
Der Stern verglüht: Mercedes bricht im Kerngeschäft um 66 Prozent ein – und feiert sich für ein Quartalsplus

Es gibt Zahlenwerke, die einen Konzern erklären. Und es gibt Zahlenwerke, die ihn entlarven. Was Mercedes-Benz aus Stuttgart präsentiert hat, gehört zweifellos in die zweite Kategorie. Denn während die Kommunikationsabteilung stolz das erste Quartalsgewinnplus seit drei Jahren in die Welt hinausposaunt, verrät ein Blick zwei Zeilen tiefer die eigentliche Wahrheit: Im Pkw-Geschäft, dem Herzstück des Unternehmens, ist der Halbjahresgewinn um 66 Prozent eingebrochen. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 sind es sogar 84 Prozent. Das ist kein Dämpfer mehr. Das ist ein Absturz.
Die Rechenkunst der Konzernkommunikation
Rein formal stimmt die frohe Botschaft: Von April bis Juni kletterte das Konzernergebnis um 13,5 Prozent auf rund 1,09 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 21,5 Prozent auf etwa 1,55 Milliarden Euro zu. Nur – der Umsatz schrumpfte im selben Zeitraum um 3,3 Prozent auf gut 32 Milliarden Euro, im Halbjahr sogar um 4,1 Prozent auf 63,7 Milliarden Euro. Und die Prognose für das Gesamtjahr? Wurde kassiert. Statt eines Umsatzes auf Vorjahresniveau erwartet man nun einen Rückgang. Auch beim Absatz rudert der Konzern zurück.
Besonders bitter liest sich die Marge. Vier Prozent im Pkw-Geschäft. Vor einem Jahr waren es 6,2 Prozent, im ersten Halbjahr 2024 noch stolze 9,6 Prozent. Ein Premiumhersteller, der bei der Rentabilität in Richtung Discounter-Niveau marschiert – das ist der eigentliche Skandal hinter den Schlagzeilen.
China zieht den Stecker
Der größte Brandherd liegt fernab von Stuttgart. In China brach der Pkw-Absatz im zweiten Quartal um 30 Prozent ein. Jahrzehntelang war das Reich der Mitte die Goldader der deutschen Automobilindustrie, der verlässliche Wachstumsmotor, mit dem sich jede hausgemachte Schwäche in Europa kaschieren ließ. Diese Zeiten sind vorbei. Die chinesischen Hersteller bauen inzwischen selbst – schneller, billiger und in der Software oft besser. Und Peking hat längst begriffen, dass es die deutsche Industrie auch als politisches Faustpfand einsetzen kann.
Wer sich über Jahrzehnte von einem einzigen Markt abhängig macht, darf sich nicht wundern, wenn dieser Markt irgendwann die Bedingungen diktiert.
Ein Finanzchef, der die Wahrheit ausspricht
Immerhin: Finanzchef Jürgen Rittersberger verzichtete auf Schönfärberei. Die eingeleiteten Sparmaßnahmen wirkten zwar, reichten aber bei weitem nicht aus, ließ er wissen. Mercedes müsse wettbewerbsfähiger und effizienter werden, an den Kostenstrukturen arbeiten und schneller entscheiden. Man darf ergänzen: Ein erheblicher Teil dieser Kostenstrukturen wird nicht in Stuttgart festgelegt, sondern in Berlin und Brüssel. Energiepreise auf Weltrekordniveau, eine Bürokratielawine aus Lieferkettengesetzen und Berichtspflichten, dazu ein politisch verordneter Umbau der gesamten Antriebstechnologie – das alles kostet Milliarden, die dann bei Forschung und Entwicklung fehlen.
Die ganze Branche taumelt
Mercedes steht nicht allein da. Volkswagen hat seine Umsatzprognose bereits gesenkt, Audi zog nach, BMW warnte im Juni vor einem geringeren Konzerngewinn und einer schwächeren Marge. Porsche kürzt das Weihnachtsgeld und weitet den Stellenabbau aus. Das ist kein Zufall und kein Zyklus. Das ist das Ergebnis einer Industriepolitik, die den Verbrennungsmotor per Dekret abgeschafft hat, bevor eine funktionierende Alternative samt Infrastruktur, bezahlbarem Strom und gesicherter Rohstoffversorgung existierte.
Die Hoffnung heißt Elektro – wirklich?
Immerhin ein Lichtblick, den der Konzern gerne betont: Der erwartete E-Auto-Anteil am Gesamtabsatz wurde von 23 auf 25 Prozent angehoben. Im zweiten Quartal wurden 52.852 Elektrofahrzeuge verkauft, ein Plus von 51 Prozent. In Europa legten die Verkäufe sogar um 87 Prozent zu. Doch die kritische Frage bleibt: Wächst hier ein Markt aus freier Kundenentscheidung – oder aus Flottengrenzwerten, Verbotsdrohungen und Förderkulissen? Wenn der Absatz steigt, die Marge aber gleichzeitig auf vier Prozent kollabiert, dann verkauft man offenbar Autos, an denen kaum noch etwas verdient wird. Erfolg sieht anders aus.
Erfreulicher entwickelte sich das Van-Geschäft mit rund 94.000 Fahrzeugen, gut fünf Prozent mehr Umsatz und knapp drei Prozent mehr operativem Gewinn. Ein solides Segment – aber eben keines, das einen Weltkonzern trägt.
Was das für Sparer und Anleger bedeutet
Die deutsche Automobilindustrie war über Generationen das Rückgrat des Wohlstands dieses Landes. Wenn dieses Rückgrat bricht, trifft es nicht nur Aktionäre, sondern Zulieferer, Facharbeiter, Kommunen und am Ende die Steuerkasse. Wer sein Vermögen ausschließlich an die Konjunktur einer einzelnen Exportnation und deren politisch gesteuerte Leitbranche knüpft, geht ein Klumpenrisiko ein, das in Quartalsberichten wie diesem sichtbar wird. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen weder Absatzeinbrüche in China noch Margendruck noch Prognosekorrekturen. Sie sind kein Versprechen auf künftige Gewinne, sondern realer Wert in der Hand – eine sinnvolle Beimischung in jedem breit gestreuten Vermögensportfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und erfolgt in alleiniger Verantwortung des Anlegers. Für Vermögensschäden wird keine Haftung übernommen.

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