
Diesel-Frust an der Zapfsäule: Benzin wird billiger, Diesel teurer!

An Deutschlands Tankstellen gehen die Preise für Benzin und Diesel seit Mitte Oktober in entgegengesetzte Richtungen. Super E10 ist seitdem um rund 8 Cent pro Liter günstiger geworden, Diesel dagegen um etwa 2 Cent teurer. Wer Diesel tankt, zahlt inzwischen im Schnitt 21 Cent mehr pro Liter, und die Lücke ist binnen gut zwei Wochen fast doppelt so groß geworden.
Die Schere geht auf
Lange Zeit verliefen die Kurven beider Kraftstoffe nahezu parallel. Dass Diesel teurer war als Benzin, kannten Autofahrer in diesem Jahr schon. Neu ist, dass sich die Preise nun voneinander lösen.
Ausgewertet hat das der SWR mit Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Demnach kostete E10 am 14. Oktober im Bundesschnitt 2,15 Euro je Liter, Diesel 2,26 Euro. Bis zum 31. Oktober fiel E10 auf 2,07 Euro, während Diesel weiter zulegte. Laut ADAC hat sich dieser Trend auch zuletzt im Wochenvergleich fortgesetzt.
Öl, Krieg und kalte Wohnzimmer
Der wichtigste Treiber beim Diesel ist der Rohölpreis. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete zum Handelsschluss am 30. Oktober 104,12 US-Dollar, umgerechnet 92,92 Euro. Am 14. Oktober waren es noch rund 96 Dollar. Hinter dem Anstieg stehen die anhaltenden Spannungen rund um den Irankrieg.
Dazu kommt beim Diesel ein Effekt, den jeder Hausbesitzer mit Ölheizung kennt: Zum Beginn der Heizsaison steigt die Nachfrage nach Heizöl, das technisch eng mit Diesel verwandt ist. Und das Benzin? Das wurde trotz teurerem Öl billiger. Der ADAC erklärt das mit Spielräumen für Preisnachlässe bei Super E10. Anders gesagt: Die Margen waren offenbar groß genug, um nachzugeben.
Wen es wirklich trifft
Am härtesten trifft es nicht den Sonntagsausflügler, sondern die Leute, die das Land am Laufen halten. Spediteure mit Lkw-Flotten, Handwerksbetriebe mit Transportern und Dienstleister, die täglich zu ihren Kunden fahren, tanken fast alle Diesel. Jeder zusätzliche Cent landet am Ende in der Rechnung, die der Bürger für Handwerker, Lieferung und Ware bezahlt.
Dabei war es schon schlimmer. Im September lag Diesel im Schnitt bei bis zu 2,45 Euro je Liter. Etwas Luft verschaffte erst der zweite Tankrabatt, den Bund und Länder zum 1. Oktober eingeführt haben.
Ein Rabatt mit Ablaufdatum
Der Rabatt senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent pro Liter. Weil damit auch weniger Mehrwertsteuer anfällt, sparen Autofahrer insgesamt knapp 17 Cent. Gelten soll er nur bis Ende Dezember. Schon der erste Tankrabatt lief Medienberichten zufolge nur zwei Monate und endete im Juni.
Wie das ins Bild passt? Der Staat gibt mit großer Geste ein Stück der Steuer zurück, die er selbst an der Zapfsäule erhebt, und das immer nur auf Zeit. Echte Entlastung für Mittelstand und Pendler wäre eine dauerhaft niedrigere Abgabenlast, nicht ein Rabatt, der kurz vor Jahresende wieder wegfällt.
Die 12-Uhr-Regel geht nach hinten los
Seit April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, und zwar um 12 Uhr mittags. Für Verbraucher heißt das: Am günstigsten tankt man kurz vor zwölf. Wie heftig der Sprung ausfallen kann, zeigte der 31. Oktober. E10 wurde um durchschnittlich 28 Cent pro Liter teurer, Diesel um 25 Cent.
Der ADAC verlangt deshalb, die Regel wieder abzuschaffen. Die Preise seien dadurch nicht gesunken, argumentiert der Klub. Stattdessen habe sich die Spanne innerhalb eines Tages „deutlich ausgeweitet“. Damit habe die Regel ihr Ziel aus Sicht der Verbraucher verfehlt. Gut gemeint war sie wohl, gebracht hat sie offenbar wenig.
Bleibt die Frage, was passiert, wenn im Januar der Tankrabatt ausläuft, der Ölpreis wegen der Lage im Nahen Osten hoch bleibt und gleichzeitig die Heizsaison läuft. Für Dieselfahrer und Betriebe sieht es danach nicht nach Entlastung aus.
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