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Kettner Edelmetalle
12.03.2026
18:29 Uhr

Europas Gasversorgung auf der Kippe: Asien schnappt dem Kontinent das LNG vor der Nase weg

Es ist ein Szenario, das an die dunkelsten Tage der Energiekrise 2022 erinnert – und doch hat es eine ganz eigene, bedrohliche Qualität. Mindestens neun LNG-Tanker, die ursprünglich europäische Häfen ansteuern sollten, haben mitten auf hoher See ihren Kurs geändert und dampfen nun Richtung Asien. Der Grund ist so simpel wie brutal: Dort wird schlicht mehr bezahlt. Willkommen in der neuen Realität der globalen Energiemärkte, in der Europa zunehmend den Kürzeren zieht.

Die Iran-Krise als Brandbeschleuniger

Auslöser der dramatischen Zuspitzung ist die faktische Blockierung der Straße von Hormus sowie der Produktionsstopp am weltweit größten LNG-Exportkomplex in Katar. Schätzungsweise 20 Prozent der weltweiten LNG-Versorgung fallen dadurch ersatzlos weg. Mit jedem Tag der Unterbrechung verschwinden laut Berechnungen etwa drei katarische LNG-Ladungen vom Markt. Auch eine kleinere Exportanlage in Abu Dhabi könne derzeit keine Lieferungen verschiffen.

Die Konsequenzen sind bereits jetzt dramatisch spürbar. Die europäischen Gaspreise schossen um 45 Prozent nach oben und erreichten einen Höchststand von 69,50 Euro pro Megawattstunde – das Doppelte des Niveaus vor Beginn des Iran-Konflikts. Und das ist möglicherweise erst der Anfang.

Asien zahlt mehr – Europa schaut in die Röhre

Flüssigerdgas folgt einer ehernen Marktlogik: Es fließt dorthin, wo die höchsten Preise gezahlt werden. Taiwan, Südkorea und Japan sind existenziell auf LNG aus dem Nahen Osten angewiesen. Taiwan deckte 2025 mehr als 30 Prozent seines Gasbedarfs aus Katar, Südkorea immerhin 15 Prozent. Diese Länder sind bereit, nahezu jeden Preis zu zahlen – und genau das macht sie für LNG-Händler attraktiver als den europäischen Markt.

Besonders alarmierend: Einige Verkäufer seien offenbar bereit, bestehende Lieferverträge zu kündigen, wenn die Spotmarktpreise hoch genug steigen. Vertragstreue, so scheint es, ist in Zeiten der Knappheit ein dehnbarer Begriff. Was bedeutet das für die europäischen Verbraucher? Nichts Gutes.

Gasspeicher bedrohlich leer

Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Europas Gasspeicher sind derzeit nur zu knapp über 29 Prozent gefüllt – deutlich unter dem Fünfjahresschnitt von rund 45 Prozent. Um die Speicher für den kommenden Winter aufzufüllen, müsste Europa in diesem Sommer rund 67 Milliarden Kubikmeter Gas beschaffen. Das entspricht etwa 700 LNG-Ladungen – 180 mehr als im Vorjahr. Und das zu Preisen, die jeden Haushaltsplan sprengen.

Experten schätzen die Mehrkosten für die Gasspeicher-Befüllung allein in diesem Sommer auf 11,7 Milliarden Euro gegenüber der ursprünglichen Planung. Geld, das am Ende der Verbraucher bezahlen wird – mit einer gewissen Verzögerung zwar, aber unausweichlich.

Die bittere Ernte einer verfehlten Energiepolitik

Man muss kein Energieexperte sein, um zu erkennen, dass sich hier die Konsequenzen einer jahrelangen ideologiegetriebenen Energiepolitik manifestieren. Durch die Abkehr von russischem Gas – politisch gewollt, strategisch aber nur unzureichend abgesichert – ist Europa bei der Befüllung seiner Speicher zunehmend auf LNG-Lieferungen angewiesen. 2021 machte Flüssigerdgas noch etwa 19 Prozent der europäischen Gasversorgung aus. Im vergangenen Jahr lag der Anteil bereits bei über 43 Prozent. Eine Abhängigkeit wurde durch eine andere ersetzt – nur dass die neue noch verwundbarer ist.

Energieexpertin Ana Maria Jaller-Makarewicz warnt unmissverständlich: Es sei schwierig, alternative Lieferanten zu finden, die die fehlenden LNG-Mengen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ersetzen könnten. Europa müsse Maßnahmen zur Senkung des Gasverbrauchs ergreifen, um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. Im schlimmsten Fall drohe eine sogenannte „Gas Demand Destruction" – ein dauerhafter Nachfragerückgang, ausgelöst durch unerträgliche Preise.

Wer sich noch an die vollmundigen Versprechen erinnert, mit denen der Ausstieg aus russischem Gas begleitet wurde – „Wir schaffen das", „Diversifizierung", „Energiesouveränität" –, der dürfte angesichts der aktuellen Lage nur noch bitter lächeln. Die Wahrheit ist: Deutschland und Europa haben sich in eine strategische Sackgasse manövriert. Die Kernkraftwerke sind abgeschaltet, die Gaspipelines aus Russland gekappt, und nun zeigt sich, dass der globale LNG-Markt eben kein Selbstbedienungsladen ist, in dem Europa nach Belieben zugreifen kann.

Wie lange bleibt die Lage noch beherrschbar?

Energieökonom Manuel Frondel vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung gibt sich noch verhalten optimistisch – zumindest kurzfristig. Da der Winter fast überstanden sei, bestehe in den nächsten Wochen noch kein akuter Druck zur Speicherbefüllung. Kritisch werde es jedoch, wenn der Iran-Konflikt bis zum Sommer andauere. Dann werde es teuer, sehr teuer sogar, die Speicher rechtzeitig vor dem Herbst zu füllen.

Auch LNG-Analyst Christoph Halser von Rystad Energy sieht zwar keine unmittelbare Gefahr für die Gasversorgung, da die Preismechanismen Angebot und Nachfrage global ausgleichen würden. Doch die Herausforderungen bei der europäischen Speicherbefüllung seien real und ernst zu nehmen. Sollte die Straße von Hormus nicht nur für Wochen, sondern für Monate gesperrt bleiben, dürften die Preise weiter klettern.

Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor einer gewaltigen Bewährungsprobe. Es reicht nicht, Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur aufzulegen und gleichzeitig die Energieversorgung dem freien Spiel globaler Marktkräfte zu überlassen. Deutschland braucht eine pragmatische, ideologiefreie Energiestrategie, die Versorgungssicherheit über grüne Wunschträume stellt. Ob die Große Koalition dazu in der Lage ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Gasspeicher jedenfalls warten nicht auf politische Kompromisse.

In Zeiten wie diesen zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, Vermögenswerte zu besitzen, die nicht von geopolitischen Krisen und politischen Fehlentscheidungen abhängig sind. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als krisenfester Wertspeicher bewährt – unabhängig davon, ob LNG-Tanker nach Osten oder Westen fahren. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie einen wertvollen Beitrag zur Vermögenssicherung leisten.

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