
Cancel Culture beim NDR: Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine unbequeme Journalistin loswerden wollte
Es ist eine Geschichte, die exemplarisch für den Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland steht – und die jedem Gebührenzahler die Zornesröte ins Gesicht treiben sollte. Die Reportage-Reihe „Klar", einst als zaghafte Antwort der ARD auf den berechtigten Vorwurf politischer Einseitigkeit konzipiert, kehrt am 15. April mit neuen Folgen zurück. Doch die Geschichte dahinter offenbart ein erschreckendes Bild ideologischer Grabenkämpfe innerhalb jener Anstalten, die eigentlich der Meinungsvielfalt verpflichtet sein sollten.
Eine Moderatorin, die es wagte, unbequeme Fragen zu stellen
Julia Ruhs, mittlerweile 32 Jahre alt, hatte sich beim NDR einen unverzeihlichen Fehler geleistet: Sie hatte in einer Folge von „Klar" das Thema Migrantengewalt aufgegriffen und den Vater eines ermordeten Mädchens interviewt. Man stelle sich vor – eine Journalistin, die Opfern eine Stimme gibt. In einer funktionierenden Medienlandschaft wäre das schlicht guter Journalismus. Beim NDR hingegen löste es ein regelrechtes Beben aus.
Zahlreiche NDR-Journalisten forderten daraufhin nicht weniger als die Absetzung der gesamten Sendung und die Trennung von Ruhs. In einer Vollversammlung, die Beobachter als „Tribunal" beschrieben, brachen Redaktionsmitglieder angesichts der politischen Vorwürfe in Tränen aus. Man fragt sich unwillkürlich: Weinen diese Menschen auch über die Opfer jener Gewalt, über die Ruhs berichtete? Oder nur über die vermeintliche Verletzung ihrer ideologischen Komfortzone?
Reschkes Tiefschlag: „Ein bisschen rechtsextrem"
Den traurigen Höhepunkt dieser Kampagne gegen eine Kollegin lieferte ausgerechnet Anja Reschke, ihres Zeichens Moderatorin der Sendung „Reschke Fernsehen". Sie verunglimpfte „Klar" öffentlich als „ein bisschen rechtsextrem". Eine Formulierung, die in ihrer Absurdität kaum zu überbieten ist – als könne man „ein bisschen rechtsextrem" sein, so wie man „ein bisschen schwanger" sein kann. Der öffentliche Angriff auf die eigene Kollegin blieb selbstverständlich folgenlos. Keine Abmahnung, keine Konsequenzen. Die Botschaft ist klar: Wer nach links austeilt, genießt beim NDR offenbar Narrenfreiheit.
Dass sich der NDR letztlich nur mit der Entlassung von Ruhs durchsetzen konnte, nicht aber mit der Absetzung der Sendung, dürfte den Verantwortlichen noch immer schwer im Magen liegen. Der Fall brachte dem Sender den wohlverdienten Vorwurf der „Cancel Culture" ein – ein Vorwurf, den man angesichts der Faktenlage kaum von der Hand weisen kann.
Tanit Koch übernimmt – Ruhs darf beim BR weitermachen
Die neue Folge am 15. April wird nun von der ehemaligen Bild-Chefredakteurin Tanit Koch moderiert, die einst versuchte, der Boulevard-Zeitung einen seriöseren Anstrich zu verleihen. Thematisch soll es um Gewalt gegen Polizisten gehen – ein Thema, das angesichts der dramatisch gestiegenen Übergriffe auf Beamte längst überfällig ist. Ein Psychotherapeut, der seit zwei Jahrzehnten Polizisten behandelt, wird über die verheerenden Folgen berichten: Depressionen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen. Die Realität jener Menschen, die täglich ihren Kopf für unsere Sicherheit hinhalten.
Zwei Wochen nach Kochs Premiere wird dann Julia Ruhs die Sendung wieder präsentieren – allerdings unter der Verantwortung des Bayerischen Rundfunks. Dort darf die konservative Journalistin offenbar noch arbeiten, ohne dass die halbe Belegschaft in Schnappatmung verfällt. Insgesamt planen NDR und BR sechs Folgen für dieses Jahr, nachdem es 2025 drei Pilotfolgen gegeben hatte.
Ein Symptom einer tiefgreifenden Schieflage
Der Fall „Klar" ist weit mehr als eine interne Querele beim NDR. Er ist ein Symptom jener tiefgreifenden Schieflage, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland seit Jahren prägt. Milliarden an Zwangsgebühren fließen in ein System, das sich offenkundig weigert, die gesamte Bandbreite gesellschaftlicher Debatten abzubilden. Wenn eine Sendung, die lediglich versucht, auch konservative Perspektiven einzubeziehen, intern als „rechtsextrem" diffamiert wird, dann sagt das weniger über die Sendung als über den ideologischen Tunnelblick ihrer Kritiker.
Dass ausgerechnet das Thema Migrantengewalt – ein Thema, das Millionen Deutsche in ihrem Alltag beschäftigt und das angesichts der Kriminalitätsstatistiken von höchster Relevanz ist – zum Stein des Anstoßes wurde, überrascht kaum. Es passt ins Bild einer Medienlandschaft, die sich lieber mit sich selbst beschäftigt als mit den realen Sorgen der Bürger. Die zunehmende Kriminalität, die Messerangriffe, die Unsicherheit auf unseren Straßen – all das sind keine Phantomdebatten rechter Kreise, sondern bittere Realität, die nach journalistischer Aufarbeitung verlangt.
Es bleibt zu hoffen, dass „Klar" trotz aller Widerstände seinen Weg findet. Denn eines hat der Skandal um Julia Ruhs mit aller Deutlichkeit gezeigt: Der Vorwurf der politischen Einseitigkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist nicht nur berechtigt – er wurde durch die Reaktionen auf die Sendung eindrucksvoll bestätigt.
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