
Diesel-Deal mit Putin: Selenskyj wirft Trump Verrat vor – zu Recht?

Der Bruch zwischen Kiew und Washington ist nicht mehr zu übersehen. Wolodymyr Selenskyj sagt, er fühle sich von Donald Trump „verraten“. Auslöser ist ein Abkommen der USA mit Russland, das Sanktionen gegen russische Dieselexporte nach Amerika aufheben soll. Ausbaden müssen den Streit womöglich die Menschen in der Ukraine, und zwar in einem Winter ohne Strom und Heizung.
Ein TV-Auftritt als Kampfansage
Mitte Oktober sprach Selenskyj mit dem britischen Moderator Piers Morgan. Sein Land „verliere einen starken Partner“, sagte er dort, aber „nicht wegen uns“. Die Schuld an der schwersten Krise seit dem Eklat im Oval Office im Februar 2025 sieht er damit allein bei Trump.
Im Gespräch mit der Financial Times legte er nach. Trump habe sich auf die „falsche Seite der Geschichte“ gestellt. Verantwortlich seien Berater, die falschlägen, und Trumps Bewunderung für Putin als „starken Anführer“. Trump hatte zuvor Medienberichten zufolge gesagt, die Ukraine brauche „einen neuen Präsidenten“. So reden keine Verbündeten mehr miteinander.
Die Raffinerien als Zündschnur
Was dabei gern untergeht: Washington soll Kiew mindestens sechsmal aufgefordert haben, die Angriffe auf russische Ölanlagen einzustellen. Schon unter Joe Biden hatten die USA vor steigenden Ölpreisen gewarnt. Trump macht Berichten zufolge vor allem die Ukraine für die hohen Energiepreise verantwortlich.
Kiew griff trotzdem weiter an. Dabei kann weder die Ukraine noch ein Partner das eigene Stromnetz vor russischen Gegenschlägen schützen. Warum also knappe Mittel gegen Raffinerien einsetzen und Washington ausgerechnet vor dem Winter verärgern? Kritiker sehen darin einen Grund, warum der Diesel-Deal überhaupt zustande kam. Trump dürfte darin auch eine Chance gesehen haben, Friedensgespräche wieder in Gang zu bringen.
Abhängig von Washington
Wie sehr die Ukraine auf Washington angewiesen ist, lässt sich kaum übertreiben. Die Vorräte an amerikanischen Patriot-Abfangraketen sollen fast aufgebraucht sein. Ohne US-Geheimdienstdaten lassen sich russische Raketenstarts kaum rechtzeitig erkennen. Satellitenkommunikation wie Starshield ist für die Armee unverzichtbar. Über den PURL-Mechanismus fließen weiterhin in großem Umfang Waffen.
Wie verwundbar Kiew ist, zeigt sich schon jetzt. Medienberichten zufolge drohten die USA damit, keine Geheimdienstinformationen mehr weiterzugeben. Selenskyj beklagte, die Ukraine bekomme keine Warnungen vor Raketenangriffen mehr. Dazu kamen gemeldete Ausfälle beim Satellitennetz Starlink.
Europa kann diese Lücke nicht füllen. Mit seiner harten Linie gegenüber Moskau hat es als Vermittler an Glaubwürdigkeit verloren. Das ist eine bittere Bilanz, auch für Berlin, das zu den größten Geldgebern Kiews zählt.
Große Worte, offene Fragen
Bei Morgan warf Selenskyj Trump vor, Russland wie einen Geschäftspartner zu behandeln. Seine eigene Regierung stellte er darüber:
„Wir verkaufen unser Land nicht. Für uns geht es nicht ums Geschäft.“
Das klingt nach moralischer Überlegenheit. Doch über dem Auftritt liegen Korruptionsvorwürfe aus Selenskyjs Umfeld. Ukrainische Antikorruptionsermittler bringen hochrangige Amtsträger mit mutmaßlichen Geschäften über enorme Summen in Verbindung, auch im Energiesektor. Ehemalige Präsidentenberater und Kabinettsmitglieder gerieten ins Visier, gesondert gibt es Vorwürfe gegen den Generalstaatsanwalt. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Kritiker fragen deshalb, ob Profite in Kriegszeiten die Entscheidungen in Kiew beeinflussen könnten. Diese Frage verdient wohl mehr Aufmerksamkeit als jede Empörung im Fernsehen.
Der Winter kommt und mit ihm die Rechnung
Der frühere Komiker beherrscht die große Bühne. Doch Rechenschaft lässt sich nicht durch Reden ersetzen. Wer Trump zum „Verräter“ erklärt, ist damit nicht aus der Verantwortung für die eigenen Entscheidungen entlassen. Für Millionen Ukrainer ist das alles keine Show. Für sie geht es um Kälte, Dunkelheit und Tod.
Für die Bürger in Deutschland heißt das: Der Krieg bleibt teuer, die Energiepreise bleiben unsicher, und große Mächte entscheiden über Europas Zukunft. Viele Sparer setzen in solchen Zeiten auf physisches Gold und Silber als Beimischung, die Staaten und Notenbanken nicht beliebig vermehren können.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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