
Der nächste Rohstoff-Superzyklus hat längst begonnen – und Deutschland verschläft ihn

Während in Berlin noch über Lastenfahrräder und gendergerechte Stellenausschreibungen debattiert wird, bereitet sich die Weltwirtschaft auf eine tektonische Verschiebung vor. Ein neuer Rohstoff-Superzyklus rollt heran – und er könnte gewaltiger ausfallen als alles, was wir in den vergangenen Jahrzehnten gesehen haben. Wer jetzt nicht aufmerksam zuhört, wird in einigen Jahren ratlos vor leeren Depots stehen.
Das ewige Pendel zwischen Technologie und Energie
Die globalen Märkte rotieren, so die These des Analysten Chris Macintosh, zwischen zwei großen Sektoren: Technologie und Energie. Eine simple, aber bestechende Logik steckt dahinter. Man brauche das Licht – und man brauche die Energie, um es zum Leuchten zu bringen. Ohne Strom keine Innovation, ohne Innovation kein Fortschritt. Und genau zwischen diesen beiden Polen schwinge das Pendel der Kapitalströme unaufhörlich hin und her.
Ein Blick zurück lohne sich: Auf dem Höhepunkt des Energiebooms 2013 und 2014 habe man Microsoft-Aktien praktisch verschenken müssen. Energie konnte nichts falsch machen – just das war der Moment, um Tech zu kaufen. Was dann geschah, dürfte vielen Anlegern noch in lebhafter Erinnerung sein: Der Technologiesektor explodierte von 2014 bis etwa 2022 förmlich, während Energiewerte am Boden lagen und für tot erklärt wurden.
Die letzten Investoren in einem Sektor verlieren regelmäßig ihr Hemd – und kehren dann jahrelang nicht zurück.
Die Geschichte wiederholt sich
Erinnern wir uns an das Jahr 2001: Der NASDAQ brach um sagenhafte 75 Prozent ein. Genau dieser Absturz entfesselte einen Rohstoff-Superzyklus, der bis 2014 anhielt. Als der NASDAQ schließlich sein altes Hoch zurückeroberte, kippte der Ölpreis fast auf den Tag genau – der Zyklus setzte sich zurück. Historisch betrachtet steige Öl in solchen Phasen im Schnitt um das Siebenfache, während der NASDAQ um 50 bis 75 Prozent abgewertet werde. Beide Szenarien hält Macintosh derzeit für durchaus wahrscheinlich.
China bewaffnet das Periodensystem
Doch dieser Zyklus, so die Warnung, sei größer und strukturell bedeutsamer als alles Vorherige. Der Grund liege im Geopolitischen – und im Elementaren. China habe das Periodensystem gewissermaßen zur Waffe gemacht. Die beiden größten Mächte der Welt hätten die materielle Welt unter sich aufgeteilt.
China dominiere die Metalle, die Seltenen Erden, die kritischen Mineralien – ein „Elektronen-Staat", wenn man so will. Die USA wiederum beherrschten die organische Chemie: Kohlenwasserstoffe, Nahrung, Treibstoffe – ein „Molekül-Staat". Als China im vergangenen Oktober den Export kritischer Mineralien und Seltenerd-Magnete beschränkte, offenbarte sich schlagartig, wie zerbrechlich die westlichen Lieferketten in Wahrheit sind.
Ein Magnet möge nur einen verschwindend kleinen Bruchteil des Bruttoinlandsprodukts ausmachen – entferne man ihn jedoch, stehe eine ganze Industrie still. Dieselbe Logik gelte für Öl. Man könne es als kleinen Anteil der Wirtschaft abtun, doch ziehe man es heraus, komme alles zum Erliegen. Und genau hier sollte den Verantwortlichen in Berlin ein kalter Schauer über den Rücken laufen: Während Deutschland aus Ideologie heraus seine Kernkraftwerke abschaltete und sich von russischem Gas abkoppelte, ohne tragfähige Alternativen zu schaffen, geraten wir in eine geradezu fatale Abhängigkeit. Eine Politik gegen das eigene Land, wie ein Großteil der deutschen Bürger längst zu Recht beklagt.
Das Ende der Bretton-Woods-Ordnung
Noch tiefgreifender ist der Bruch der globalen Sicherheitsarchitektur. Die 1944 in Bretton Woods geschaffene Weltordnung beruhte auf einem einfachen Handel: Amerika schützte mit seiner gewaltigen Marine die globalen Handelswege – im Gegenzug handelte die Welt in US-Dollar. Die wichtigste Ware in diesen Seewegen war damals wie heute das Öl.
Drei Entwicklungen hätten dieses Modell nun zertrümmert: Die amerikanische Schieferöl-Revolution machte die USA energieunabhängig und nahm ihnen den Anreiz, fremde Lieferwege zu sichern. Die gestiegenen Zinsen entlarvten die fiskalische Unmöglichkeit, diese Rolle weiter zu finanzieren – Sozialausgaben und Zinslasten fressen das US-Budget auf. Und China stütze aktiv seine Verbündeten Russland und Iran, was jede amerikanische Durchsetzung erschwere.
Wenn die USA ein Schiff mit chilenischem Kupfer von Santiago nach Schanghai schützen, bezahlen sie die Sicherheitsrechnung ihres größten strategischen Rivalen.
Eine Welt der harten Werte kehrt zurück
Die Welt, so die Prognose, könnte in einen Zustand zurückfallen, der an die Ära der Niederländischen Ostindien-Kompanie erinnert: staatlich gestützte souveräne Akteure mit eigenen Sicherheitsarrangements, die in Gold, Silber und harten Sachwerten handeln. Konzerne wie Apple oder Exxon begännen, eher wie souveräne Staaten denn wie gewöhnliche Unternehmen zu wirken.
Und genau hier liegt die entscheidende Lehre für den vorausschauenden Anleger. In einer Welt, in der Schulden ausufern, Notenpressen heißlaufen und geopolitische Konflikte eskalieren, gewinnen jene Vermögenswerte an Bedeutung, die seit Jahrtausenden ihren Wert bewahren. Gold und Silber sind keine Relikte vergangener Zeiten – sie sind der zeitlose Anker in einem Meer aus Papierversprechen. Wer sein Vermögen breit streut und physische Edelmetalle als solides Fundament beimischt, sichert sich gegen die Stürme ab, die unweigerlich aufziehen.
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