
Euro-Bonds-Vorstoß: Jetzt kippt auch die Arbeitgeber-Seite um

Es ist ein Tabubruch mit Ansage: Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), wirbt offen für gemeinsame europäische Schulden. In einem Papier mit dem Titel „Der Euro als internationale Leitwährung“, über das das „Handelsblatt“ in seiner Donnerstagausgabe berichtete, fordert er unter anderem die Schaffung gemeinsamer „Safe Assets“ – im Klartext: Euro-Bonds.
Der Dollar schwächelt – und Brüssel wittert Morgenluft
Hüthers Argument: Wer den Euro zur ernstzunehmenden Leitwährung aufwerten wolle, komme um umfassende institutionelle Reformen nicht herum. Zentral seien die Vollendung der Kapitalmarktunion und ein einheitlicher europäischer Referenzwert.
„Wir dürfen nicht die Scheuklappen aufsetzen, sobald der Begriff Euro-Bonds fällt“
Den Vertrauensverlust, den die Politik von US-Präsident Donald Trump unter Investoren auslöse, müsse Europa nutzen, sagte Hüther der Zeitung. Ein bemerkenswerter Satz: Die Schwäche des anderen als Begründung für die eigene Schuldenaufnahme.
„Keine Vergemeinschaftung“ – das kennen wir doch schon
Hüther kennt die Einwände und versucht sie zu entschärfen. Sein Vorschlag sehe ausdrücklich nicht vor, die Staatsschulden aller Länder zusammenzulegen. Eine europäische Investitionsunion könne auf klar umrissene Projekte begrenzt werden: Infrastruktur, Energie, Digitalisierung, Verteidigung. Zudem sollten Vorteile gemeinsamer Verschuldung nur dann voll fließen, wenn ein Land seine Reformzusagen einhalte.
Klingt diszipliniert. Doch wer die Geschichte der Währungsunion kennt, hat solche Versprechen schon oft gehört. Die No-Bailout-Klausel der EU-Verträge sollte das Einstehen für fremde Schulden eigentlich ausschließen. In der Euro-Krise ab 2010 wurden Rettungsschirme errichtet, die als vorübergehend galten. Der Corona-Wiederaufbaufonds von 2020 mit einem Volumen von 750 Milliarden Euro wurde als einmaliger Kraftakt verkauft – heute dient er als Blaupause.
Die Front der Skeptiker bröckelt
Hüther steht nicht allein. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat sich Medienberichten zufolge für gemeinsame europäische Schulden unter Auflagen geöffnet – und damit in seinem eigenen Haus für Irritationen gesorgt. Auch EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel gilt als Befürworterin. Rückendeckung kommt zudem von Jeromin Zettelmeyer, Chef der Brüsseler Denkfabrik Bruegel: Euro-Bonds seien eine ordnungspolitisch saubere Finanzierungsform, weil Haftung und Kontrolle in einer Hand lägen.
Widerspruch gibt es weiterhin. Der Ökonom Lars Feld etwa hat solche Vorstöße in einem Zeitungsbeitrag als fahrlässig bezeichnet. Und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lehnt neue EU-Schulden ab.
Wer haftet am Ende? Immer derselbe
Genau dieser Kanzler hat allerdings innenpolitisch bereits ein 500-Milliarden-Sondervermögen mitgetragen, nachdem er zuvor gegen neue Schulden argumentiert hatte. Aus Sicht unserer Redaktion drängt sich die Frage auf, wie belastbar ein Nein aus Berlin ist, wenn der Druck aus Paris, Brüssel und nun auch aus der deutschen Ökonomenzunft weiter wächst.
Für Sparer ist die Rechnung simpel: Jede zusätzliche Schuldenebene erhöht langfristig den politischen Anreiz, Lasten über niedrige Realzinsen und Inflation abzutragen. Wer sein Vermögen gegen solche Entwertungsrisiken abfedern will, setzt traditionell auf Sachwerte – physisches Gold und Silber sind seit Jahrhunderten eine bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Anleger trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.

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