
Drohne mit Semtex am Flughafen Leipzig/Halle: Wenn ein Busfahrer leistet, wozu der Hochsicherheitsstaat nicht in der Lage ist
Es gibt Momente, in denen sich der Zustand eines Landes in einer einzigen Szene verdichtet. Eine mit Sprengstoff bestückte Drohne liegt in der Nacht zum Mittwoch auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle, unweit einer ukrainischen Antonow-Frachtmaschine. Nicht ein Abwehrsystem für Millionen Euro hat sie gestoppt. Nicht Radar, nicht Störsender, nicht die vielbeschworene Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik. Sondern – ein Busfahrer.
Dobrindt spricht von „hybridem Anschlagszenario“
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt unterbrach seinen Italienurlaub und reiste an. Auf einer Pressekonferenz am Mittwochabend sprach er von einem „hybriden Anschlagszenario“, einem „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“ und einer „neuen Gefahrenqualität“. Hinweise auf die Hintermänner? Fehlanzeige. Es gehöre, so der Minister sinngemäß, zum Wesen hybrider Bedrohungen, dass ihre Herkunft nicht sofort erkennbar sei. Zugleich könne er gut nachvollziehen, wenn ein gesundes Gespür sage, dass hier keine Amateure am Werk gewesen seien, sondern eine höchst professionelle Vorbereitung. Mehrfach deutete Dobrindt an, ausländische Staaten könnten verantwortlich sein.
Deutlicher wurde er bei der Technik. Drohnenabwehr sei an deutschen Flughäfen vorhanden – nur eben nicht für diese Art von Drohne geeignet. Nach derzeitigem Erkenntnisstand sei das Fluggerät gezielt so konstruiert worden, dass es bestehende Abwehrmaßnahmen umgehen könne. Möglicherweise, so Dobrindt weiter, seien den Tätern die vorhandenen Schutzsysteme sogar bekannt gewesen.
Man besitzt also eine Abwehr – nur nicht gegen jene Drohnen, die tatsächlich angreifen. Ein Schloss, das jede Tür sichert, außer der, durch die der Einbrecher kommt.
800 Gramm Semtex – der Stoff von Lockerbie
Details zu Drohne und Sprengladung nannte der Minister nicht. Nach Informationen der „Bild“ soll es sich um Semtex gehandelt haben, „ntv“ berichtete von 800 Gramm dieses Sprengstoffs, die an der Drohne befestigt gewesen seien. Semtex – jener plastische Sprengstoff aus tschechoslowakischer Produktion, der einst zum Markenzeichen des internationalen Terrors wurde und auch beim Anschlag auf den Pan-Am-Flug über Lockerbie zum Einsatz kam. Dass es in Leipzig nicht zur Detonation kam, verdankt sich keinem staatlichen Schutzschirm, sondern schlichtem Glück: Der Zünder war nicht funktionsfähig. Der Sprengstoff wurde im Laufe des Tages von den Sicherheitsbehörden auf dem Flughafengelände vernichtet.
Die unbequemen Fragen, die keiner stellen mag
Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um sich zu wundern. Ein professionell konzipiertes Fluggerät, ausgestattet mit militärtauglichem Sprengstoff – und dann ein Zünder, der versagt? Eine Abwehrtechnik, die exakt jene Lücke offenlässt, die der Angreifer nutzt? Wer profitiert von einem Vorfall, der Deutschland unmittelbar an den Rand eines Konflikts rückt, mit dem es nichts zu tun haben will? Diese Fragen zu stellen ist keine Illoyalität, sondern journalistische Grundhygiene. Die Antworten schuldet die Bundesregierung dem Steuerzahler – und zwar rasch, präzise und ohne den üblichen Nebel aus Begriffshülsen.
Der Staat, der überall ist – nur nicht dort, wo er gebraucht wird
Der eigentliche Skandal liegt tiefer. Ein Staat, der die Kraft aufbringt, Sprachvorschriften in Behördenformularen durchzusetzen, Heizungen in Wohnzimmern zu regulieren und mit Meldeportalen gegen missliebige Meinungen vorzugehen, versagt bei seiner ureigensten Aufgabe: dem Schutz kritischer Infrastruktur. Leipzig/Halle ist kein Provinzflugplatz, sondern einer der bedeutendsten Frachtdrehkreuze Europas. Wenn dort eine bewaffnete Drohne unbemerkt landen kann, dann ist das kein Betriebsunfall, sondern ein Offenbarungseid.
Jahrelang wurde das Geld dieses Landes in Programme, Projekte und Prestigevorhaben gepumpt, während Polizei, Bundeswehr und Sicherheitsbehörden ausgezehrt wurden. Nun soll ein 500-Milliarden-Sondervermögen es richten – finanziert auf Pump, zu Lasten kommender Generationen, obwohl der heutige Bundeskanzler im Wahlkampf noch anderes versprochen hatte. Ob davon auch nur ein Bruchteil bei der tatsächlichen Sicherheit ankommt, darf bezweifelt werden.
Was das für den Bürger bedeutet
Der Vorfall reiht sich ein in eine Kette von Ereignissen, die dasselbe Muster zeigen: Der Bürger wird gegängelt, der Angreifer bleibt unbehelligt. Kriminalität auf Rekordniveau, Messerangriffe im Wochentakt, und nun offenbar auch die Verwundbarkeit der Verkehrsinfrastruktur. Wer glaubt, dies sei bloß eine Verkettung unglücklicher Umstände, hat die politischen Weichenstellungen der vergangenen Jahre nicht verfolgt. Es braucht Politiker, die für dieses Land arbeiten statt gegen es – und das ist nicht allein die Auffassung unserer Redaktion, sondern die eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung.
Sicherheit beginnt beim Eigentum
Wer erlebt, wie fragil staatliche Schutzversprechen sind, zieht daraus auch für sein Vermögen Konsequenzen. Hybride Bedrohungen, geopolitische Eskalation und eine Schuldenpolitik ohne Bremse sind das Umfeld, in dem Papierwerte schnell zu bloßen Versprechen verkommen. Physisches Gold und Silber sind kein Allheilmittel, aber sie sind das, was Buchgeld nicht ist: greifbar, unabhängig von der Zahlungsfähigkeit Dritter und über Jahrtausende erprobt. Eine kluge Beimischung realer Werte gehört in jedes breit gestreute Vermögen – gerade in Zeiten, in denen selbst ein Flughafen nur noch so sicher ist wie die Geistesgegenwart eines Busfahrers.
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