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Dammbruch in Paris: Selbst Macron-Wähler laufen zu Le Pen über!

Dammbruch in Paris: Selbst Macron-Wähler laufen zu Le Pen über!
Symbolbild: KI-generiert

Frankreichs politische Statik gerät ins Rutschen. Wie mehrere aktuelle Umfragen zeigen, erwägen bis zu 19 Prozent der Bürger, die 2022 Emmanuel Macron gewählt hatten, bei der Präsidentschaftswahl im April 2027 für Marine Le Pen zu stimmen. Meinungsforscher sprechen von einer Entwicklung, die vor wenigen Jahren niemand für möglich gehalten hätte.

Drei Institute, ein Befund

Den höchsten Wert misst das Institut Ifop im Auftrag der Zeitung Le Figaro. Die Konkurrenz kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Toluna Harris hält einen Wechsel von 12 bis 15 Prozent der Macron-Wähler zur Kandidatin des Rassemblement National (RN) für möglich. Bei Ipsos BVA sind es 11 bis 14 Prozent.

Ein Ausreißer ist das also nicht. Rechnet man die Werte auf das Ergebnis von 2022 um, als Macron im ersten Wahlgang 27,8 Prozent holte, könnten vier bis fünf Prozentpunkte zu Le Pen wandern. Sie liegt in aktuellen Umfragen ohnehin schon bei 32 bis 35 Prozent.

„Höchst antagonistisch“: Wer wechselt hier eigentlich?

Ifop-Meinungsforschungschef Frédéric Dabi ordnet die Zahlen ein. Beide Wählerlager seien „per Definition höchst antagonistisch“ gewesen, betonte er. Eigentlich sei ein Wechsel von Macron zu Le Pen „eine völlig unwahrscheinliche Kombination“. Die Grenzen zwischen links und rechts seien inzwischen „fließend“ geworden.

Die Wucht dieser Aussage erschließt sich erst mit Blick zurück. 2017 und 2022 trafen Macron und Le Pen jeweils in der Stichwahl aufeinander. Beide Male gewann der Amtsinhaber deutlich, 2022 mit rund 58,5 zu 41,5 Prozent. Getragen wurde er dabei auch von der sogenannten „republikanischen Front“, einem breiten Bündnis gegen den RN. Ausgerechnet aus Macrons eigenem Lager bröckelt dieses Bollwerk jetzt.

Das Erbe eines erschöpften Präsidenten

Woher kommt der Stimmungsumschwung? Macron darf 2027 nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren, sein Lager hat kein klares Zugpferd. Dazu kommt eine Bilanz, die viele Franzosen offenbar ernüchtert: Premierminister wurden zuletzt in schneller Folge verschlissen, der Schuldenberg liegt bei mehr als 110 Prozent der Wirtschaftsleistung, und in Paris herrscht seit Jahren politische Lähmung.

Der Wähler der Mitte, einst Macrons treueste Klientel, scheint nicht mehr an das Versprechen der Erneuerung zu glauben. Das ist eine bittere Pointe für einen Präsidenten, der 2017 angetreten war, um genau diese Mitte gegen die Ränder zu einen.

Le Pen trotz Urteil im Rennen

Dass Le Pen überhaupt antreten kann, war lange offen. Im März 2025 hatte ein Pariser Gericht sie wegen Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt und ihr mit sofortiger Wirkung für fünf Jahre das passive Wahlrecht entzogen. Im Juli 2026 bestätigte das Berufungsgericht zwar den Schuldspruch, verkürzte die Sperre aber so, dass sie bis zur Wahl abgegolten ist.

Le Pen muss demnach ein Jahr lang eine elektronische Fußfessel tragen und 100.000 Euro Strafe zahlen. Sie weist die Vorwürfe zurück und hat ihre Kandidatur bestätigt. Nach einer Ifop-Umfrage vom Juli würde sie die Stichwahl gegen jeden denkbaren Gegner gewinnen.

Ein Signal, das auch Berlin hören sollte

Ob die Wanderbewegung am Ende wahlentscheidend wird, ist offen. Umfragen sind keine Stimmzettel, und bis April kann viel passieren. Eines zeigen die Zahlen aber schon jetzt: Brandmauern und Abgrenzungsrituale verlieren ihre Wirkung, wenn Regierungen die Alltagssorgen ihrer Bürger dauerhaft ignorieren.

In Deutschland sollte man diese Entwicklung genau verfolgen. Auch hier ist die Unzufriedenheit mit der Regierung groß, auch hier werden die Wählermilieus beweglicher. Wer glaubt, die Wähler der Mitte blieben ihren Parteien auf ewig treu, wird womöglich ebenso überrascht wie nun Macrons Lager in Paris.

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