
Die Kettensäge zeigt Wirkung: Warum der IWF plötzlich Argentiniens Sparkurs feiert – und Berlin wegschaut

Es gehört zu den bemerkenswerteren Wendungen der jüngeren Wirtschaftsgeschichte: Jener Internationale Währungsfonds, der Argentinien über Jahrzehnte mit Kredittranchen am Leben hielt, lobt nun ausgerechnet den Mann, den westliche Leitmedien als wirtschaftspolitischen Hasardeur abstempelten. IWF-Chefin Kristalina Georgieva stand am 27. Juli in Buenos Aires neben Wirtschaftsminister Luis Caputo und erklärte, die Lage Argentiniens sei seit dem Amtsantritt Javier Mileis im Jahr 2023 nach allen Kennzahlen deutlich solider. Man lasse sich diesen Satz auf der Zunge zergehen.
Ein Haushaltsüberschuss nach 14 Jahren – und niemand in Berlin nimmt Notizen
Georgieva führte die Verbesserung auf die harte Arbeit der Regierung und die Opfer der argentinischen Bevölkerung zurück. Sie verwies auf sinkende Inflation, auf einen Haushaltsüberschuss und auf eine bessere Kreditwürdigkeit des Landes. Milei hatte nach seinem Amtsantritt radikal gekürzt: Staatsausgaben, Subventionen, Behördenapparat. Das Ergebnis war ein Haushaltsüberschuss – der erste seit vierzehn Jahren.
Man vergleiche das mit der Bundesrepublik. Hier plant eine Große Koalition unter Friedrich Merz und Lars Klingbeil ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, verankert Klimaneutralität im Grundgesetz und nennt das dann Zukunftsinvestition. Ein Kanzler, der im Wahlkampf versprach, keine neuen Schulden aufzunehmen, hat den Schuldenhebel im Rekordtempo umgelegt. Während in Südamerika die Motorsäge an den Staatsapparat gelegt wird, wird in Deutschland der Apparat gefüttert – und die Rechnung kommenden Generationen präsentiert.
Erhebliche Fortschritte bei der makroökonomischen und finanziellen Stabilität – so beschrieb Georgieva das Ergebnis eines Kurses, den man in europäischen Redaktionsstuben noch vor zwei Jahren als soziale Katastrophe verdammte.
Die Zahlen bleiben ambivalent – und genau das gehört gesagt
Es wäre unseriös, den argentinischen Weg zum Wunder zu verklären. Die Inflation liegt im Jahresvergleich immer noch bei 33,5 Prozent. Die Wirtschaft wuchs zuletzt lediglich um 0,2 Prozent, während der IWF für 2026 ein Plus von 3,5 Prozent erwartet. Der private Konsum bleibt schwach. Besonders alarmierend: Der Anteil notleidender Kredite privater Haushalte hat sich binnen eines Jahres auf 12,8 Prozent verdreifacht – der höchste Wert seit zwanzig Jahren. Georgieva mahnte dementsprechend, das Land müsse mehr reguläre Arbeitsplätze schaffen und den Konsum stärken. Profitiert hätten bislang vor allem Öl- und Gasindustrie, Bergbau und Landwirtschaft. Reale Wertschöpfung also, keine Förderprogramm-Fantasien.
Der größte Schuldner des Fonds bleibt ein Schuldner
2025 vereinbarte Buenos Aires mit dem IWF ein vierjähriges Kreditprogramm über 20 Milliarden Dollar, im Mai floss eine weitere Tranche von einer Milliarde. Argentinien ist nach wie wie vor der größte Schuldner des Fonds. Caputo nennt das Verhältnis ausgezeichnet, Georgieva habe Milei überschwänglich gratuliert. Vor dem Wirtschaftsministerium protestierten dennoch Dutzende Menschen. Wer Jahrzehnte staatlicher Alimentierung abbaut, macht sich nicht beliebt – das gilt in Buenos Aires wie überall.
Die eigentliche Lehre für den deutschen Bürger
Argentinien ist das Lehrbuchbeispiel dafür, was Papiergeld wert ist, wenn Regierungen die Notenpresse zum Haushaltsinstrument machen: nämlich nichts. Generationen von Argentiniern haben ihr Vermögen in Inflationswellen verdampfen sehen – und gelernt, Werte zu halten, die kein Politiker drucken kann. Wenn hierzulande der Arbeitgeberpräsident bereits vor einem verlorenen Jahrzehnt warnt und gleichzeitig Hunderte Milliarden auf Kredit verteilt werden, dann sollte jeder Sparer die Frage stellen, was seine Ersparnisse in zehn Jahren noch kaufen. Physisches Gold und Silber sind seit Jahrtausenden der Anker, wenn Regierungen ihre Währung als Verfügungsmasse betrachten. Eine sinnvolle Beimischung in jedem breit gestreuten Vermögen – gerade in Zeiten, in denen politische Versprechen kürzer halten als eine Legislaturperiode.
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