
Eskalation am Mittelmeer: Wenn ein Minister die Entführung von Frauen und Kindern fordert

Es gibt Sätze, die einem den Atem stocken lassen. Sätze, die man dreimal lesen muss, um zu glauben, dass sie tatsächlich von einem amtierenden Regierungsmitglied einer westlich orientierten Demokratie stammen. Genau ein solcher Satz soll nun aus dem Mund des israelischen Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, gefallen sein – und er rüttelt an den Grundfesten dessen, was man im Völkerrecht eigentlich für unverhandelbar hielt.
Ein Vorschlag, der jede zivilisatorische Grenze überschreitet
Israelische Medien berichteten am Dienstag, Ben Gvir habe in einer Sitzung des Sicherheitskabinetts allen Ernstes vorgeschlagen, das Militär solle Frauen und Kinder im Libanon entführen, um Druck auf die Hisbollah auszuüben. Man solle, so wird der Minister sinngemäß zitiert, nicht nur Gebiete erobern und Kämpfer töten, sondern auch deren Frauen und Jugendliche verhaften und in Gefängnisse stecken. Das treffe den Gegner am empfindlichsten.
Wer Frauen und Kinder zu Faustpfändern in einem Krieg degradiert, der hat den Boden des Rechtsstaats längst verlassen – und betritt das düstere Terrain der Geiselnahme als Staatsdoktrin.
Man muss sich diese Worte auf der Zunge zergehen lassen. Hier spricht kein anonymer Hetzer in einem Hinterzimmer, sondern ein Mann, der als Minister für nationale Sicherheit die Polizei und das Strafvollzugssystem eines ganzen Staates beaufsichtigt. Die von ihm erwähnten "Terroristengefängnisse" gelten internationalen Beobachtern zufolge als berüchtigt – Berichte über Folter, Nahrungsentzug und Missbrauch häufen sich seit Jahren.
Kein Ausrutscher, sondern Methode
Wer nun glaubt, es handle sich um einen einmaligen verbalen Fehltritt, der irrt gewaltig. Ben Gvir, Chef der Partei "Jüdische Kraft", soll bereits in der Vergangenheit dafür plädiert haben, Frauen und Kinder, die sich der Grenze näherten, in den Kopf zu schießen. Erst kürzlich entfachte er einen veritablen diplomatischen Eklat, als er ein Video verbreitete, in dem inhaftierte Aktivisten einer Gaza-Flottille verspottet und misshandelt worden sein sollen. Italienische Staatsanwälte sollen daraufhin Ermittlungen eingeleitet haben.
Christen auf der Flucht – der Exodus aus Tyros
Während in den Kabinettssälen über Entführungen sinniert wird, spielt sich in der Realität ein menschliches Drama ab. Zum ersten Mal seit dem Einmarsch im März gab das israelische Militär eine ausdrückliche Räumungswarnung für das christliche Viertel der uralten Stadt Tyros heraus. Die Begründung: Es sollen sich Hisbollah-Kämpfer unter den Christen versteckt halten – ein Vorwurf, dessen Belege bislang dünn erscheinen.
Die verbliebene christliche Bevölkerung versuchte verzweifelt, nach Norden zu fliehen. Doch wie soll man fliehen, wenn die Brücke über den Litani-Fluss bereits vor über einem Monat zerstört wurde? Die Menschen kämpfen sich Richtung Sidon und Beirut durch, während die Angriffe unvermindert weitergehen. Allein an einem einzigen Dienstagmorgen seien mindestens 15 Angriffe auf Tyros gemeldet worden.
Eine Stadt mit 6000 Jahren Geschichte unter Beschuss
Tyros gilt als eine der am längsten durchgehend bewohnten Städte der Menschheit. Sechstausend Jahre Kultur, Handel und Glaube – und nun das. Die Gesamtzahl der Todesopfer seit Beginn der Invasion soll mittlerweile auf 3.666 Menschen gestiegen sein. Libanesische christliche Kirchenführer fordern verzweifelt internationale Intervention. Doch der Westen schaut bemerkenswert schweigsam zu.
Wo bleibt die Empörung der deutschen Politik?
Bemerkenswert ist vor allem das ohrenbetäubende Schweigen jener, die sonst bei jeder Gelegenheit den moralischen Zeigefinger heben. Wo bleibt die geballte Empörung über einen Minister, der Geiselnahmen als legitimes Kriegsmittel propagiert? Hier zeigt sich einmal mehr die selektive Moral einer politischen Klasse, die ihre Prinzipien je nach Wetterlage und außenpolitischer Opportunität neu sortiert. Eine konsequente, an klaren Werten orientierte Außenpolitik sähe anders aus – sie würde Unrecht beim Namen nennen, gleich von welcher Seite es kommt.
In einer Welt, die geopolitisch zunehmend aus den Fugen gerät – vom Ukraine-Krieg über den eskalierenden Nahost-Konflikt bis hin zu Handelskriegen –, wächst die Unsicherheit mit jedem Tag. Genau in solchen Zeiten zeigt sich, warum krisenfeste, physische Werte ihren Platz in einem ausgewogenen Vermögen haben. Während Papierversprechen und Buchwerte im Sturm der Geschichte schon manches Mal verglüht sind, haben Gold und Silber Kriege, Währungsreformen und Staatszusammenbrüche überdauert.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.

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