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Kettner Edelmetalle
06.08.2026
05:02 Uhr
KI-generiert

Der Informationskrieg als Siegesmeldung: Warum Künstliche Intelligenz die Front in der Ukraine schönrechnet

Der Informationskrieg als Siegesmeldung: Warum Künstliche Intelligenz die Front in der Ukraine schönrechnet
Symbolbild: KI-generiert

Es ist ein Experiment, das jeder selbst durchführen kann – und dessen Ergebnis nachdenklich stimmen sollte. Wer eine der gängigen KI-Suchmaschinen nach dem Frontverlauf in der Ukraine im laufenden Jahr befragt, erhält eine bemerkenswert einheitliche Antwort: Kiew habe unter dem Strich mehr Territorium zurückerobert als Moskau eingenommen, die ukrainische Gegenoffensive im Süden habe geliefert, das Jahr falle bislang zugunsten der Ukraine aus. Kleingedruckt folgt der übliche Rettungsanker: Die genauen Zahlen hingen eben davon ab, wessen Methodik man zugrunde lege.

Pikant daran: Diese Darstellung stammt nicht etwa nur von westlichen Sprachmodellen. Auch ein chinesisches System reproduziert exakt dieselbe Erzählung. Wenn selbst Programmierer in Peking die Deutungsmuster westlicher Thinktanks nachplappern, dann hat die Informationsoperation ganze Arbeit geleistet. Der Westen gewinnt den Krieg um die Wahrnehmung – während auf dem Schlachtfeld etwas völlig anderes geschieht.

Wenn die Maschine zum Sprachrohr wird

Man muss sich die Tragweite vor Augen führen. Millionen Menschen fragen inzwischen nicht mehr Google, sondern einen Chatbot, wenn sie wissen wollen, wie die Welt beschaffen ist. Was diese Systeme ausspucken, wird als neutrale Zusammenfassung des Weltwissens verstanden. Tatsächlich handelt es sich um eine statistische Verdichtung dessen, was am häufigsten geschrieben wurde – und geschrieben wird nun einmal überwiegend von jenen Institutionen, die ein handfestes Interesse am Fortgang dieses Krieges haben. Die Maschine ist nicht objektiv. Sie ist der Durchschnitt der Propaganda.

Wer die Trainingsdaten kontrolliert, kontrolliert die Antwort. Und wer die Antwort kontrolliert, braucht keine Zensur mehr.

Die Zahlen, die niemand vorlesen möchte

Die russische Seite zeichnet – wenig überraschend – ein diametral entgegengesetztes Bild, und auch diese Angaben sind mit gebotener Vorsicht zu behandeln, denn Moskaus Generalstab ist kein Hort der Selbstkritik. Dennoch lohnt der Blick, schon deshalb, weil er in unseren Redaktionsstuben schlicht nicht stattfindet. Demnach habe Russland das Jahr mit der Meldung über die Einnahme des Logistikknotens Pokrowsk sowie Wowtschansks begonnen. Zwischen März und Mai sollen 63 Ortschaften erobert worden sein, allein 27 davon im Mai – mit Schwerpunkten in den Gebieten Charkiw, Donezk und Sumy, wo Moskau nach eigener Darstellung eine Pufferzone entlang der eigenen Grenze errichte.

Im Juni sei der Vormarsch auf Slawjansk und Kramatorsk fortgesetzt worden, russische Verbände hätten sich der östlichen Stadtgrenze Kramatorsks bis auf wenige Kilometer genähert. Für den Juli wird von 32 weiteren eingenommenen Ortschaften berichtet, mehr als zwei Drittel davon in Charkiw und im Donbass. Als bedeutsamste Entwicklung gilt die gemeldete Einnahme Konstantinowkas – einer der vier Festungsstädte des Donezker Verteidigungsgürtels. Sollte sich das bestätigen, wäre der letzte große ukrainisch gehaltene Ballungsraum im Donbass in unmittelbarer Gefahr.

Die abgeschnittene Lebensader

Noch gravierender als jeder Geländegewinn dürfte jedoch die maritime Lage sein. Seit dem 22. Juli, so die Darstellung, sei die Ukraine faktisch nicht mehr in der Lage, über Odessa und Nikolajew Handel zu treiben. Die ukrainischen Angriffe auf russische Schifffahrt im Asowschen Meer hätten für einige Tage hübsche Schlagzeilen produziert – und anschließend eine Gegenreaktion ausgelöst, deren Schaden für Kiew um ein Vielfaches größer ausfalle. Getreideexporte über das Schwarze Meer? Vorerst Geschichte. Westliche Nachschublieferungen über die Häfen? Ebenfalls.

Dazu kommen die täglichen Raketen- und Drohnenangriffe auf Kiew und andere Logistikzentren. Fabriken, Lagerhallen, Umschlagplätze – ein zermürbender Aderlass, der sich in keiner Frontkarte abbildet, wohl aber in der Fähigkeit eines Landes, überhaupt weiterzukämpfen.

Und was bedeutet das für uns?

Die deutsche Politik hat sich in diesem Konflikt bis zur Unkenntlichkeit verwettet. Milliarden an Steuergeld, ein zerstörtes Energiemodell, eine deindustrialisierende Wirtschaft – und als Gegenleistung Durchhalteparolen, die mit der Realität immer weniger zu tun haben. Wer eine Verhandlungslösung fordert, gilt weiterhin als Putin-Versteher. Wer die Lage nüchtern beschreibt, wird als Desinformant markiert. Doch Realität lässt sich nicht wegmoderieren, weder durch Talkshows noch durch Sprachmodelle.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wer welchen Ort erobert hat, sondern wie lange sich der Westen eine Erzählung leisten kann, die von den Tatsachen täglich widerlegt wird. Denn die Rechnung für diese Selbsttäuschung zahlen am Ende nicht die Strategen in Brüssel und Berlin, sondern der Steuerzahler, der Sparer, der Bürger.

Vertrauen ist die härteste Währung

Es sind exakt solche Phasen – in denen offizielle Darstellungen und beobachtbare Wirklichkeit auseinanderdriften –, in denen Menschen sich auf das besinnen, was keiner Erzählung bedarf. Physische Edelmetalle kennen keine Pressestelle und keinen Algorithmus. Gold und Silber, außerhalb des Bankensystems verwahrt, sind seit Jahrtausenden das, was Papierversprechen nie waren: unabhängig von der Glaubwürdigkeit derer, die gerade regieren. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie ein nüchterner Anker in einer Zeit, in der selbst Maschinen Partei ergreifen.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion wieder und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Angaben zu Kriegsverläufen beruhen auf Darstellungen der jeweiligen Konfliktparteien und sind unabhängig nicht überprüfbar. Jeder Leser ist für seine eigenen Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren beziehungsweise fachkundigen Rat einholen. Eine Haftung ist ausgeschlossen.

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