
Carney knickt ein: Kanada distanziert sich von China nach Trumps Zoll-Drohung

Die Nervosität in Ottawa ist mit Händen zu greifen. Nachdem US-Präsident Donald Trump mit drakonischen Strafzöllen von 100 Prozent auf kanadische Exporte gedroht hatte, rudert Premierminister Mark Carney hastig zurück. Kanada habe "keine Absicht", ein Freihandelsabkommen mit China zu verfolgen, versicherte der kanadische Regierungschef am Sonntag vor der Presse. Ein bemerkenswerter Kotau vor dem mächtigen Nachbarn im Süden.
Trumps unmissverständliche Warnung
Die Botschaft aus Washington war unmissverständlich. "Wenn Gouverneur Carney glaubt, er könne Kanada zu einem 'Abladeplatz' für China machen, um Waren und Produkte in die Vereinigten Staaten zu schleusen, irrt er sich gewaltig", polterte Trump am Samstag auf Truth Social. Der amerikanische Präsident, der bekanntlich keine diplomatischen Samthandschuhe trägt, machte damit klar, dass er jede Annäherung Ottawas an Peking als direkte Bedrohung amerikanischer Interessen betrachtet.
Carney betonte daraufhin eilfertig, sein Land respektiere seine Verpflichtungen aus dem nordamerikanischen Handelsabkommen CUSMA und werde kein Freihandelsabkommen abschließen, ohne die anderen beiden Vertragsparteien zu informieren. Eine bemerkenswerte Kehrtwende für einen Politiker, der noch vor wenigen Tagen beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor "wirtschaftlicher Nötigung durch die Supermächte der Welt" gewarnt hatte.
Das heikle Vorspiel: Kanadas China-Deal
Der Hintergrund dieser diplomatischen Eskalation ist brisant. Am 16. Januar hatten Ottawa und Peking eine "vorläufige Vereinbarung" geschlossen, die gegenseitige Zollsenkungen vorsieht. Kanada wird demnach jährlich 49.000 chinesische Elektrofahrzeuge zu einem reduzierten Zollsatz von 6,1 Prozent ins Land lassen – nachdem die Zölle auf solche Fahrzeuge im Oktober 2024 in Abstimmung mit den USA auf 100 Prozent angehoben worden waren.
Im Gegenzug senkt Peking die Abgaben auf kanadische Agrarexporte. Besonders Rapsöl profitiert: Die Zölle sollen ab dem 1. März von derzeit 85 Prozent auf 15 Prozent fallen. Auch kanadisches Rapsschrot, Hummer, Krabben und Erbsen werden bis mindestens Ende 2026 von chinesischen Anti-Diskriminierungszöllen verschont.
Widersprüchliche Signale aus Washington
Pikant dabei: Trumps aktuelle Drohgebärden stehen in merkwürdigem Kontrast zu seinen früheren Äußerungen. Nach Bekanntwerden des Abkommens zwischen Ottawa und Peking hatte der US-Präsident noch wohlwollend kommentiert: "Das ist es, was er tun sollte. Es ist gut für ihn, ein Handelsabkommen zu unterzeichnen. Wenn man einen Deal mit China bekommen kann, sollte man das tun."
Finanzminister Scott Bessent schlug am Sonntag jedoch deutlich schärfere Töne an. Die USA könnten nicht zulassen, dass Kanada zu einer "Öffnung werde, durch die die Chinesen ihre billigen Waren in die USA schütten", erklärte er gegenüber ABC News.
Die Abhängigkeit des Nordens
Trumps Bemerkung am Rande des Weltwirtschaftsforums offenbart das fundamentale Machtgefälle zwischen beiden Ländern: "Kanada lebt wegen der Vereinigten Staaten. Denk daran, Mark, wenn du das nächste Mal deine Erklärungen abgibst." Eine Aussage, die in ihrer Direktheit kaum zu überbieten ist und die wirtschaftliche Realität Kanadas schonungslos auf den Punkt bringt.
Bereits im August 2025 hatte Trump die Zölle auf kanadische Waren von 25 auf 35 Prozent angehoben. Während die meisten kanadischen Exporte unter CUSMA zollfrei bleiben, unterliegen bestimmte Güter wie Stahl, Kupfer sowie einige Automobile und Autoteile bereits amerikanischen Zöllen.
Ein Lehrstück in Realpolitik
Carney versuchte am Sonntag, die Wogen zu glätten: "Was wir mit China getan haben, ist, einige Probleme zu beheben, die sich in den letzten Jahren entwickelt haben." Der Deal sei "vollständig mit CUSMA vereinbar". Doch diese Beteuerungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kanada in der geopolitischen Auseinandersetzung zwischen den USA und China nur begrenzten Spielraum hat.
Die Episode zeigt einmal mehr, wie die neue amerikanische Handelspolitik unter Trump die internationalen Beziehungen neu ordnet. Für kleinere Volkswirtschaften wie Kanada bedeutet dies eine schmerzhafte Lektion in Realpolitik: Wer zwischen den Fronten lavieren will, riskiert, von beiden Seiten zerrieben zu werden. Die Zeiten, in denen Ottawa eine eigenständige Außenhandelspolitik betreiben konnte, scheinen vorerst vorbei zu sein.
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