
Diesel-Durst der Cloud: 384 Generatoren für ein einziges Rechenzentrum!

384 Notstromaggregate, 6.400 Tonnen Diesel, 1,4 Gigawatt Spitzenleistung. So sehen die Pläne des Betreibers CDC Data Centres für einen Rechenzentrum-Campus im australischen Gregadoo bei Wagga Wagga aus. Rund 15 Milliarden australische Dollar soll er kosten. In der ländlichen Region in New South Wales regt sich Widerstand, und auch in Mecklenburg-Vorpommern entsteht gerade ein Projekt dieser Größenordnung.
Ein Kraftwerk für die Daten
Wagga Wagga liegt rund 450 Kilometer südwestlich von Sydney. Die Stadt hat etwa 55.000 Einwohner und lebt von Ackerbau und Viehzucht. Auf rund 100 Hektar sollen hier vier Rechenzentrumsgebäude entstehen. Die geplante Spitzenleistung entspricht ungefähr einem großen Kernkraftwerksblock.
Medienberichten zufolge rechnet der Betreiber mit einem Jahresverbrauch von fünf bis sieben Terawattstunden. Zum Vergleich: Ganz Österreich verbraucht rund 70 Terawattstunden im Jahr. Ein einziger Campus würde also etwa ein Zehntel des Strombedarfs eines Industrielandes benötigen. Auf den Dächern sind 20.160 Solarmodule mit bis zu 13,1 Megawatt geplant. Das ist weniger als ein Prozent der Maximalleistung. Fast der gesamte Strom muss also aus dem Netz kommen, und dieses Netz muss für die Last erst ausgebaut werden.
Millionen Liter Diesel für den Notfall
Die 6.400 Tonnen Diesel entsprechen rund 7,6 Millionen Litern. Ein österreichisches Portal hat für Aggregate mit je 3,5 Megawatt einen Verbrauch von über 360.000 Litern pro Stunde berechnet. Damit würde der Vorrat für etwa 20 Stunden Volllast reichen. Allein die Erstbefüllung würde mehr als 250 Fahrten mit Tankwagen erfordern.
Im Normalbetrieb sollen die Generatoren nicht laufen. Damit sie im Ernstfall funktionieren, werden sie aber regelmäßig getestet. Nach Angaben des Umweltbundesamts stoßen Verbrennungsmotoren ohne Abgasreinigung ein Vielfaches mehr Stickoxide aus als Kessel oder Öfen. Stickoxide reizen die Atemwege, und die WHO stuft Dieselabgase als krebserregend ein.
„Ich weiß nicht, ob es schafft, ich weiß, dass es Ressourcen verbraucht und ich weiß, dass es Emissionen verursacht."
Das sagte die Anwohnerin Liz Warrell dem Sender ABC. Eine Petition gegen das Projekt hatte nach Berichten schon nach fünf Tagen mehr als 1.000 Unterschriften.
Wenn die Bürger nicht gefragt werden
Das Projekt gilt als „State Significant Development". Deshalb entscheidet die Regierung des Bundesstaats und nicht der Stadtrat. Der Stadtrat hat am 12. Oktober 2026 trotzdem beschlossen, das stadteigene Grundstück an CDC zu verkaufen. Er spricht von einer Chance für mehrere Generationen. Anwohner fürchten dagegen Lärm, Abgase und den Verlust landwirtschaftlicher Flächen.
Dieses Muster gibt es auch in Europa. Ein Leitfaden des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie hält fest, dass die 50-Megawatt-Schwelle für Verbrennungsmotoranlagen „in den meisten Fällen" durch die Anlagenabgrenzung nach der 4. BImSchV unterschritten werde. Kritiker sehen darin einen Trick: Jedes Teil wird für sich geprüft, die Gesamtbelastung aber nie.
Dummerstorf: Viel Lob, wenige Antworten
Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, will bis 2033 bis zu 5,6 Milliarden Euro in ein Rechenzentrum in Dummerstorf bei Rostock investieren. Geplant sind zunächst 240 Megawatt, langfristig könnte es bis zu ein Gigawatt werden. Laut Unternehmen soll im regulären Betrieb nur Ökostrom genutzt werden. Die Abwärme soll in ein Fernwärmenetz fließen, außerdem sind 120 Arbeitsplätze vorgesehen. Bürgermeister Jürgen Sprank (CDU) berichtet von bislang nur positiven Rückmeldungen.
Wie viele Dieselaggregate das Rechenzentrum für den Notfall bekommt, wie oft sie getestet werden und welche Grenzwerte gelten, geht aus den öffentlich zugänglichen Angaben bisher kaum hervor. Gerade diese Fragen treiben die Menschen in Australien um.
Digitale Souveränität ist für Deutschland ein berechtigtes Ziel. Doch wer Bürgern Großanlagen vor die Haustür setzt, schuldet ihnen eine vollständige Rechnung. Dazu gehört auch die Frage, wie viel Diesel im Keller lagert.
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