
Capri greift durch: Bis zu 500 Euro Strafe für Touristenfänger auf offener Straße
Wer kennt es nicht? Kaum hat man den Fuß auf das Pflaster einer südeuropäischen Altstadt gesetzt, wird man auch schon von allen Seiten bedrängt. „Best pizza in town!", „Special price for you, my friend!" – das nervtötende Ritual des aufdringlichen Anwerbens gehört in vielen Mittelmeer-Destinationen zum traurigen Alltag. Doch damit soll nun zumindest auf einer der berühmtesten Inseln der Welt Schluss sein.
Die Perle des Golfs von Neapel zieht die Reißleine
Capri, jenes legendäre Felseneiland im Golf von Neapel, das seit Jahrhunderten Dichter, Kaiser und Jetset-Publikum gleichermaßen anzieht, hat eine sogenannte „Anti-Belästigungs-Verordnung" erlassen. Die Regelung ist so klar wie unmissverständlich: Gewerbetreibenden, Inhabern touristischer Agenturen und deren Mitarbeitern sei es fortan strikt untersagt, Kunden durch aufdringliche und hartnäckige Methoden auf öffentlichem Grund anzuwerben. Wer dagegen verstößt, dem drohen Geldstrafen zwischen 25 und 500 Euro.
Das klingt zunächst nach einer Petitesse. Doch wer die Zustände kennt, die sich in den engen Gassen des historischen Zentrums und im Hafengebiet abspielen, der weiß: Hier geht es um weit mehr als um ein paar lästige Flyer. Es geht um die Frage, ob ein Ort seinen Charakter bewahren kann – oder ob er endgültig zur bloßen Kulisse eines entfesselten Massentourismus verkommt.
13.000 Einwohner gegen Zehntausende Tagesgäste
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Auf Capri leben gerade einmal rund 13.000 Menschen. Im Sommer jedoch ergießen sich täglich Zehntausende Tagesgäste über die kleine Insel – ein Verhältnis, das jede Infrastruktur an ihre Grenzen bringt. Die Kommune verweist zur Begründung der neuen Verordnung auf die enormen Besucherströme, die sich durch das historische Zentrum und das Hafengebiet wälzen. Man wolle ein „gepflegtes Erscheinungsbild sowie einen reibungslosen Fußgänger- und Autoverkehr gewährleisten", heißt es offiziell.
Man darf durchaus die Frage stellen, ob solche Maßnahmen nicht längst überfällig waren. Denn das Problem ist keineswegs auf Capri beschränkt. In ganz Italien – von Venedig über Florenz bis zur Amalfiküste – kämpfen Kommunen mit den Auswüchsen eines Tourismus, der zunehmend außer Kontrolle gerät. Bereits im vergangenen Sommer hatte der kleine Gardasee-Ort Torri del Benaco eine ähnliche Regelung eingeführt und seinen Servicemitarbeitern verboten, Urlauber aktiv mit Flyern in Restaurants und Bars zu locken.
Ein Vorbild auch für deutsche Städte?
Was in Italien als notwendige Ordnungsmaßnahme gefeiert wird, sollte auch hierzulande zum Nachdenken anregen. Denn während Capri konsequent handelt und klare Regeln durchsetzt, tut man sich in Deutschland traditionell schwer damit, Ordnung und Anstand im öffentlichen Raum einzufordern. Ob es nun um aggressive Straßenwerbung, illegalen Straßenhandel oder die zunehmende Verwahrlosung öffentlicher Plätze geht – der deutsche Staat schaut allzu oft weg, statt durchzugreifen. Capri zeigt, dass es auch anders geht: mit klaren Regeln, konsequenter Durchsetzung und dem Mut, die Interessen der eigenen Bürger und ordentlichen Besucher über die Profitgier einzelner Geschäftemacher zu stellen.
Es bleibt abzuwarten, ob die neue Verordnung tatsächlich die erhoffte Wirkung entfaltet oder ob sie – wie so manche wohlklingende Regelung – am Ende nur auf dem Papier existiert. Eines jedoch steht fest: Der Wunsch nach Ordnung, Respekt und einem würdevollen Miteinander im öffentlichen Raum ist kein Luxusproblem verwöhnter Touristen. Er ist Ausdruck eines grundlegenden Bedürfnisses nach Zivilisation – eines Bedürfnisses, das man in Zeiten zunehmender Regellosigkeit nicht oft genug betonen kann.
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