verbalen Breitseite gegen die NATO-Partner. Eine Lektion, die offenbar auch in Berlin angekommen ist. Wer sich Trumps Gunst sichern will, muss liefern – oder zumindest so tun, als würde er es bald tun.

Pistorius knüpfte seine vorsichtige Zusage allerdings an eine entscheidende Bedingung: Ein Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran müsse zunächst erreicht werden. Erst danach könne man über eine konkrete Beteiligung sprechen. Im Gespräch seien dem Vernehmen nach Minensuchboote – eine Reaktion auf Berichte amerikanischer Medien, wonach der Iran begonnen habe, die wichtige Handelsroute zu verminen. Pistorius selbst relativierte diese Darstellung jedoch umgehend: „Diese Aktivitäten gibt es gegenwärtig nicht."

Kritik von unerwarteter Seite

Bemerkenswert ist, dass die schärfste Kritik am deutschen Zögern ausgerechnet aus den eigenen Reihen kam. Der ehemalige SPD-Vorsitzende und Ex-Außenminister Sigmar Gabriel bezeichnete die anfängliche Absage an Trump als „schweren Fehler". Auf der Plattform X schrieb er, man wolle natürlich nicht in diesen Krieg hineingezogen werden – doch auch deutsche Handelsschiffe bräuchten Schutz. Vor allem aber hätte man den Golfstaaten demonstrieren können, dass Europa ihnen zur Seite stehe. Eine Einschätzung, die man teilen kann.

Die Straße von Hormus – Nadelöhr der Weltwirtschaft

Man muss sich die geopolitische Dimension dieser Wasserstraße vor Augen führen: Durch die Straße von Hormus, jene schmale Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel, fließt rund ein Fünftel des weltweiten Erdölhandels. Eine Blockade oder auch nur eine Gefährdung dieser Route hätte unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiepreise – und damit auf jeden einzelnen Bürger in Deutschland. Dass die Bundesregierung hier zunächst so zögerlich agierte, zeugt einmal mehr von einer außenpolitischen Naivität, die sich ein Land wie Deutschland schlicht nicht leisten kann.

Die Frage, die sich nun stellt, ist eine grundsätzliche: Ist die Große Koalition unter Friedrich Merz bereit, Deutschland endlich wieder als ernstzunehmenden sicherheitspolitischen Akteur zu positionieren? Oder bleibt es bei den üblichen diplomatischen Lippenbekenntnissen, die in Washington bestenfalls ein müdes Lächeln hervorrufen? Die Erklärung der sechs Staaten ist ein erster Schritt – aber eben nur ein erster. Trump wird sich mit warmen Worten allein nicht zufriedengeben. Japans Premierministerin Sanae Takaichi machte es vor: Sie sicherte im Oval Office konkrete Verantwortungsübernahme zu und erntete dafür Trumps Anerkennung.

Deutschland steht einmal mehr am Scheideweg. Die Zeiten, in denen man sich hinter dem transatlantischen Schutzschild verstecken und gleichzeitig die eigene Verteidigungsfähigkeit vernachlässigen konnte, sind endgültig vorbei. Wer Handel treiben will, muss auch bereit sein, seine Handelswege zu schützen. Das ist keine Kriegstreiberei – das ist schlichte Realpolitik.

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