
Frankreich brennt – doch beim Wohnen trifft es die Deutschen härter!

Am Samstag brannte im französischen Limoges das 143 Jahre alte Rathaus. Landesweit gingen Hunderttausende auf die Straße, weil Mieten, Preise und schlechte Schulen ihnen zusetzen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt allerdings: Beim Wohnen stehen viele Deutsche noch schlechter da als ihre Nachbarn.
Vom Schülerprotest zum Flächenbrand
Angefangen hat es harmlos. Schüler und Studenten demonstrierten gegen bröckelnde Klassenzimmer und das Chaos bei der Hochschulzulassung. Bald schlossen sich andere an. Der Mieterbund CNL rief ausdrücklich zu den Demonstrationen am 17. Oktober auf. Er kritisierte steigende Mieten und die Pläne, die Wohnbeihilfen 2027 einzufrieren.
Dann eskalierte die Lage. Medien berichten von Tränengas in Paris, geplünderten Geschäften in Marseille und einer brennenden Touristeninformation in Lyon. Die Polizei soll rund 1200 Menschen festgenommen haben. Premierminister Lecornu sprach Berichten zufolge von einem „entsetzlichen Ausmaß an Gewalt“. Die eigentlichen Anliegen der Demonstranten gehen in den Bildern der Zerstörung fast unter.
Deutschlands leise Mietenkrise
Hierzulande gibt es keine Straßenschlachten. Die Not ist trotzdem groß. In deutschen Städten geben 12,6 Prozent der Menschen mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen aus. In Frankreich sind es neun Prozent. Wer betroffen ist, verliert also von jedem verdienten Tausender mehr als 400 Euro an Miete und Nebenkosten.
Zuletzt stiegen die Mieten in Berlin und Düsseldorf am stärksten. Auch auf dem Land ist die Lage kaum besser: Dort ist die Überlastung durch Wohnkosten fast dreimal so häufig wie in Frankreich. Wer so viel für die Miete ausgibt, kann kaum etwas zurücklegen. Vom Eigentum, der klassischen Altersvorsorge der Mittelschicht, bleibt für viele nur der Traum.
Der Frust zeigt sich bisher vor allem bei Wahlen. Bei den jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zählten Wirtschaft, Arbeit und soziale Sicherheit zu den wichtigsten Gründen für die Stimmabgabe. In Berlin punktete die Linke mit der Wohnungsfrage. Dabei entstehen Wohnungen aus unserer Sicht vor allem durch Bauen und nicht durch Parolen.
Mehr Brutto, kaum mehr Netto
Das zweite Problem sind die Löhne. Laut Le Monde ist der französische Medianlohn seit 2017 um 22,8 Prozent gestiegen. Die Inflation lag im selben Zeitraum bei 23,4 Prozent und hat das Plus damit komplett aufgefressen. Bloomberg berichtet, dass Beschäftigten trotz beruflichem Aufstieg rund 500 Euro im Monat fehlen, um ihre Ausgaben zu decken.
In Deutschland sieht es ähnlich aus. Der mittlere Bruttolohn von Vollzeitbeschäftigten ist um mehr als 1000 Euro im Monat gestiegen. Wegen der Inflation können sie sich aber rechnerisch nur etwa vier Prozent mehr leisten.
Noch schlimmer trifft es bestimmte Haushalte. Nach Berechnungen des ifo-Instituts können dort mehr als 90 Prozent einer Gehaltserhöhung verloren gehen. Der Grund: Mit dem Einkommen steigen Steuern und Sozialabgaben, gleichzeitig fallen Wohngeld und Kinderzuschlag weg. Im Extremfall bleiben von 100 Euro mehr Brutto weniger als zehn Euro übrig. Wer soll da noch an das Versprechen glauben, dass sich Leistung lohnt?
Alt gegen Jung: Wer zahlt die Zeche?
Beide Staaten tragen schwer an alten Zusagen. Ein französischer Regierungsbericht zeigt: 32 Prozent des Budgets im Bildungsministerium fließen in Pensionen für ehemalige Staatsbedienstete, insgesamt 28,5 Milliarden Euro. Ausgerechnet dort, wo Schüler für bessere Bildung kämpfen.
Die schwarz-rote Bundesregierung sichert das Rentenniveau bis 2031 ab. Auf Druck der CSU kommt zusätzlich die Mütterrente III, die jedes Jahr rund fünf Milliarden Euro kostet. JU-Chef Johannes Winkel kritisierte das scharf. Er bemängelte auch Kürzungen beim Elterngeld. Das maximale Basiselterngeld liegt seit 2007 unverändert bei 1800 Euro und hat durch die Inflation stark an Wert verloren. Junge Familien zahlen also mehr und bekommen real weniger.
Die Warnung aus Limoges
Frankreich zeigt, wie schnell der soziale Frieden zerbrechen kann. Dafür zählt nicht nur, wie hoch die Lasten sind. Genauso wichtig ist, ob die Menschen ihre Verteilung als gerecht empfinden. Wenn Inflation, Abgaben und Mieten jeden Gehaltszuwachs auffressen, müssen Sparer selbst vorsorgen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen helfen, Kaufkraft über Generationen zu erhalten.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Bitte informieren Sie sich vor jeder Anlageentscheidung selbst. Sie entscheiden eigenverantwortlich über Ihre Geldanlage.
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