
Crash-Prophet Dent verkauft sein Haus: Kommt jetzt der Immobilien-Kollaps?

Harry Dent, einer der bekanntesten Untergangspropheten der Wall Street, macht diesmal selbst ernst: Er verkauft sein eigenes Wohnhaus. In einem am 21. Oktober veröffentlichten Interview warnt der US-Ökonom, Immobilienpreise könnten sich über Jahrzehnte nicht erholen. Gold besitzt er nach eigener Aussage keines. Der Grund dafür ist mindestens so kontrovers wie seine Prognosen.
„Die größte Blase der Geschichte“
Dent wurde 1993 mit seinem Buch „The Great Boom Ahead“ berühmt. Seit dem Tief vom März 2009 sieht er Aktien, Immobilien, Gold und Silber in einer gemeinsamen Mega-Blase. Ihr Platzen stehe kurz bevor. Die Märkte stiegen zwar noch, verlören aber an Schwung, sagte er. Für ihn sieht das nach einem Gipfel aus.
Sein Rat zum Thema Eigenheim klingt zunächst paradox. Man solle die Immobilie verkaufen, in der das meiste Eigenkapital steckt, also oft das abbezahlte Haus. Bei einem hoch beliehenen Objekt trage im Crash vor allem die Bank den Verlust. Ganz so einfach ist das aber nicht: Wer seinen Kredit platzen lässt, ruiniert seine Bonität. In einigen US-Bundesstaaten dürfen Banken außerdem die Restschuld eintreiben.
Der US-Häusermarkt sendet SOS
Die Daten geben Dent zumindest teilweise recht. Laut dem Maklerverband NAR brachen die Kaufverträge für Bestandsimmobilien im September um 7,3 Prozent ein. Das ist der tiefste Stand seit Beginn der Erhebung 2001. Ökonomen hatten nur ein Minus von 0,5 Prozent erwartet. Beim Portal Redfin platzten 14,5 Prozent aller Deals, außerhalb der Pandemie ein Rekord.
Die Preise halten sich allerdings noch. Sie liegen 1,3 Prozent über dem Vorjahr. Nach Schätzung von Goldman Sachs zahlen über 95 Prozent der Hausbesitzer mit Hypothek weniger Zinsen als derzeit am Markt üblich. Der 30-jährige Hypothekenzins lag Mitte Oktober laut Freddie Mac bei 7,40 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch 6,27 Prozent.
Die Demografie als Zeitbombe
Dent glaubt, die alten Höchststände würden erst in 20 bis 50 Jahren wieder erreicht. Seine Begründung: Die geburtenstarke Babyboomer-Generation stirbt, und die Jüngeren sind zu wenige, um all die Häuser zu kaufen. Besonders hart treffe es große Häuser in den Vorstädten. Auch für Deutschland ist dieses Szenario bedenkenswert. Hier altert die Gesellschaft mindestens so schnell, und die Politik bürdet Eigentümern mit Heizungs- und Sanierungsvorgaben immer neue Lasten auf.
Gold in der Blase? Ein Blick auf Dents Bilanz
Am meisten Widerspruch erntet Dents Goldprognose. Das Metall müsse um 60 bis 70 Prozent fallen, behauptet er. Zuletzt stand die Unze bei rund 4.150 Dollar, etwa 26 Prozent unter dem Rekord von rund 5.590 Dollar aus dem Januar. Chinas Zentralbank kaufte allein im September offiziellen Daten zufolge rund 740.000 Unzen. Das war der größte Monatszukauf seit etwa drei Jahren. Die Notenbanken der Welt stimmen also mit den Füßen ab, und zwar gegen Dent.
Ein Blick auf seine Bilanz lohnt sich. Kritiker in US-Fachmedien erinnern daran, dass Dent 1999 die „Roaring 2000s“ ausrief, kurz bevor die Dotcom-Blase platzte. Ausgerechnet am Tiefpunkt 2009 sagte er eine „Große Depression“ voraus. 2016 kündigte er das „große Platzen der Blase 2017“ an. Einen Goldcrash prophezeit er Berichten zufolge seit über einem Jahrzehnt. Stattdessen stieg das Metall in dieser Zeit von rund 1.600 auf über 5.500 Dollar.
Bemerkenswert ist: Selbst Dent erwartet nach dem Crash „die größte Rallye in der Geschichte“ des Goldes. Sie soll irgendwann zwischen 2028 und 2070 kommen und vor allem von der Nachfrage aus Indien getrieben sein.
Staatsanleihen als „sicherer Hafen“?
Bei Aktien rechnet Dent im ersten Schritt mit einem Minus von 54 Prozent für den S&P 500 und 66 Prozent für den Nasdaq. Er selbst will mit einem dreifach gehebelten Short-Fonds auf fallende Kurse setzen. Solche Produkte können laut ihrem Anbieter auch bei fallenden Märkten auf Dauer Geld verlieren. Als einzigen sicheren Hafen sieht Dent langlaufende US-Staatsanleihen. Sie könnten nicht ausfallen, weil der Staat das Geld zur Not drucken könne.
Genau dieses Argument dürfte viele Sparer beunruhigen. Wenn ein Staat die Notenpresse anwirft, um seine Schulden zu bedienen, bezahlen das die Bürger mit Kaufkraft. Physisches Gold dagegen ist kein Zahlungsversprechen eines Staates. Darum sehen viele Anleger in Gold eine sinnvolle Beimischung, wenn sie ihr Vermögen breit streuen und gegen Krisen absichern wollen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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