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Kettner Edelmetalle
25.09.2026
07:04 Uhr
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Dollar im Kühlschrankkarton? Die Ukraine und ihre flüchtigen Verdächtigen

Dollar im Kühlschrankkarton? Die Ukraine und ihre flüchtigen Verdächtigen
Symbolbild: KI-generiert

Über 140 Millionen US-Dollar in bar sollen bei einer Durchsuchung in Kartons von Kühlschränken gefunden worden sein. So berichteten es ukrainische Medien am 23. September 2026. Betroffen sei Arsen Zhumadilov, bis Ende August Chef der ukrainischen Beschaffungsagentur für Verteidigung. Offiziell bestätigt ist die Summe bisher nicht. Die Geschichte wirft trotzdem eine Frage auf, die weit darüber hinausgeht: Was passiert mit den Verdächtigen, die sich rechtzeitig ins Ausland absetzen?

Eine Meldung wie aus einer Politsatire

Auf einem der Kartons soll den Berichten zufolge „Für den Diener des Volkes“ gestanden haben. So heißt die Fernsehserie, in der Wolodymyr Selenskyj einen Lehrer spielte, der plötzlich Präsident wird. Besser hätte es kein Drehbuchautor erfinden können.

Vorsicht ist trotzdem angebracht. In den öffentlichen Meldungen des Nationalen Antikorruptionsbüros NABU findet sich keine Mitteilung über eine solche Beschlagnahmung. Zhumadilov hatte seinen Rücktritt selbst angekündigt. Medienberichten zufolge war er im Mai als Zeuge in einem anderen Verfahren befragt worden. Er bestreitet jedes Fehlverhalten.

Die Zahlen der Ermittler

An Arbeit fehlt es den Ermittlern nicht. Nach eigenen Angaben haben NABU und die Sonderstaatsanwaltschaft SAPO im ersten Halbjahr 2026 360 neue Ermittlungen eröffnet. Die Bilanz im Überblick:

  • 107 Personen wurden offiziell unter Verdacht gestellt
  • 106 Personen wurden vor Gericht gebracht
  • 55 Schuldsprüche gegen 76 Personen sind rechtskräftig
  • 2,06 Milliarden Hrywnja „wirtschaftlicher Effekt“, darunter über 864 Millionen Hrywnja Rückzahlungen an den Staat

Die meisten Fälle betreffen Energie und Rüstung. Das überrascht kaum, denn dort fließt im Krieg das meiste Geld, und Zeitdruck und Geheimhaltung erschweren jede Kontrolle. Die Zahlen stammen allerdings von den Behörden selbst. Man sollte sie also eher als Leistungsbilanz in eigener Sache lesen.

„Operation Midas“: Die Spur führt nach Israel

Politisch am heikelsten ist der Fall rund um den staatlichen Atomkonzern Energoatom. Die Ermittler vermuten dort ein System aus „Barrieren“: Firmen hätten zahlen müssen, damit ihre Rechnungen beglichen werden. Es gehe um mehr als 100 Millionen Dollar. Beschuldigt sind laut NABU unter anderem ein früherer Leiter des Präsidialamts und ein ehemaliger Energieminister. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Im Mittelpunkt steht aber Timur Mindich, ein früherer Geschäftspartner Selenskyjs. Er verließ die Ukraine im November 2025 kurz vor den Razzien und lebt Berichten zufolge in Israel. Die Vorwürfe weist er zurück. Im März 2026 ging ein Auslieferungsersuchen mit 24 Aktenbänden an das israelische Justizministerium. Im August sagte die SAPO, eine Antwort aus Israel gebe es noch nicht.

Deutschland liefert aus

Deutschland verhält sich dagegen offenbar kooperativ. Laut NABU wurden 2025 und 2026 mehrere Beschuldigte von hier an Kiew ausgeliefert. Darunter sind eine frühere Leiterin des Kiewer Geodäsie-Amts und ein Verdächtiger aus einem Energoatom-Verfahren. Auch der Abgeordnete Vadym Stolar setzte sich ab und wurde im August 2026 in Abwesenheit angeklagt.

Milde Strafen, große Fragen

Einige Verurteilungen gibt es inzwischen. Der frühere Oberste Richter Vsevolod Kniaziev bekam nach einem Deal mit der Staatsanwaltschaft fünf Jahre Haft. Der ehemalige Chef der Steuerbehörde, Roman Nasirov, erhielt sechs Jahre. Ob solche Strafen der Größe der Fälle gerecht werden, darf man bezweifeln.

Die NABU fordert selbst ein besseres Auslieferungssystem. Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis. Für deutsche Steuerzahler geht es dabei um viel. Deutschland gehört zu den größten Unterstützern der Ukraine. Wer Milliarden überweist, sollte sehr genau darauf achten, wo das Geld am Ende ankommt, egal ob auf einem Konto oder in einem Kühlschrankkarton.

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