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29.07.2026
10:45 Uhr

Elektronische Kriegsführung als Geschenk: London öffnet Kiew die Patentschatzkammer

Elektronische Kriegsführung als Geschenk: London öffnet Kiew die Patentschatzkammer

Während in Deutschland über kaputte Brücken und geschlossene Fabriken debattiert wird, verschenkt Großbritannien geistiges Eigentum an militärischer Spitzentechnologie – und die Rechnung für den längsten Krieg auf europäischem Boden seit 1945 wächst weiter. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 27. Juli den neuen britischen Premierminister Andy Burnham getroffen, der eine Woche zuvor die Nachfolge des zurückgetretenen Labour-Parteifreundes Keir Starmer angetreten hatte. Ort des Treffens: der Marinestützpunkt Portsmouth. Symbolik gehört in diesem Krieg längst zur Waffengattung.

„Stone Cloak" – der Störsender in Tablet-Größe

Das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Besuch war weniger die rhetorische Zusicherung „unerschütterlicher" Unterstützung, sondern das, was danach kam: Burnham kündigte an, die Rechte am geistigen Eigentum des britischen Systems zur elektronischen Kriegsführung mit dem Namen „Stone Cloak" an Kiew weiterzugeben. Die Ukraine soll die Technologie damit selbst produzieren können. Es handele sich um Störsender in der Größe eines Tablet-Computers, die an Drohnen und Flugkörper montiert würden, um russische Luftverteidigung an der Erfassung und Bekämpfung dieser Geschosse zu hindern.

Wer die Tragweite dieses Schrittes verstehen will, muss wissen, was Patente in der Rüstungsindustrie bedeuten. Es geht nicht um eine Lieferung von Gerät, die irgendwann verbraucht ist. Es geht um die Weitergabe von Wissen – irreversibel, unkontrollierbar, dauerhaft. Downing Street rechnete bei dieser Gelegenheit vor, dass die britische Unterstützung seit Februar 2022 auf 25 Milliarden Pfund angewachsen sei, davon 16 Milliarden Pfund direkte Militärhilfe. Rund 33 Milliarden Dollar. Für ein Land, dessen eigener Gesundheitsdienst am Tropf hängt, eine bemerkenswerte Prioritätensetzung.

200 Soldaten, das Schwarze Meer und die nächste Eskalationsstufe

Im Anschluss sollten Burnham und Selenskyj Teile jener 200 ukrainischen Soldaten treffen, die drei Wochen lang in Großbritannien an einer Übung zu maritimer Sicherheit und Minenabwehr teilgenommen hätten – ausdrücklich zur Vorbereitung möglicher künftiger Einsätze im Schwarzen Meer. Selenskyj selbst sprach davon, dass es für die Ukraine wichtig sei, Leben „am Himmel und auf dem Meer" schützen zu können, und verwies auf gemeinsame Rüstungsproduktion.

Man muss kein Militärstrategen sein, um zu erkennen: Jede neue Domäne, in die dieser Krieg ausgeweitet wird, ist eine weitere Zündschnur.

Tote auf beiden Seiten – und niemand spricht über Frieden

Denn während in Portsmouth Hände geschüttelt wurden, ging das Sterben weiter. Nach Angaben örtlicher Behörden kamen bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Region Rostow fünf Menschen ums Leben, darunter ein Kind; acht wurden verletzt. Gouverneur Juri Sljusar berichtete, Rettungskräfte hätten drei Leichen aus den Trümmern eines Wohnhauses geborgen. Selenskyj bestätigte auf X, ukrainische Tiefenschläge hätten ein Exportterminal in der Region Rostow rund 250 Kilometer hinter der Front sowie Ölanlagen in Jaroslawl und in Udmurtien getroffen – letztere 1.300 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Ziel sei es, Russlands Fähigkeit zur Kriegsfinanzierung zu beschneiden.

Umgekehrt stieg auch in der Ukraine die Zahl der Opfer. Kiew wurde am 26. Juli von einem russischen Ballistikangriff getroffen, in anderen Regionen starben mindestens sechs Menschen. In Tschernihiw traf eine Drohne einen Supermarkt: zwei Tote, 25 Verletzte. Selenskyj sprach von gezieltem Terror ohne jede militärische Rechtfertigung. In Saporischschja tötete eine Gleitbombe nach Angaben des Gouverneurs Iwan Fedorow einen Menschen, sechs wurden verletzt. In Slowjansk starben laut Naftogaz zwei Mitarbeiter des Konzerns, während sie Anwohnern nach einem früheren Angriff helfen wollten. In Balakliya im Gebiet Charkiw kam ein Mensch ums Leben, acht wurden verletzt. Moskau bestreitet weiterhin, zivile Ziele anzugreifen – trotz erdrückender Belegkette.

Weiter nach Washington

Selenskyjs diplomatischer Marathon geht weiter: Am 28. Juli sollte er in Washington mit US-Präsident Donald Trump zusammentreffen. Zudem wurde seine Teilnahme an der Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham erwartet, der als lautstarker Unterstützer Kiews galt und wenige Tage vor seinem Tod noch in der ukrainischen Hauptstadt gewesen war.

Und Europa? Zahlt, liefert, schweigt

Die entscheidende Frage stellt in Berlin niemand: Wo ist eigentlich die Strategie? Nicht die Strategie für die nächste Waffenlieferung, sondern die für den Frieden. Seit über drei Jahren lautet die Antwort europäischer Regierungen auf jede Eskalation: mehr Geld, mehr Technologie, mehr Verpflichtungen. Deutschland finanziert dabei mit, während die eigene Industrie abwandert, die Energiepreise Betriebe erdrosseln und ein 500-Milliarden-Sondervermögen kommenden Generationen als Zinslast um den Hals gelegt wird – von einem Kanzler, der einst versprach, keine neuen Schulden zu machen.

Man darf durchaus fragen, ob eine Politik, die Patente auf Kriegstechnologie verschenkt, aber bei der eigenen Infrastruktur jeden Euro dreimal umdreht, noch den Interessen der eigenen Bürger dient. Ein Großteil der Deutschen dürfte diese Frage längst beantwortet haben – man hört ihn nur nicht in den Talkshows.

Was das für Vermögen bedeutet

Kriege werden am Ende immer über die Notenpresse bezahlt. Wer die Geschichte des 20. Jahrhunderts kennt, weiß: Auf jede große Aufrüstungswelle folgte die Entwertung des Geldes. Papierversprechen – ob Anleihe, Fondsanteil oder Betongold auf Kredit – hängen an der Zahlungsfähigkeit und dem Wohlwollen von Staaten. Physisches Gold und Silber hängen an nichts als sich selbst. Sie kennen keinen Emittenten, der ausfallen kann, und keine Regierung, die sie per Gesetzesänderung wegdefiniert. Als solide Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie in Zeiten geopolitischer Verwerfungen das, was sie seit Jahrtausenden sind: Versicherung gegen die Fehler der Politik.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Es handelt sich ausschließlich um redaktionelle Einordnung auf Basis der uns vorliegenden Informationen und um die Meinung unserer Redaktion. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und gegebenenfalls die Konsultation eines unabhängigen Fachberaters. Für Vermögensdispositionen und deren Ergebnisse trägt allein der Anleger die Verantwortung. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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