
Dutzende schwarze Schwäne: Darum verkauft Frank Giustra sein Gold nicht

Frank Giustra, Gründer des Minengiganten Goldcorp, rechnet mit einer Welle neuer Krisen und will deshalb nicht eine Unze seines Goldes hergeben. Auf der New Orleans Investment Conference warnte der kanadische Rohstoff-Veteran Ende Oktober vor einem Konflikt mit dem Iran, vor einer neuen Geldflut der Notenbanken und vor einem schleichend entwerteten Dollar. Seine Bedingungen für einen Ausstieg aus Gold sind fast schon Satire.
„Gebt mir Weltfrieden, ehrliche Politiker und wohlwollende Banker. Wenn ihr mir alle drei gebt, verabschiede ich mich vom Gold.“
Er erwarte keines davon, fügte Giustra sinngemäß hinzu. Ehrlich gesagt: Wer tut das schon?
Iran: Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer
Das größte Risiko sieht Giustra, der seit Jahren im Vorstand der International Crisis Group sitzt, am Persischen Golf. Am Morgen des Interviews kostete ein Barrel Brent über 110 Dollar. Ob die Märkte den Frieden zu früh einpreisen? Hier gab er sich ganz sicher: zu 100 Prozent.
Er rechne eher damit, dass die USA nach den Midterm-Wahlen angreifen, erklärte Giustra. Teheran würde dann wohl in der ganzen Region zurückschlagen. Nach zweiten oder dritten Schlägen könnte der Ölpreis noch deutlich steigen und die Weltwirtschaft im schlimmsten Fall in eine tiefe Rezession oder gar Depression stürzen. Die US-Strategie halte er von Anfang an für falsch. Hinter den Kulissen werde aber verhandelt, langfristig rechne er mit einer diplomatischen Lösung.
Der Ölmarkt fährt seither Achterbahn. Am 2. November rutschte Brent wegen Hoffnungen auf Diplomatie um 7,6 Prozent auf 104,77 Dollar. Tags darauf drehte der Preis wieder, nachdem das Wall Street Journal über einen US-Angriff auf die iranische Insel Qeschm berichtet hatte.
„Schwäche den Dollar, und Gold steigt“
Sein langfristiges Argument für Gold ist kühle Arithmetik. Kriege kosten Unsummen: Das Costs-of-War-Projekt der Brown University bezifferte die Kosten der US-Kriege nach dem 11. September im Jahr 2021 auf rund 8 Billionen Dollar. Wer so wirtschafte, treibe die eigene Nation langsam in den Bankrott und müsse die Währung entwerten, argumentiert Giustra. Das sei Mathematik und keine Theorie.
Beim nächsten schwarzen Schwan griffen die Notenbanken wieder zur Druckerpresse. Eine Rückkehr der quantitativen Lockerung (QE) garantiere er „absolut“. Für Sparer in Deutschland, die die Niedrigzinsjahre der EZB noch gut kennen, klingt das nach einer Wiederholung.
Notenbanken stützen den Goldpreis
Eine Untergrenze für den Preis sieht Giustra bei den Zentralbanken, die sich langsam vom Dollar lösen und Gold horten. Die Zahlen geben ihm recht: Laut World Gold Council kauften die Währungshüter im dritten Quartal netto 321 Tonnen, ein Plus von 42 Prozent und das höchste Tempo seit Ende 2024. Offiziell gemeldet wurden davon nur 120 Tonnen. Ein großer Teil der Käufe läuft also im Verborgenen.
Gold hatte am 28. Januar ein Rekordhoch von 5.589,38 Dollar je Unze erreicht und notierte zum Interviewzeitpunkt wieder nahe 4.000 Dollar. Giustras Rat: einfach durchhalten. Physisches Gold kaufe man, um es zu behalten. Es bewahre Vermögen über Generationen, und zwar seit jeher.
Keine Lamborghinis in der Einfahrt
Wie sich ein ungeliebter Goldmarkt anfühlt, weiß Giustra genau. Im Jahr 2001 stand die Unze unter 300 Dollar. Er und Frank Holmes warben damals bei Investoren in Toronto, New York, London und Zürich für ein Comeback des Goldes und wurden nach eigener Schilderung fast ausgelacht. „Wahnhaft“ sei das, hieß es.
Euphorie spürt er auch heute nicht. Die Stimmung sei hoffnungsvoll, aber keineswegs ekstatisch, und die breite Öffentlichkeit sei noch gar nicht eingestiegen. Ein klassischer Bullenmarkt sehe anders aus. Wenn das große Geld komme, erkenne man es an den Handelsvolumina.
Auch bei den Minen bleibt er an Bord. Trotz steigender Kosten, bei Agnico Eagle lagen die Dieselkosten in Nunavut laut Unternehmen rund 45 Prozent über Budget, hält er seine Aktien. Große Produzenten müssten früher oder später kleinere Explorer übernehmen, um ihre Reserven aufzufüllen. Den größten Hebel sieht er beim Kupfer, wo ihm zufolge ein massives Angebotsdefizit droht.
Fazit: Gold als Versicherung gegen die Politik
Giustras Botschaft ist einfach. Solange Regierungen Kriege auf Pump finanzieren und Notenbanken die Druckerpresse anwerfen, bleibt Gold ein Schutzschild. Physische Edelmetalle können deshalb als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio eine sinnvolle Ergänzung zur Vermögenssicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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