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30.10.2026
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Gas-Erpressung aus Washington? Trump könnte Europa zu Putin zurückdrängen

Gas-Erpressung aus Washington? Trump könnte Europa zu Putin zurückdrängen
Symbolbild: KI-generiert

Europa hat sich aus der Abhängigkeit von Russland gelöst und hängt jetzt an den USA. Analysten des Energiedienstes Montel halten es für denkbar, dass Washington seine LNG-Lieferungen als Hebel nutzt, um russisches Gas zurück auf den EU-Markt zu bringen. Das alles passiert ausgerechnet jetzt, wo der Gaspreis erstmals seit Dezember 2022 über 100 Euro je Megawattstunde gestiegen ist.

Neuer Lieferant, alte Abhängigkeit

Erst sollte Moskau den Gashahn nie wieder zudrehen können. Dann kam das amerikanische Flüssigerdgas. Laut dem jüngsten Bericht der EU-Regulierungsagentur Acer stammten im vergangenen Sommer rund 64 Prozent aller LNG-Importe und etwa 30 Prozent sämtlicher Gasimporte der EU aus den Vereinigten Staaten. Von breiter Streuung kann da keine Rede sein.

Montel-Chefanalyst Tobias Federico hält ein bestimmtes Szenario für möglich: Die USA könnten mit gekürzten Lieferungen drohen, sollte Europa russisches Gas nicht wieder hereinlassen. Eine solche Drohung der US-Regierung ist zwar nicht belegt. Washington hat aber bereits Vorschläge auf den Tisch gelegt, wie russische Energie zurückkehren könnte.

Witkoffs Angebot und ein Projekt in Alaska

Laut einem Bericht des Economist stellen US-Unterhändler Moskau im Rahmen der Ukraine-Gespräche die Rückkehr auf den europäischen Gasmarkt in Aussicht, sogar einen Neustart von Nord Stream. Le Monde berichtet, der Sondergesandte Steve Witkoff habe Kiew Einnahmen aus neuem Gas- und Öltransit angeboten. Die Ukrainer hätten abgelehnt. Nach Kreml-Angaben werde außerdem über russische Verflüssigungstechnik für ein LNG-Projekt in Alaska verhandelt. Washington hat das bisher nicht bestätigt.

Brüssel bleibt hart und wirkt dabei hilflos

Die EU geht den entgegengesetzten Weg. Neue Verträge mit Russland sind bereits verboten. Für langfristige LNG-Altverträge endet die Übergangsfrist am 1. Januar 2027, für Pipelineverträge grundsätzlich am 30. September 2027. Eine Sprecherin der Kommission legte sich fest:

„Unabhängig davon, was passiert, nehmen wir russisches Gas und LNG aus dem europäischen Markt.“

Auch die Merz-Regierung will beim Kurs bleiben. Laut Regierungssprecher Stefan Kornelius halte Berlin an den Sanktionen fest und arbeite an weiteren. Dabei haben die USA für russischen Diesel schon eine Ausnahme von ihren eigenen Sanktionen geschaffen. Die Financial Times berichtet, Europas Hauptstädte fürchteten, bei den Ukraine-Verhandlungen übergangen zu werden. Wie sie sich gemeinsam vertreten wollen, ist unter ihnen umstritten. Wer über Europas Sicherheit entscheidet, wird ohne Europa ausgehandelt. Für eine Weltmacht im Wartestand ist das ein bitteres Bild.

Was das für deutsche Haushalte bedeutet

Federico zufolge könnte der unbeschädigte Strang von Nord Stream 2 jährlich rund 250 Terawattstunden liefern. Das wären knapp 30 Prozent des deutschen Verbrauchs. Zur Erinnerung: Im September 2022 hatten Explosionen drei der vier Röhren zerstört. Vor dem Krieg kam mehr als die Hälfte des deutschen Gases aus Russland.

Laut Acer braucht die EU in diesem Winter im Basisszenario rund 900 Terawattstunden LNG. Das sind elf Prozent mehr als im bisher stärksten der vergangenen fünf Winter. Henning Gloystein von der Eurasia Group hält einen Engpass wegen der zu 75 Prozent gefüllten Speicher zwar für unwahrscheinlich. Acer spielt aber trotzdem Szenarien mit verpflichtenden Verbrauchseinschränkungen durch.

Mit Entlastung rechnen die Experten nicht. Federico hält im Januar und Februar Preise von 100 bis 120 Euro für möglich. Gloystein erwartet hohe Preise über das ganze Jahr 2027. Die Rechnung zahlen Familien, Mittelständler und energieintensive Betriebe, die ohnehin unter dem Standort Deutschland leiden.

Fazit: Wer abhängig ist, kann erpresst werden

Europa hat einen Lieferanten gegen einen anderen getauscht, statt seine Versorgung wirklich breit aufzustellen. Dasselbe gilt im Kleinen für jeden Sparer: Wer sich auf eine einzige Säule verlässt, steht in der Krise ohne Absicherung da. Physisches Gold und Silber hängen von keiner Regierung und keiner Pipeline ab. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie deshalb eine sinnvolle Absicherung sein.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt unsere redaktionelle Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.

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