
Chinas Kohle-Paradoxon: 85 neue Kraftwerke und trotzdem sinkende Emissionen – ein Lehrstück für deutsche Ideologen

Während Deutschland seine Kohlekraftwerke mit milliardenschweren Entschädigungen stilllegt und sich in ideologischen Debatten über den Ausstieg aus fossilen Energieträgern verliert, geht die Volksrepublik China einen gänzlich anderen Weg. Das Reich der Mitte plant für 2026 sage und schreibe 85 neue Kohlekraftwerke ans Netz zu bringen – und senkt dabei paradoxerweise seine CO₂-Emissionen. Ein Befund, der die deutsche Klimapolitik in ihren Grundfesten erschüttern müsste.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Von den weltweit 104 neuen Kohlekraftwerken, die in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen sollen, entfallen nach einer Analyse von Global Energy Monitor stolze 82 Prozent auf China. Die Volksrepublik vereint damit 55 von insgesamt 63 Gigawatt neuer Kohlekraftkapazität auf sich. Was auf den ersten Blick wie ein klimapolitischer Offenbarungseid wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als durchdachte Strategie.
Denn parallel zu diesem massiven Kohleausbau treibt Peking den Ausbau erneuerbarer Energien in einem Tempo voran, das seinesgleichen sucht. Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres installierte das Land 240 Gigawatt Solarleistung und 61 Gigawatt Windkraft. Zum Vergleich: Deutschland diskutiert derweil über Bürgerbeteiligung bei Windrädern und kämpft mit endlosen Genehmigungsverfahren.
Kohle als strategische Reserve – nicht als Dauerlösung
Der entscheidende Unterschied zur deutschen Herangehensweise liegt in der pragmatischen Nutzung der Kohlekraftwerke. Nach Einschätzung von Analysten sollen diese in China künftig weniger als Dauerlösung dienen, sondern vor allem als flexible Reserve für Zeiten mit wenig Wind und Sonne. Eine Strategie, die offenbar aufgeht: Laut einer Analyse des Fachportals Carbon Brief stagnieren Chinas CO₂-Emissionen seit März 2024 oder sinken sogar leicht.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Der rasante Ausbau erneuerbarer Energien deckt den Großteil des steigenden Strombedarfs. Hinzu kommt die beispiellose Verbreitung von Elektroautos im Reich der Mitte sowie Rückgänge in der Stahl- und Zementindustrie infolge der schwächelnden Bauwirtschaft.
Deutsche Experten uneins über die Lehren aus China
Der renommierte Ökonom Hans-Werner Sinn bezeichnete die deutsche Energiewende bereits als „sinnlos", solange auf grundlastfähige fossile Kraftwerke verzichtet werde. Auch der Energieökonom Manuel Frondel vom RWI Essen warnte, dass ein schneller Ausstieg aus Kohle und Kernkraft die Versorgung verteuere und Risiken erhöhe. Kritiker der hiesigen Energiepolitik sehen sich durch Chinas Strategie in ihrer Skepsis bestätigt.
Die Realität zeigt: Pragmatismus schlägt Ideologie. Während Deutschland seine Versorgungssicherheit auf dem Altar der Klimapolitik opfert, beweist China, dass beides vereinbar ist.
Was Deutschland von China lernen könnte – aber wohl nicht wird
Der größte CO₂-Emittent der Welt demonstriert eindrucksvoll, dass ein weiterer Ausbau fossiler Kraftwerke nicht zwangsläufig zu steigenden Emissionen führen muss. Entscheidend ist das Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien – und ob gleichzeitig ausreichend Speicher und Reserven für Zeiten ohne Wind und Sonne geschaffen werden.
Doch statt von diesem pragmatischen Ansatz zu lernen, verharrt die deutsche Politik in ideologischen Grabenkämpfen. Man zahlt lieber Milliarden an Entschädigungen für stillgelegte Kraftwerke und riskiert die Versorgungssicherheit, als einen nüchternen Blick auf funktionierende Alternativen zu werfen. Die Zeche zahlt am Ende der deutsche Bürger – mit explodierenden Strompreisen und einer zunehmend fragilen Energieversorgung.
China zeigt der Welt, dass Klimaschutz und Versorgungssicherheit keine Gegensätze sein müssen. Ob die deutsche Politik diese Lektion jemals verstehen wird, bleibt mehr als fraglich.
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