
Erdrutschsieg in Frankreich: Le Pen-Verbündeter triumphiert mit fast 60 Prozent

Was für ein Signal aus dem Herzen Europas! Im französischen Département Haute-Savoie hat der Kandidat der rechten Partei „Droites pour la République" (UDR), Antoine Valentin, bei der Stichwahl um einen Sitz in der Nationalversammlung einen überwältigenden Sieg eingefahren. Mit knapp 60 Prozent der Stimmen verwies er seinen Kontrahenten von den konservativen Republikanern deutlich auf die Plätze. Ein Ergebnis, das aufhorchen lässt – und das weit über die Grenzen des malerischen Alpenvorlands hinaus Wellen schlagen dürfte.
Die UDR auf dem Vormarsch
Die UDR, eine Abspaltung der traditionellen Republikaner, hat sich bewusst für eine Allianz mit Marine Le Pens Rassemblement National (RN) entschieden. Während die etablierten Konservativen der LR jede Annäherung an die Rechten kategorisch ablehnen, zeigt das Wahlergebnis in Haute-Savoie, wohin die politische Reise in Frankreich gehen könnte. Der unterlegene Christophe Fournier von den Republikanern musste sich mit mageren 40,9 Prozent begnügen – ein Absturz um satte 15,3 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2024.
Besonders bemerkenswert: Es ist das erste Mal überhaupt, dass die UDR in diesem Bezirk einen Parlamentssitz erobern konnte. Der 33-jährige Valentin, zuvor Bürgermeister der beschaulichen Gemeinde Saint-Jeoire nahe der Schweizer Grenze, hat damit Geschichte geschrieben.
Ein Fingerzeig für die Kommunalwahlen
Das Timing dieses Triumphes könnte kaum günstiger sein. In anderthalb Monaten stehen in ganz Frankreich Kommunalwahlen an, bei denen in rund 35.000 Gemeinden die Gemeinderäte neu bestimmt werden. Für das Rassemblement National sind diese Wahlen von strategischer Bedeutung, denn die Partei strebt eine tiefere Verankerung in den lokalen Strukturen an. Während man 2020 noch in lediglich 410 Orten mit Kandidatenlisten antrat, plant man diesmal den Sprung auf 650 Orte.
RN-Parteichef Jordan Bardella kommentierte den Wahlsieg auf der Plattform X mit den Worten:
„Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen im März 2026 ist dies ein Zeichen der Hoffnung: Überall in Frankreich ist der Wandel durch Wahlen möglich!"
UDR-Vorsitzender Eric Ciotti unterstrich derweil, dass die Zusammenarbeit von UDR und RN die einzig glaubhafte Option für die politische Rechte in Frankreich darstelle. Eine Aussage, die den etablierten Konservativen wie ein Stachel im Fleisch sitzen dürfte.
Was Deutschland von Frankreich lernen könnte
Während in Frankreich rechte und konservative Kräfte pragmatisch zusammenfinden und beachtliche Wahlerfolge erzielen, scheint man hierzulande noch immer in ideologischen Grabenkämpfen gefangen. Die französischen Wähler haben einmal mehr demonstriert, dass sie sich nicht von medialer Hysterie oder politischer Brandmauer-Rhetorik beeindrucken lassen. Sie wählen schlicht das, was sie für richtig halten.
Die geringe Wahlbeteiligung von nur 34,1 Prozent mag manchen Beobachter irritieren, doch sie ändert nichts an der Deutlichkeit des Ergebnisses. Bereits im ersten Wahlgang hatte Valentin mit 45 Prozent klar vorne gelegen, während sein Herausforderer Fournier auf klägliche 15 Prozent kam.
Ausblick auf 2027
Ein flächendeckender Erfolg des Rassemblement National bei den Kommunalwahlen könnte weitreichende Konsequenzen haben – nicht zuletzt für die Präsidentschaftswahl 2027. Marine Le Pen, die bereits mehrfach knapp an der Macht vorbeigeschrammt ist, dürfte die aktuellen Entwicklungen mit großer Genugtuung verfolgen. Die politische Landschaft Frankreichs befindet sich im Umbruch, und die traditionellen Parteien scheinen diesem Wandel wenig entgegenzusetzen zu haben.
Europa blickt gespannt nach Paris – und manch einer in Berlin dürfte sich insgeheim fragen, ob nicht auch hierzulande ein ähnlicher Kurswechsel überfällig wäre.












